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Markttransparenzstelle für Kraftstoffe: Was macht die MTS-K?

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) erfasst seit 2013 die Preise von rund 15.000 Tankstellen. So funktioniert das System dahinter.

Überarbeitung vom 17. September 2026: Aussagen zur Zahl der Preisänderungen auf die Zeit vor der 12-Uhr-Regel datiert, unbelegte Wertungen entfernt oder als Einschätzung gekennzeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe?

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (kurz MTS-K) ist eine Abteilung des Bundeskartellamts in Bonn, die seit dem 1. Dezember 2013 jede Preisänderung an rund 15.000 öffentlichen Tankstellen in Deutschland in Echtzeit erfasst. Wer auf SpritFuchs nach aktuellen Spritpreisen sucht, bekommt am Ende dieser Kette MTS-K-Daten zu sehen, auch wenn die Quelle für die meisten Autofahrer im Verborgenen bleibt.

Die MTS-K ist also kein Vergleichsportal und keine App. Sie ist die zentrale Datenstelle des Staates, an die Tankstellen verpflichtend jede neue Notierung für Super E5, Super E10 und Diesel melden müssen, und zwar innerhalb von fünf Minuten nach der Preisänderung, vollelektronisch. Die MTS-K reicht diese Daten dann an lizenzierte Verbraucher-Informationsdienste weiter: Spritpreis-Apps, Webportale und Anbieter von Navigationssystemen. Ohne MTS-K gäbe es in Deutschland keine echten Echtzeit-Preisvergleiche.

Im Hintergrund hat das System ein klares Ziel: Wettbewerb. Wenn Verbraucher jederzeit den nächsten günstigen Anbieter finden, sollten Tankstellen, so die Theorie, preisbewusster kalkulieren. Die Realität ist, wie weiter unten zu lesen sein wird, deutlich komplizierter.

Wie kam es zur MTS-K? Die Gründung 2013

Die MTS-K geht auf eine Sektoruntersuchung zurück. Im Frühjahr 2011 schloss das Bundeskartellamt eine umfangreiche Untersuchung des deutschen Kraftstoffmarktes ab und stellte erhebliche Wettbewerbsdefizite fest: Wenige große Mineralölkonzerne (die sogenannten „Big Five“ Aral, Shell, Total, Esso und Jet) dominierten den Markt, und parallele Preisbewegungen ließen das Bundeskartellamt an effizientem Wettbewerb zweifeln.

Daraufhin wurde im Dezember 2012 das Gesetz zur Einrichtung einer Markttransparenzstelle für den Großhandel mit Strom und Gas verabschiedet, das in einem Aufwasch auch eine separate Stelle für Kraftstoffe schuf. Der zentrale Paragraph ist § 47k im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB). Im März 2013 trat die ergänzende Markttransparenzstellen-Verordnung Kraftstoffe (MTSKraftV) in Kraft, die technische Details regelt, etwa Format und Frist der Preismeldungen. Nach drei Monaten Probebetrieb startete der Regelbetrieb am 1. Dezember 2013.

Die rechtliche Konstruktion ist ungewöhnlich: Eine staatliche Behörde zwingt private Tankstellen, ihre kommerziell sensiblen Preise in Echtzeit offenzulegen. Das gibt es in dieser Form in kaum einer anderen Branche und kaum einem anderen Land. Die Eingriffstiefe wurde damals heftig diskutiert, gilt heute aber als etabliert.

Wie funktioniert die Preisübermittlung in der Praxis?

Sobald an einer Tankstelle ein neuer Preis für E5, E10 oder Diesel geschaltet wird (manuell vom Pächter oder zentral aus der Konzernzentrale), beginnt eine 5-Minuten-Frist. Innerhalb dieses Zeitfensters muss die neue Notierung an die MTS-K übermittelt werden, im vorgegebenen elektronischen Format. Tankstellen, deren Preise von einer Konzernzentrale gesetzt werden, übergeben diese Pflicht in der Praxis an den Konzern, der dann zentral meldet.

Die MTS-K nimmt die Meldung entgegen, prüft sie auf Plausibilität und stellt sie sofort den lizenzierten Verbraucher-Informationsdiensten zur Verfügung. Diese Echtzeit-Schnittstelle ist das Herzstück des Systems. Parallel dazu archiviert die MTS-K die Daten dauerhaft. Die historische Zeitreihe reicht inzwischen über mehr als zehn Jahre und ist eine wichtige Grundlage für Studien zu Preisdynamik und Marktverhalten.

