Bundesländer-Ranking nach dem Tankrabatt-Ende: Wo Diesel jetzt am günstigsten ist
MTS-K-Daten der ersten 48 Stunden nach dem Tankrabatt-Ende: Das Saarland führt mit 1,953 € Diesel, Hessen ist mit 1,998 € am teuersten. Sachsen-Anhalt sprang mit +21,6 Cent am härtesten. Ranking aller 16 Bundesländer und Erklärung der Spreizung.
Inhaltsverzeichnis
Methodik
Grundlage dieser Auswertung sind die amtlichen MTS-K-Tagesdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, wie sie SpritFuchs jede Nacht als offiziellen Tankerkoenig-Datenexport in die eigene Datenbank importiert. Ausgewertet wurde der Fünf-Tage-Fenster vom 28. Juni bis 2. Juli 2026, also die beiden letzten Handelstage vor dem Tankrabatt-Ende, der Vorzieh-Tag am 30. Juni sowie die ersten beiden Handelstage nach Auslaufen der Steuerentlastung. Jeder Tageswert ist ein zeitgewichteter Durchschnitt aller meldenden Stationen im jeweiligen Bundesland. Grundgesamtheit am 2. Juli: 14.707 Stationen bundesweit, davon 2.345 in Bayern, 3.083 in Nordrhein-Westfalen und je um die 600 in Rheinland-Pfalz, Thüringen und Schleswig-Holstein.
Als „Vorher-Wert" für den Delta-Vergleich dient der Mittelwert aus dem 28. und 29. Juni — beide Tage lagen noch klar in der ruhigen Tankrabatt-Endphase, vor der Vorzieh-Spitze am 30. Juni. Als „Nachher-Wert" nimmt man den Mittelwert aus dem 1. und 2. Juli, den ersten beiden vollen Tagen nach dem Wegfall der Steuerentlastung. Alle Preise sind Bundeslandschnitte in Euro pro Liter, gerundet auf drei Nachkommastellen. Wer die tagesaktuelle Entwicklung parallel mitlesen möchte, findet die laufenden Bundeswerte auf der nationalen Preisübersicht.
Kernergebnisse
- Am 2. Juli 2026 kostet Diesel im Bundesschnitt 1,972 €, E10 kommt auf 2,033 €, E5 auf 2,091 €.
- Der Bundesschnitt-Diesel stieg zwischen den Referenzfenstern um +19,4 Cent — 2,7 Cent über der reinen Steuerwirkung von 16,7 Cent brutto.
- Günstigstes Bundesland ist das Saarland mit einem Tagesschnitt von 1,953 € Diesel. Teuerstes Bundesland ist Hessen mit 1,998 €.
- Sachsen-Anhalt verzeichnete mit +21,6 Cent den härtesten Aufschlag, Bayern und Baden-Württemberg mit je +18,5 Cent den geringsten.
- Die Spreizung zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland beträgt beim Diesel 4,5 Cent — deutlich weniger als die Preisdifferenz zwischen benachbarten Stationen innerhalb einer Stadt (regelmäßig 15 bis 20 Cent).
Wer ist nach dem Tankrabatt-Ende am günstigsten?
Das Saarland führt das Ranking mit 1,953 € Diesel-Tagesschnitt am 2. Juli 2026 an. Auch bei E10 (2,002 €) und E5 (2,060 €) liegt das kleinste Flächenland vorn. Dahinter folgen Hamburg mit 1,959 € und Rheinland-Pfalz mit 1,960 €. Diese Reihenfolge ist keine Momentaufnahme, sondern die Fortsetzung eines Musters, das sich schon während der Tankrabatt-Zeit abgezeichnet hat: das Saarland profitiert vom starken Preisdruck aus dem grenznahen Luxemburg, wo Diesel weiterhin klar unter 1,90 € gehandelt wird. Berufspendler tanken hier regelmäßig grenzüberschreitend — der Wettbewerbsdruck wandert dadurch bis in die Preistafeln von Saarbrücken und Merzig.
