Bundeskartellamt-Q2-Bericht: Tankstellen behielten bis zu 3,7 Cent vom Tankrabatt ein
Der neue Quartalsbericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zeigt, wo der Tankrabatt versickerte — und was die 12-Uhr-Regel bisher bewirkt hat.
Inhaltsverzeichnis
Was ist passiert?
Vom 16,7 Cent brutto großen Tankrabatt kamen im deutschen Marktschnitt nur 13,8 Cent bei Diesel und 13,0 Cent bei Super E5 tatsächlich am Zapfhahn an. Das steht im neuen Quartalsbericht 2/2026 der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K), den das Bundeskartellamt am 10. Juli 2026 veröffentlicht hat. Die Behörde spricht von einer Weitergabequote von 82,6 Prozent bei Diesel und 77,8 Prozent bei E5 — der Rest, 2,9 bis 3,7 Cent pro Liter, versickerte im System.
Der Bericht macht ungewöhnlich klar, wo er versickerte. „Die Berechnungen deuten darauf hin, dass die unvollständige Weitergabe der Steuersenkung stärker der Preissetzung der Tankstellen als dem Großhandel geschuldet war", heißt es in der Pressemitteilung sinngemäß. Konkret: Die durchschnittliche Bruttomarge der deutschen Tankstellen stieg während der Rabatt-Phase im Mai und Juni um rund 3,3 Cent pro Liter bei Diesel und 1,9 Cent bei E5 — jeweils im Vergleich zum ersten Quartal 2026. Damit ist quantifiziert, was viele Autofahrer schon während der Aktion vermuteten: Der Rabatt schmolz auf dem Weg zur Zapfsäule zusammen, weil sich die Tankstellen einen Teil davon einbehielten.
Die Steuersenkung selbst — technisch eine Absenkung der Energiesteuersätze für Diesel und Benzin um 14,04 Cent netto (16,7 Cent brutto inklusive Umsatzsteuer) — galt vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026. Zum Vergleich: Beim Bundeskartellamt-Rückblick auf den Tankrabatt 2022 lag die Weitergabequote bei Benzin damals nur bei rund 80 Prozent — die aktuelle Bilanz für 2026 fällt bei Diesel also messbar besser, bei E5 aber weiter unterdurchschnittlich aus. Der Unterschied ist kein Zufall: Diesel ist im Sommer stärker vom Fernverkehr und damit vom Autobahn-Wettbewerb geprägt, während der Benzinmarkt regional konzentrierter und stärker von den vier großen Markenkonzernen dominiert bleibt — und dort wirken Rabatte im Zweifel langsamer.
Parallel bewertet der Bericht auch die neue 12-Uhr-Regel. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen den Preis nur noch einmal täglich um 12 Uhr anheben; Preissenkungen bleiben jederzeit erlaubt. Die MTS-K sieht darin einen bereits messbaren Effekt: Die Zahl der Preissprünge im Tagesverlauf ist deutlich zurückgegangen, das Preisniveau am Vormittag ist im Schnitt niedriger als am späten Nachmittag — genau das Muster, das der Gesetzgeber mit dem Kraftstoff-Preisanpassungsgesetz (KPAnG) beabsichtigt hatte.
Wichtig zu wissen: Die neue Regel kappt zwar die Preishochs, nicht aber das Preisniveau als solches. Wenn Rohöl teurer wird oder der Wettbewerb im Ort schwach ist, hebt die 12-Uhr-Regel diese Effekte nicht auf. Sie sortiert nur den Tagesrhythmus neu — vom „abends billig, morgens teuer"-Muster der Vor-KPAnG-Zeit zu einem stabileren „morgens niedrig, ab Mittag hoch"-Muster. Für die Preisvergleichsapps bedeutet das paradoxerweise mehr Wert, nicht weniger: Wer den einen niedrigen Preis des Tages nicht verpasst, spart auch bei einem insgesamt teuren Marktumfeld.
Was heißt das für Autofahrer?
Die praktische Folge ist doppelt spürbar: Der Rabatt kam ohnehin nie voll an — und seit dem 1. Juli ist er auch offiziell weg. Zwischen dem 30. Juni und dem 1. Juli 2026 sprangen die Preise an deutschen Tankstellen laut MTS-K bundesweit um 9,6 Cent bei Benzin und 10,4 Cent bei Diesel nach oben. Die aktuelle ADAC-Wochenauswertung (Stand 16.07.2026) meldet für Super E10 einen bundesweiten Mittelwert von 2,024 € und für Diesel 1,953 € pro Liter — jeweils rund zehn Cent teurer als in der Vorwoche. Der Zwei-Euro-Diesel ist damit für viele Regionen wieder Realität.