Hier eine Übersicht der wichtigsten Eckdaten:

MerkmalRegelung
TrägerBundeskartellamt, Abteilung MTS-K, Bonn
Start des Regelbetriebs1. Dezember 2013
Rechtsgrundlage§ 47k GWB + MTSKraftV
Erfasste Tankstellenrund 15.000 (alle öffentlichen Tankstellen)
Erfasste KraftstoffeSuper E5, Super E10, Diesel
MeldepflichtJede Preisänderung
Meldefristinnerhalb von 5 Minuten
Empfänger der Datenlizenzierte Verbraucher-Informationsdienste
Aufsicht über Tagespreis-Regelseit 1. April 2026 ebenfalls bei MTS-K

Welche Konzepte dahinter stecken (Energiesteuer, Marge, Rohölkopplung), kann man im Detail im SpritFuchs-Beitrag zur Zusammensetzung des Benzinpreises nachlesen. Die MTS-K erfasst nur den Endpreis an der Zapfsäule, nicht seine inneren Bestandteile.

Wer empfängt die Daten? Die Verbraucher-Informationsdienste

Die MTS-K gibt ihre Daten nicht direkt an Endverbraucher heraus: Es gibt keine „MTS-K-App“ mit Live-Karte. Stattdessen reicht sie die Daten an Unternehmen weiter, die als Verbraucher-Informationsdienst zugelassen sind. Bekannte Beispiele sind clever-tanken, mehr-tanken, ADAC Spritpreise oder Tankerkönig. Auch SpritFuchs nutzt über den täglichen Datendump der Tankerkönig-Initiative am Ende der Kette MTS-K-Daten.

Damit ein Anbieter als Verbraucher-Informationsdienst zugelassen wird, muss er beim Bundeskartellamt einige Auflagen erfüllen: Er muss die Preise bundesweit veröffentlichen, darf keine Tankstellen diskriminieren oder bevorzugen, muss eine Beschwerdestelle für falsche Preise einrichten und seine Tätigkeit dauerhaft aufrechterhalten. Wer diese Bedingungen verletzt, kann die Lizenz verlieren.

Die Auflagen sollen verhindern, dass einzelne Anbieter (etwa Mineralölkonzerne selbst) die Echtzeitdaten kommerziell verzerren oder für unfaire Werbestrategien nutzen.

Wichtig zu wissen: Die meisten kleinen Vergleichsportale fragen die Daten nicht direkt bei der MTS-K ab, sondern bauen auf einem von wenigen lizenzierten Hauptabnehmern auf. Die Tankerkönig-Initiative etwa veröffentlicht ihre MTS-K-Daten als täglichen Datendump unter einer offenen Lizenz (CC BY-NC-SA 4.0), wovon wiederum Hobby-Entwickler, kleinere Apps und auch SpritFuchs profitieren. Diese „Datenpyramide“ (MTS-K an wenige Hauptdienste, von dort an viele Sekundäranbieter) ist offiziell nicht vorgesehen, hat sich aber als pragmatischer Standard etabliert.

Bringt die Preistransparenz tatsächlich Wettbewerb?

Hier kommt die paradoxe Wendung. Ursprünglich gedacht, um Wettbewerb zu fördern, wird die hohe Markttransparenz inzwischen vom Bundeskartellamt selbst kritisch gesehen. Im Februar 2025 veröffentlichte die Behörde den Abschlussbericht ihrer Sektoruntersuchung Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel und kam zu einem überraschenden Befund.

2014, im ersten vollen Jahr nach dem MTS-K-Start, änderten Tankstellen ihre Preise im Schnitt 4- bis 5-mal pro Tag. Anfang 2024 waren es bereits 18 Preisänderungen pro Tankstelle und Tag. Da jede Tankstelle die Konkurrenz quasi in Echtzeit beobachten kann, reagiert sie innerhalb von Minuten auf Nachbar-Bewegungen. Anstatt Wettbewerb zu erzeugen, führt das laut Bundeskartellamt zu „uniformen oder koordinierten Preisreaktionen“, also einem Parallelverhalten, das den Wettbewerb dämpft.