Auf den Plätzen 4 und 5 sortieren sich Bayern und Bremen mit jeweils 1,962 € ein — beide profitieren von einer hohen Dichte freier Marken (Bayern) beziehungsweise dem einfachen Bezug über die Nordseehäfen (Bremen). Bayern ist gleichzeitig das Bundesland mit der niedrigsten Delta zwischen Vorher- und Nachher-Fenster: +18,5 Cent. Der Grund liegt in der außergewöhnlich hohen Stationsdichte an den Bundesautobahnen A3, A6, A8 und A9 sowie einer aus historischen Gründen breiten JET-, STAR- und HEM-Präsenz. Wo drei bis vier Konzerne pro Ballungsraum um die Nachfrage konkurrieren, greifen die Aufschläge nicht ganz so weit durch.
Am unteren Ende des Rankings — teurer sind nur noch drei Länder — findet sich Baden-Württemberg mit 1,969 €, dann Berlin mit 1,972 €, gefolgt von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern (beide 1,973 €). Alle drei Länder liegen praktisch auf der Marke des Bundesschnitts — sie ziehen den Durchschnitt weder nach oben noch nach unten. Das ist bemerkenswert, weil Berlin während der Tankrabatt-Zeit oft noch zwei bis drei Cent unter dem Bundeswert lag: der 12-Uhr-Aufschlag am 1. Juli war in der Hauptstadt mit +20,4 Cent überdurchschnittlich hart.
Bemerkenswert ist auch die Blicktiefe der Städte-Ebene. Der günstigste Ort mit mindestens acht meldenden Stationen im Nachher-Fenster ist das niederbayerische Straubing mit einem Diesel-Tagesschnitt von 1,867 € — 10,5 Cent unter dem Bundeswert und 8,6 Cent unter dem Bayern-Landeschnitt. Es folgen Kaufbeuren und Sulingen mit jeweils 1,906 € sowie Neuwied mit 1,909 €. Alle vier Städte liegen abseits der klassischen Autobahn-Aufschlags-Zonen und haben eine hohe Dichte freier Marken. Ähnliches gilt für Hof (1,915 €), Augsburg (1,921 €) und Speyer sowie Kaiserslautern (je 1,923 €). Wer im günstigsten Bundesland tankt, aber die falsche Stadt wählt, zahlt am Ende oft mehr als jemand, der im teuersten Bundesland die richtige Ecke kennt — das Preisgefälle zwischen einer Provinzstadt und einer Metropole desselben Landes ist typischerweise größer als der Abstand zweier Bundeslandschnitte.
Wer hat den härtesten Sprung erlebt?
Die größte Verschiebung im Ranking-Vergleich zum letzten Bundesländer-Report zeigt die Ost-Achse. Sachsen-Anhalt sprang mit +21,6 Cent am stärksten nach oben — nicht weil das Land jetzt teuer wäre, sondern weil es vorher außergewöhnlich günstig war. Am 28. Juni lag der Diesel-Tagesschnitt in Sachsen-Anhalt bei 1,746 €, dem bundesweit tiefsten Wert im Fünf-Tage-Fenster. Aus dieser tiefen Basis heraus wirkt der Steuer-Aufschlag prozentual stärker als in Ländern, die schon vor dem Stichtag über der 1,80-Euro-Marke gehandelt haben.
Auf den weiteren Sprungplätzen: Hessen mit +20,6 Cent, Nordrhein-Westfalen mit +20,4 Cent und Berlin mit +20,4 Cent. Alle drei Länder haben eines gemeinsam — sie beheimaten Konzernzentralen bzw. die größten Bundesland-Umsätze. Wo die Absatzmenge groß und die Wettbewerbsstruktur zentralisiert ist, wandern die Aufschläge zügiger und synchroner durch. Die Struktur passt zur Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts, die schon 2011 asymmetrische Preisanpassungen als Muster im deutschen Tankstellenmarkt dokumentiert hat: Aufwärtsbewegungen werden schnell und flächendeckend weitergegeben, Abwärtsbewegungen ziehen sich hin.
