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Bundeskartellamt: Bis zu 3,7 Cent vom Tankrabatt einbehalten

Bundeskartellamt-Bericht zum Tankrabatt: Bei Diesel kamen 13,8 Cent an, bei Super E5 nur 13,0 Cent. Wo der Rest blieb und was die 12-Uhr-Regel bringt.

Überarbeitung vom 18. September 2026: Eigene Tagesmittel zum Preissprung am 1. Juli ergänzt (plus 8,4 Cent; die MTS-K-Angabe misst anders). Unbelegten Vergleichswert zum Tankrabatt 2022 und unbelegte Ursachenzuschreibungen entfernt, Paraphrase der Pressemitteilung nicht mehr als Zitat gesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was steht im Quartalsbericht des Bundeskartellamts zum Tankrabatt?

Vom 16,7 Cent brutto großen Tankrabatt kamen im deutschen Marktschnitt nur 13,8 Cent bei Diesel und 13,0 Cent bei Super E5 tatsächlich am Zapfhahn an. Das steht im neuen Quartalsbericht 2/2026 der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K), den das Bundeskartellamt am 10. Juli 2026 veröffentlicht hat. Die Behörde spricht von einer Weitergabequote von 82,6 Prozent bei Diesel und 77,8 Prozent bei E5. Der Rest, 2,9 bis 3,7 Cent pro Liter, versickerte im System.

Der Bericht macht ungewöhnlich klar, wo er versickerte. Die Berechnungen deuten laut Pressemitteilung darauf hin, dass die unvollständige Weitergabe der Steuersenkung stärker der Preissetzung der Tankstellen als dem Großhandel geschuldet war. Konkret: Die durchschnittliche Bruttomarge der deutschen Tankstellen stieg während der Rabatt-Phase im Mai und Juni um rund 3,3 Cent pro Liter bei Diesel und 1,9 Cent bei E5, jeweils im Vergleich zum ersten Quartal 2026. Damit ist quantifiziert, was viele Autofahrer schon während der Aktion vermuteten: Der Rabatt schmolz auf dem Weg zur Zapfsäule zusammen, weil sich die Tankstellen einen Teil davon einbehielten.

Die Steuersenkung selbst – technisch eine Absenkung der Energiesteuersätze für Diesel und Benzin um 14,04 Cent netto (16,7 Cent brutto inklusive Umsatzsteuer) – galt vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026. Wie die Weitergabe beim Vorläufer 2022 ausfiel, zeigt unsere Bilanz zum Tankrabatt 2022.

Parallel bewertet der Bericht auch die neue 12-Uhr-Regel. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen den Preis nur noch einmal täglich um 12 Uhr anheben; Preissenkungen bleiben jederzeit erlaubt. Die MTS-K sieht darin einen bereits messbaren Effekt: Die Zahl der Preissprünge im Tagesverlauf ist deutlich zurückgegangen, das Preisniveau am Vormittag ist im Schnitt niedriger als am späten Nachmittag, genau das Muster, das der Gesetzgeber mit dem Kraftstoff-Preisanpassungsgesetz (KPAnG) beabsichtigt hatte.

Wichtig zu wissen: Die neue Regel kappt zwar die Preishochs, nicht aber das Preisniveau als solches. Wenn Rohöl teurer wird oder der Wettbewerb im Ort schwach ist, hebt die 12-Uhr-Regel diese Effekte nicht auf. Sie sortiert nur den Tagesrhythmus neu – vom „abends billig, morgens teuer“-Muster der Vor-KPAnG-Zeit zu einem stabileren „morgens niedrig, ab Mittag hoch“-Muster. Für die Preisvergleichsapps bedeutet das paradoxerweise mehr Wert, nicht weniger: Wer den einen niedrigen Preis des Tages nicht verpasst, spart auch bei einem insgesamt teuren Marktumfeld.

Wie stark sind die Spritpreise nach dem Tankrabatt-Ende gestiegen?