Das Bundeskartellamt formuliert in seinem Bericht: Eine hohe Markttransparenz fördere neben anderen Faktoren eine wettbewerbsferne Preisbildung. Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis: Das Instrument, das die Behörde selbst betreibt, könnte unter bestimmten Bedingungen den Wettbewerb sogar dämpfen. Für Verbraucher hieß das bis zur Einführung der 12-Uhr-Regel konkret: Die 18 täglichen Preisänderungen erschwerten es, einen „guten Moment“ zum Tanken zu erwischen. Ohne App hatte man kaum eine Chance, dem Muster zu folgen, gerade in Flächenländern, wo das nächste günstigere Konkurrenzangebot oft mehrere Kilometer entfernt liegt.

Akademische Studien sind in ihrer Bewertung gespalten. Eine viel zitierte Untersuchung des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) kam 2018 zu dem Schluss, dass die MTS-K den Preiswettbewerb messbar verstärkt und insbesondere die täglichen Preisspitzen gedämpft hat. Spätere Auswertungen, wie die des Bundeskartellamts selbst, zeichnen ein nüchterneres Bild: Der ursprüngliche Effekt sei abgeflacht, weil sich die Marktteilnehmer an die neue Datenlage adaptiert haben. Das ist keine Überraschung, sondern eine bekannte ökonomische Dynamik: Transparenz wirkt unterschiedlich, je nachdem, wer schneller damit umgehen kann: Verbraucher oder Marktteilnehmer mit Algorithmen. Heute dürften die Mineralölkonzerne diesen Geschwindigkeitsvorteil haben.

Was ändert sich 2026 durch die neue Preisregel?

Als Reaktion auf diese Befunde wurde die deutlichste Reform des MTS-K-Systems seit seiner Gründung beschlossen. Seit dem 1. April 2026 gilt eine neue Regel (die 12-Uhr-Regel, KPAnG): Tankstellen dürfen ihre Preise pro Tag nur noch einmal erhöhen, und zwar um 12:00 Uhr mittags. Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich. Die genauen Hintergründe und Auswirkungen der neuen Tagespreis-Regel gehen darüber hinaus. Entscheidend für das MTS-K-System ist: Die Behörde wurde gleichzeitig zur Aufsichtsstelle dieser neuen Regel ernannt.

Damit die MTS-K Verstöße automatisch erkennt, brauchte sie eine zusätzliche Information: den exakten Zeitstempel jeder Preisänderung. Eine bis dahin geltende Ausnahme für die Erfassung des genauen Zeitpunkts wurde gestrichen. Jede Preismeldung muss seitdem den sekundengenauen Zeitpunkt enthalten, sodass die MTS-K Auffälligkeiten (etwa eine zweite Preiserhöhung am selben Tag) automatisch markieren und an die zuständigen Aufsichtsbehörden weiterleiten kann.

Die Daten-Sammelstelle hat damit auch eine Kontrollfunktion bekommen. Das verändert das Verhältnis zwischen MTS-K und den Tankstellen-Konzernen merklich, denn falsche oder verspätete Meldungen sind nun nicht mehr nur ein Verstoß gegen die Meldepflicht, sondern können auch eine Umgehung der Tagespreis-Regel sein.

Fazit: Warum die MTS-K für Autofahrer trotzdem unbezahlbar ist

Auch wenn die Wettbewerbswirkung der Markttransparenzstelle inzwischen umstritten ist – für einzelne Autofahrer bleibt der Datenstrom Gold wert. Ohne MTS-K wüssten Sie morgen früh nicht, ob die freie Tankstelle drei Straßen weiter 6 Cent günstiger ist als der Markenkonzern am Stadtrand. Sie wären auf das Lesen der Preisanzeigetafel angewiesen, also auf einen Stichproben-Vergleich, den niemand bei jeder Fahrt durchführt. Das gleiche Echtzeit-Datenfundament, das vielleicht den Tankstellen das stille Koordinieren erleichtert, ermöglicht Verbrauchern gleichzeitig den präzisen Vergleich auf 0,1 Cent genau.

Nutzen Sie diesen Hebel: Bevor Sie das nächste Mal tanken, vergleichen Sie die Preise in Ihrer Stadt auf SpritFuchs. Sie schauen damit am Ende auf MTS-K-Daten. Die MTS-K selbst erfasst jede Preisänderung innerhalb von fünf Minuten, SpritFuchs bezieht die Daten aber über den täglichen MTS-K-Datendump – die angezeigten Preise sind also nicht in Echtzeit, sondern vom letzten nächtlichen Datenimport. Genau dafür wurde die Stelle Ende 2013 gegründet.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K)?