Am unteren Ende der Delta-Skala stehen Bayern und Baden-Württemberg mit je +18,5 Cent, gefolgt von Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit je +18,95 Cent. Zwischen dem stärksten und dem schwächsten Aufschlag liegen 3,1 Cent — auf den Bundesschnitt der Republik gerechnet ein moderates Signal, in der Kalkulation eines Vielfahrers aber sofort spürbar: auf 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung eines Diesel-PKW summiert sich die Differenz auf rund 21 Euro pro Jahr. Für einen Fernpendler mit 40.000 Kilometern Jahresleistung sind es bereits knapp 56 Euro allein aus der Bundeslandwahl — ohne Berücksichtigung der viel größeren stationsbezogenen Streuung. Wer die längerfristigen Verschiebungen zwischen den Ländern nachlesen möchte, findet die Hintergründe in unserer Analyse zu den regionalen Preisunterschieden im Bundesvergleich.
Das vollständige Ranking (Stand 2. Juli 2026)
| # | Bundesland | Diesel 2. Juli | E10 2. Juli | E5 2. Juli | Δ Diesel vs. 28./29. Juni | Stationen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Saarland | 1,953 € | 2,002 € | 2,060 € | +19,8 ct | 219 |
| 2 | Hamburg | 1,950 € | 2,018 € | 2,078 € | +19,0 ct | 304 |
| 3 | Rheinland-Pfalz | 1,955 € | 2,013 € | 2,071 € | +19,1 ct | 620 |
| 4 | Bayern | 1,961 € | 2,033 € | 2,090 € | +18,5 ct | 2.345 |
| 5 | Bremen | 1,971 € | 2,027 € | 2,086 € | +18,95 ct | 72 |
| 6 | Baden-Württemberg | 1,963 € | 2,010 € | 2,068 € | +18,5 ct | 1.923 |
| 7 | Berlin | 1,976 € | 2,026 € | 2,085 € | +20,35 ct | 270 |
| 8 | Niedersachsen | 1,967 € | 2,039 € | 2,096 € | +19,6 ct | 1.957 |
| 9 | Mecklenburg-Vorpommern | 1,969 € | 2,038 € | 2,096 € | +18,95 ct | 349 |
| — | Bundesschnitt (DE) | 1,972 € | 2,033 € | 2,091 € | +19,4 ct | 14.707 |
| 10 | Nordrhein-Westfalen | 1,974 € | 2,033 € | 2,091 € | +20,4 ct | 3.083 |
| 11 | Sachsen-Anhalt | 1,980 € | 2,041 € | 2,099 € | +21,6 ct | 168 |
| 12 | Thüringen | 1,989 € | 2,060 € | 2,116 € | +19,05 ct | 609 |
| 13 | Sachsen | 1,991 € | 2,064 € | 2,122 € | +19,05 ct | 672 |
| 14 | Brandenburg | 1,993 € | 2,044 € | 2,101 € | +19,65 ct | 331 |
| 15 | Schleswig-Holstein | 1,994 € | 2,057 € | 2,117 € | +19,35 ct | 602 |
| 16 | Hessen | 1,992 € | 2,039 € | 2,096 € | +20,6 ct | 1.183 |
Was erklärt die Unterschiede?
Drei strukturelle Faktoren erklären den Großteil der Streuung im Ranking, und keiner davon lässt sich vom einzelnen Autofahrer beeinflussen.
Erstens die Wettbewerbsdichte. Wo sich pro 100 Quadratkilometer viele freie Marken, Discounter und Konzerntankstellen tummeln, drückt der Wettbewerb den Endpreis. Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben die höchste absolute Zahl an Stationen — Berlin und die Stadtstaaten profitieren zusätzlich vom kompakten Einzugsgebiet, in dem ein Umweg zur billigeren Tankstelle keine 500 Meter beträgt. Das Bundeskartellamt hat in seiner Sektoruntersuchung Kraftstoffe dokumentiert, dass Bundesland-Durchschnitte um bis zu 5 Cent auseinanderlaufen — die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen aber die 20-Cent-Marke reißen können.