Die praktische Folge ist doppelt spürbar: Der Rabatt kam ohnehin nie voll an – und seit dem 1. Juli ist er auch offiziell weg. Zwischen dem 30. Juni und dem 1. Juli 2026 sprangen die Preise an deutschen Tankstellen laut MTS-K bundesweit um 9,6 Cent bei Benzin und 10,4 Cent bei Diesel nach oben. In den SpritFuchs-Tagesmitteln fällt der Sprung etwas kleiner aus (Diesel 1,898 auf 1,982 €, plus 8,4 Cent; Super E5 2,012 auf 2,096 €, plus 8,4 Cent), weil ein Tagesdurchschnitt auch die Stunden vor der Erhöhung enthält. Die aktuelle ADAC-Wochenauswertung (Stand 16.07.2026) meldet für Super E10 einen bundesweiten Mittelwert von 2,024 € und für Diesel 1,953 € pro Liter, jeweils rund zehn Cent teurer als in der Vorwoche. Der Zwei-Euro-Diesel ist damit für viele Regionen wieder Realität.

Der Blick auf die drei größten deutschen Städte, Berlin, Hamburg und München, bestätigt das Bild, ohne es eins zu eins nachzuzeichnen. Die folgende Tabelle zeigt die Medianpreise aller Tankstellen im 10-Kilometer-Umkreis um das jeweilige Stadtzentrum, gemessen zuletzt am 14. Juli 2026 aus dem MTS-K-Datenbestand: eine Momentaufnahme, keine bundesweite Statistik.

StadtDiesel-MedianE5-MedianStationen im 10-km-Radius
Berlin2,049 €2,109 €152
Hamburg2,069 €2,119 €135
München2,069 €2,099 €134

Auffällig ist die Spanne unter der Oberfläche: Innerhalb der drei Städte lagen zwischen der günstigsten und der teuersten Zapfsäule an einem einzigen Tag rund 10 bis 20 Cent Unterschied. Wer nicht vergleicht, zahlt bei einer 50-Liter-Füllung schnell 5 bis 10 € zu viel – mehr, als der Tankrabatt in zwei Monaten pro Tankvorgang je gebracht hat. Das ist die stille Pointe des MTS-K-Berichts: Der individuelle Preisvergleich hat für die Haushaltskasse längst mehr Gewicht als die Frage, ob die Politik den nächsten Steuernachlass beschließt oder nicht.

Eine mögliche Erklärung für regionale Unterschiede: In Ballungsräumen mit vielen freien Tankstellen und starker Preiskonkurrenz dürfte die Weitergabe im Schnitt vollständiger gewesen sein, weil der Wettbewerbsdruck die Margen weniger stark steigen lässt. In dünn besiedelten Regionen mit oft nur zwei bis drei Anbietern könnten die Tankstellen dagegen einen größeren Teil der Steuersenkung als Marge einbehalten haben. Der Quartalsbericht selbst weist eine solche regionale Aufschlüsselung in der Pressemitteilung nicht aus.

Der zweite Hebel ist die Uhrzeit. Weil Erhöhungen unter der 12-Uhr-Regel nur einmal täglich um 12 Uhr erlaubt sind, ist das Fenster zwischen 8 und 11 Uhr strukturell das günstigste, was für die alte Faustregel „abends tanken“ das Ende bedeutet. Details zum neuen Rhythmus finden sich in unserer Analyse zur ersten Woche nach dem Tankrabatt-Ende.

Wie tankt man nach dem Tankrabatt-Ende am günstigsten?