Die MTS-K ist eine Abteilung des Bundeskartellamts in Bonn. Sie sammelt seit Dezember 2013 in Echtzeit die Spritpreise von rund 15.000 öffentlichen Tankstellen in Deutschland und reicht sie an lizenzierte Verbraucher-Informationsdienste – also Spritpreis-Apps und Vergleichsportale – weiter. Ziel ist die Stärkung des Wettbewerbs im Kraftstoffmarkt.

Welche Pflichten haben Tankstellen gegenüber der MTS-K?

Tankstellen, die ihre Preise selbst festlegen, sowie übergeordnete Konzerne, die Preise vorgeben, müssen jede Preisänderung für Super E5, Super E10 und Diesel innerhalb von fünf Minuten elektronisch an die MTS-K melden. Die Pflicht ergibt sich aus § 47k GWB und der Markttransparenzstellen-Verordnung Kraftstoffe (MTSKraftV).

Wer darf die MTS-K-Daten nutzen?

Nur Anbieter, die als Verbraucher-Informationsdienst vom Bundeskartellamt lizenziert wurden, dürfen die Echtzeitdaten abrufen. Sie müssen die Preise dauerhaft, bundesweit und ohne Diskriminierung veröffentlichen – über App, Webseite oder Navigationssystem. Außerdem müssen sie eine Beschwerdestelle für falsche Preise einrichten.

Woher haben Spritpreis-Apps wie clever-tanken oder Tankerkönig ihre Daten?

Alle deutschen Spritpreis-Apps und Vergleichsportale beziehen ihre Daten direkt aus der MTS-K. Es gibt keine andere offizielle Quelle. Auch SpritFuchs nutzt die täglichen MTS-K-Datendumps über Tankerkönig, das wiederum die Echtzeit-Schnittstelle der MTS-K nutzt.

Warum hat die Zahl der täglichen Preisänderungen zugenommen?

Weil Tankstellen die Konkurrenz in Echtzeit beobachten können, reagieren sie heute viel häufiger auf Preisbewegungen ihrer Nachbarn. Laut Bundeskartellamt waren es 2014 noch 4–5 Preisänderungen pro Tankstelle und Tag, Anfang 2024 bereits 18. Genau diese hohe Markttransparenz erschwert wiederum Preisvergleiche durch Verbraucher.

Was ändert sich 2026 durch die Tagespreis-Regel?

Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise pro Tag nur einmal – um 12:00 Uhr – erhöhen (12-Uhr-Regel, KPAnG). Preissenkungen sind weiterhin jederzeit möglich. Die MTS-K überwacht die Einhaltung automatisch anhand der Meldungen und kann Verstöße an die Aufsichtsbehörden weiterleiten. Mehr dazu im Ratgeber: Wann ist Tanken am günstigsten?

Wo finde ich Berichte und Analysen der MTS-K?

Das Bundeskartellamt veröffentlicht regelmäßig Quartalsberichte sowie Sektoruntersuchungen zum Kraftstoffmarkt. Im Februar 2025 erschien der umfassende Abschlussbericht zur Sektoruntersuchung Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel, der die Wettbewerbsbedingungen analysiert.

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Bei 1,70 € pro Liter sind rund 63 % des Benzinpreises Steuern und Abgaben: 65,45 Cent Energiesteuer, etwa 13 bis 15 Cent CO2-Abgabe, plus 19 % Mehrwertsteuer (auch auf die anderen Abgaben). Die Marge der Tankstellen liegt nur bei 5–12 Cent pro Liter – die meisten Preisschwankungen stammen also nicht von den Pächtern.

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Neue Regel: Tankstellen dürfen Preise nur um 12 Uhr erhöhen

Ab 1. April 2026 gilt in Deutschland das Österreich-Modell: Tankstellen dürfen Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich um 12:00 Uhr anheben. Preissenkungen bleiben jederzeit erlaubt. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 100.000 Euro. Ob die Regel tatsächlich entlastet oder nach hinten losgeht, zeigen unsere Daten eine Woche später – siehe Follow-up-Analyse.

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Bis zur 12-Uhr-Regel (1. April 2026) waren Spritpreise oft morgens am teuersten und abends am günstigsten. Seitdem dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen – heute ist es meist vormittags kurz vor 12 Uhr am günstigsten und direkt nach dem Mittagssprung am teuersten.

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