Der Blick auf die drei größten deutschen Städte bestätigt das Bild, ohne es eins zu eins nachzubeichnen. Die folgende Tabelle zeigt die Medianpreise aller Tankstellen im 10-Kilometer-Umkreis um das jeweilige Stadtzentrum, gemessen zuletzt am 14. Juli 2026 aus dem MTS-K-Datenbestand — eine Momentaufnahme, keine bundesweite Statistik.
| Stadt | Diesel-Median | E5-Median | Stationen im 10-km-Radius |
|---|---|---|---|
| Berlin | 2,049 € | 2,109 € | 152 |
| Hamburg | 2,069 € | 2,119 € | 135 |
| München | 2,069 € | 2,099 € | 134 |
Für die regionale Verteilung heißt das: Der Tankrabatt schmolz nicht überall gleich weit ab. In Ballungsräumen mit vielen freien Tankstellen und starker Preiskonkurrenz war die Weitergabe im Schnitt vollständiger — der Wettbewerbsdruck ließ die Margen weniger stark steigen. In dünn besiedelten Regionen mit oft nur zwei bis drei Anbietern konnten die Tankstellen dagegen einen größeren Teil der Steuersenkung als Marge einbehalten. Das erklärt auch, warum die absoluten Preisunterschiede zwischen Bundesländern nach dem 1. Juli spürbar größer geworden sind als vor Beginn der Rabatt-Phase.
Der zweite Hebel ist die Uhrzeit. Weil Erhöhungen unter der 12-Uhr-Regel nur einmal täglich um 12 Uhr erlaubt sind, ist das Fenster zwischen 8 und 11 Uhr strukturell das günstigste — was für die alte Faustregel „abends tanken" das Ende bedeutet. Details zum neuen Rhythmus finden sich in unserer Analyse zur ersten Woche nach dem Tankrabatt-Ende.
Was Sie jetzt tun können
Die Botschaft des Berichts an Verbraucher ist unbequem, aber klar: Verlassen Sie sich nicht auf die Politik, sondern auf den Preisvergleich. Vier konkrete Schritte für die kommenden Wochen:
Erstens: Tanken Sie im Zeitfenster zwischen 8 und 11 Uhr, solange Sie können. Nach 12 Uhr springen die Preise regelmäßig auf das Tageshoch, und wegen der neuen Regel bleiben sie dort meist bis in den späten Nachmittag stehen.
Zweitens: Prüfen Sie den lokalen Preisunterschied jedes Mal neu. Auf SpritFuchs sehen Sie in Echtzeit aus den MTS-K-Daten, welche Station in Ihrer Umgebung heute die günstigste ist — inklusive der Marken, die im Wochenschnitt am stabilsten unter dem Ortsdurchschnitt liegen.
Drittens: Nutzen Sie die Preisvergleiche gerade bei größeren Tankfüllungen. Bei einer Diesel-Füllung mit 60 Litern und der aktuellen Spanne zwischen günstigster und teuerster Zapfsäule in Ihrer Stadt sind zweistellige Euro-Ersparnisse pro Tankvorgang keine Ausnahme.
Viertens: Beobachten Sie den nächsten Quartalsbericht der MTS-K. Der aktuelle Bericht zeigt, dass die 12-Uhr-Regel wirkt — und dass die Behörde nun im Detail nachweisen kann, wo Steuersenkungen versickern. Der nächste Bericht (Q3/2026) dürfte Anfang Oktober erscheinen und wird der erste sein, der ausschließlich Zeiträume ohne Tankrabatt und mit voller Wirkung des KPAnG abdeckt — also das eigentliche Referenzniveau des neuen Marktrhythmus.
Der Tankrabatt 2026 ist Geschichte, die Rechnung liegt auf dem Tisch: 2,9 bis 3,7 Cent pro Liter, die im System hängen geblieben sind, plus 10 Cent Aufschlag am 1. Juli. Was bleibt, ist die Fähigkeit jedes einzelnen Autofahrers, den Unterschied zwischen zwei Zapfsäulen selbst auszuwählen — und die kann heute mehr wert sein als der nächste politische Rabatt. Denn die Wettbewerbshoheit an der Zapfsäule liegt am Ende nicht in Berlin oder Bonn, sondern in der Hand desjenigen, der die aktuelle Preistabelle vor dem Abbiegen kurz gecheckt hat.
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