Die Botschaft des Berichts an Verbraucher ist unbequem, aber klar: Verlassen Sie sich nicht auf die Politik, sondern auf den Preisvergleich. Vier konkrete Schritte für die kommenden Wochen:

  • Tanken Sie im Zeitfenster zwischen 8 und 11 Uhr, solange Sie können. Nach 12 Uhr springen die Preise regelmäßig auf das Tageshoch, und wegen der neuen Regel bleiben sie dort meist bis in den späten Nachmittag stehen.
  • Prüfen Sie den lokalen Preisunterschied jedes Mal neu. Auf SpritFuchs sehen Sie anhand der nächtlich aktualisierten MTS-K-Daten, welche Station in Ihrer Umgebung zuletzt die günstigste war, inklusive der Marken, die im Wochenschnitt am stabilsten unter dem Ortsdurchschnitt liegen.
  • Nutzen Sie die Preisvergleiche gerade bei größeren Tankfüllungen. Bei einer Diesel-Füllung mit 60 Litern und der aktuellen Spanne zwischen günstigster und teuerster Zapfsäule in Ihrer Stadt sind zweistellige Euro-Ersparnisse pro Tankvorgang keine Ausnahme.
  • Beobachten Sie den nächsten Quartalsbericht der MTS-K. Der aktuelle Bericht zeigt, dass die 12-Uhr-Regel wirkt – und dass die Behörde nun im Detail nachweisen kann, wo Steuersenkungen versickern. Der nächste Bericht (Q3/2026) dürfte Anfang Oktober erscheinen und wird der erste sein, der ausschließlich Zeiträume ohne Tankrabatt und mit voller Wirkung des KPAnG abdeckt, also das eigentliche Referenzniveau des neuen Marktrhythmus.
Der Tankrabatt 2026 ist Geschichte, die Rechnung liegt auf dem Tisch: 2,9 bis 3,7 Cent pro Liter, die im System hängen geblieben sind, plus 10 Cent Aufschlag am 1. Juli. Was bleibt, ist die Fähigkeit jedes einzelnen Autofahrers, den Unterschied zwischen zwei Zapfsäulen selbst auszuwählen – und die kann heute mehr wert sein als der nächste politische Rabatt. Denn die Wettbewerbshoheit an der Zapfsäule liegt am Ende nicht in Berlin oder Bonn, sondern in der Hand desjenigen, der die aktuelle Preistabelle vor dem Abbiegen kurz gecheckt hat.

Häufig gestellte Fragen

Was hat das Bundeskartellamt am 10. Juli 2026 veröffentlicht?

Den zweiten Quartalsbericht 2026 der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K). Er wertet die Preisdaten aller rund 14.700 deutschen Tankstellen zwischen April und Juni aus und quantifiziert erstmals, wie viel vom Tankrabatt (1. Mai bis 30. Juni 2026) tatsächlich bei den Autofahrern ankam.

Wie hoch war die Weitergabe des Tankrabatts wirklich?

Die MTS-K schätzt die durchschnittliche Weitergabe über die Wertschöpfungskette hinweg bei Diesel auf 13,8 Cent pro Liter (82,6 % der brutto 16,7 Cent Steuernachlass, Lücke 2,9 Cent) und bei Super E5 auf 13,0 Cent (77,8 %, Lücke 3,7 Cent).

Warum wurde nicht der volle Rabatt weitergegeben?

Laut Bundeskartellamt lag die Lücke überwiegend nicht am Großhandel, sondern an den Tankstellen selbst: Ihre durchschnittliche Bruttomarge stieg während der Rabatt-Phase um rund 3,3 Cent bei Diesel und 1,9 Cent bei E5 gegenüber dem ersten Quartal 2026.

Wie stark sind die Preise nach dem 1. Juli gestiegen?

Zwischen dem 30. Juni und dem 1. Juli 2026 kletterten die deutschen Zapfsäulenpreise laut MTS-K um 9,6 Cent bei Benzin und 10,4 Cent bei Diesel. In der aktuellen ADAC-Wochenauswertung (Stand 16.07.2026) liegt Super E10 bei 2,024 € und Diesel bei 1,953 € pro Liter – ein Plus von 10,1 Cent bzw. 9,4 Cent gegenüber der Vorwoche.

Was bewirkt die 12-Uhr-Regel bisher?

Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen den Preis nur noch einmal täglich um 12 Uhr anheben; Senkungen sind jederzeit erlaubt. Das Bundeskartellamt sieht darin eine bereits messbar dämpfende Wirkung auf die Zahl der Preissprünge im Tagesverlauf. Für Autofahrer heißt das: Der günstigste Zeitpunkt liegt morgens vor 12 Uhr – nicht mehr wie früher spätabends.