Zweitens der Rohstoffbezug. Diesel und Benzin werden in Deutschland überwiegend aus den ARA-Häfen Rotterdam, Amsterdam und Antwerpen bezogen, sekundär aus den Binnenraffinerien MiRO Karlsruhe, PCK Schwedt und Bayernoil Vohburg. Bundesländer mit direktem Rhein- oder Nordsee-Zugang (Bremen, Hamburg, NRW, Baden-Württemberg) haben strukturell niedrigere Transportkosten. Der Effekt macht laut Kartellamt rund 0,8 Cent Preisunterschied bei E5 zwischen Regionsklassen aus — ein kleiner, aber persistenter Vorteil für Küstenländer.
Drittens die Nachfrage-Struktur. Ostdeutsche Flächenländer (Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) haben eine geringere Bevölkerungsdichte, längere Wegstrecken und einen höheren Anteil an Berufspendlern pro Einwohner. Das führt zu einer preisunelastischeren Nachfrage: der Preis kann höher gesetzt werden, ohne dass die Absatzmenge signifikant einbricht. Deshalb sieht man nach dem Tankrabatt-Ende hier die stärkeren Aufschläge — nicht als bewusste regionale Diskriminierung, sondern als betriebswirtschaftliche Reaktion auf ein weniger elastisches Kundenverhalten. Die vollständige Mechanik des Steuer-Preis-Übergangs für den 1. Juli haben wir separat in der Analyse zum zweiwelligen Tankrabatt-Aufschlag aufgeschlüsselt.
Was das für Autofahrer heißt
Für den Alltag am Steuer ergeben sich aus dem Ranking drei praktische Konsequenzen. Erstens: die 12-Uhr-Regel bleibt weiter das wichtigste Werkzeug im Sparkasten. Tankstellen dürfen ihren Preis nur einmal pro Kalendertag um 12:00 Uhr anheben — dazwischen aber beliebig oft senken. Der günstigste Zeitraum liegt weiterhin am späten Vormittag, typischerweise zwischen 8 und 11 Uhr, bevor die eine erlaubte Erhöhung des Tages läuft. In der Saarland-Region schaffen es besonders wettbewerbsstarke Stationen regelmäßig, den Vormittagspreis 3 bis 4 Cent unter dem Bundesschnitt zu halten.
Zweitens: der 4,5-Cent-Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland ist auf einer Tankfüllung von 50 Litern gerade einmal 2,25 Euro wert. Wer wegen des Preises in ein Nachbarbundesland fährt, verliert die Ersparnis nach spätestens 25 Kilometern Umweg über die zusätzlichen Verbrauchs- und Verschleißkosten — außer, es geht ohnehin über die Landesgrenze. Umgekehrt lohnt sich der Preisvergleich innerhalb einer Stadt fast immer: die Spreizung zwischen der günstigsten und der teuersten Station in Berlin oder München liegt regelmäßig bei 15 bis 20 Cent pro Liter.
Drittens: Autofahrer sollten die kommenden zwei bis drei Wochen weiter beobachten. Das Muster von 2022 zeigt, dass die Konzerne einen Teil des Post-Stichtag-Aufschlags graduell wieder abbauen, sobald der Wettbewerb greift und die Nachfrage nach der ersten Schockphase nachlässt. Zwei bis drei Cent Rückgang sind plausibel — 2022 dauerte diese Nachjustierung rund 18 Tage. Vergleichen Sie die tagesaktuellen Preise für Ihre Postleitzahl auf der Städte-Übersicht von SpritFuchs, und passen Sie den Tankzeitpunkt an die 12-Uhr-Regel an, statt auf gesamtdeutsche Trends zu warten. Die 3 bis 4 Cent Ersparnis pro Vormittagstankung wiegen deutlich schwerer als jeder Umzug zwischen den Bundesländern.
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