Was ist die MTS-K überhaupt?

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe ist eine gesetzlich verankerte Behörde beim Bundeskartellamt (§ 47k GWB). Sie sammelt seit 2013 in Echtzeit die Preise aller deutschen öffentlichen Tankstellen, gibt sie an Verbraucher-Informationsdienste weiter und wertet den Wettbewerb quartalsweise aus.

Was folgt aus dem Bericht für die eigene Tankstrategie?

Der Preisvergleich lohnt sich mehr denn je: Auch innerhalb einer Stadt liegen häufig 15 bis 25 Cent zwischen der günstigsten und teuersten Zapfsäule. Wer morgens vor 12 Uhr tankt und vorher kurz vergleicht, kann bei einer 50-Liter-Füllung schnell 8 bis 12 Euro sparen.

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Ratgeber

Tankrabatt 2022: Bilanz und Lehren für 2026

Der Tankrabatt vom 1. Juni bis 31. August 2022 senkte die Energiesteuer rechnerisch um 35 Cent bei Benzin und 17 Cent bei Diesel – kam beim Diesel aber nur zu rund 74 Prozent an der Zapfsäule an. Von 3,15 Milliarden Euro Steuergeld blieben nach Schätzung des Bundeskartellamts hunderte Millionen Euro auf den vorgelagerten Marktstufen hängen. Der 2026er Rabatt wiederholte einige der Muster fast lehrbuchhaft.

News

Diesel nach Tankrabatt-Ende: 19,3 Cent Aufschlag hält

Neun Tage nach dem Tankrabatt-Ende steht Diesel im Bundesschnitt bei 1,962 Euro (7. Juli), E10 bei 2,030 Euro. Der Sprung vom 30. Juni und 1. Juli ist zu über 90 Prozent geblieben – nur 2 Cent des 19-Cent-Aufschlags wurden bis zum 7. Juli zurückgegeben. Der ADAC misst für die Woche +9,4 Cent bei Diesel und +10,1 Cent bei E10. Brent notiert bei rund 78 Dollar, Analysten senken ihre Prognose auf 60–65 Dollar. Die zusätzliche OPEC+-Menge von 188.000 Barrel für August ist beschlossen – an der Zapfsäule kommt davon bislang nichts an.

News

Diesel 19,3 Cent teurer: Tankrabatt-Aufschlag in zwei Wellen

Seit dem 1. Juli 2026 ist der Tankrabatt Geschichte. Der Bundesschnitt für Diesel ist zwischen dem 29. Juni und dem 1. Juli um 19,3 Cent auf 1,982 Euro gestiegen, E10 um 17,5 Cent auf 2,039 Euro. Der reine Steuereffekt beträgt brutto 16,7 Cent – die restlichen 2,6 Cent Diesel-Aufschlag haben die Konzerne bereits am 30. Juni per Vorziehung eingebaut. Die 12-Uhr-Regel drückte den zweiten Schub um Punkt 12 Uhr am Mittwoch durch.

Ratgeber

Markttransparenzstelle für Kraftstoffe: Was macht die MTS-K?

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) ist eine Abteilung des Bundeskartellamts und sammelt seit Dezember 2013 jede Preisänderung von rund 15.000 deutschen Tankstellen – Tankstellen müssen jede neue Notierung für E5, E10 und Diesel innerhalb von fünf Minuten melden. Die Daten gehen an lizenzierte Verbraucher-Informationsdienste wie Spritpreis-Apps und Portale, die sie an Autofahrer weiterreichen. Rechtsgrundlage ist § 47k GWB plus die MTSKraftV. Paradox: Die Transparenz hat zwar das Vergleichen erleichtert, gleichzeitig hat sich die Zahl der Preisänderungen pro Tankstelle laut Bundeskartellamt von 4–5 (2014) auf 18 (Anfang 2024) erhöht – was den Kartellwächtern wiederum als wettbewerbsdämpfend gilt.