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Von SpritFuchs Redaktion

Markentankstellen-Vergleich 2026: Wo Diesel und E10 wirklich am günstigsten sind

SpritFuchs-Auswertung von 7.732 Markentankstellen in Deutschland: STAR und HEM tanken im Schnitt 4 Cent günstiger als Aral und Shell. AGIP ENI ist die teuerste Marke, Shell stellt nur 1,1 Prozent der günstigsten Stationen.

Inhaltsverzeichnis

Methodik

Für diesen Markenvergleich hat SpritFuchs den vollständigen Tagesdatensatz der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) aus dem Tankerkönig-Datendump für den Zeitraum vom 21. Februar bis zum 24. April 2026 ausgewertet. In die Auswertung sind ausschließlich Stationen eingeflossen, für die zum Stichtag sowohl ein Diesel- als auch ein E10-Preis verfügbar war – insgesamt rund 7.732 Tankstellen verteilt auf neun große Markenanbieter.

Verglichen wurde der aktuelle Tagesschnittpreis je Marke gegen den Bundesschnitt aller Stationen. Zusätzlich wurde jede Station in eines von zehn Preis-Decilen einsortiert, also dem günstigsten oder teuersten Zehntel zugeordnet. Diese Verteilungssicht zeigt nicht nur den Mittelwert, sondern auch, wie konsequent eine Marke ihren Preisanspruch durchhält. Eine Marke kann im Schnitt günstig sein, ihre Stationen aber breit über das gesamte Preisspektrum streuen – oder sie kann sehr eng am Premium-Segment kleben und kaum Stationen im günstigen Drittel haben.

Kernergebnisse

  • STAR ist mit 2,122 Euro pro Liter Diesel die im Schnitt günstigste Großmarke, AGIP ENI mit 2,194 Euro die teuerste – ein Unterschied von 7,2 Cent.
  • Aral und Shell, die beiden umsatzstärksten Marken Deutschlands, liegen 2,3 beziehungsweise 2,8 Cent über dem Marktschnitt. Wer ausschließlich dort tankt, zahlt im Jahresschnitt rund 35 Euro mehr als an einer durchschnittlichen Station.
  • Nur 1,1 Prozent aller Shell-Stationen gehören zum günstigsten Zehntel der deutschen Diesel-Preise – bei HEM sind es 20,7 Prozent, bei STAR 19,2 Prozent.
  • AGIP ENI konzentriert sich am stärksten im Premium-Segment: 30,8 Prozent der Stationen liegen im teuersten Zehntel, fast dreimal so viel wie bei Shell.
  • E10 folgt fast deckungsgleich dem Diesel-Muster, mit AGIP ENI als Ausreißer nach oben (+6,3 Cent zum Markt) und JET als günstigstem Anbieter (-2,0 Cent).

Wer ist günstig, wer ist teuer?

Das Ranking ist relativ stabil und deckt sich mit dem, was der ADAC seit Jahren in seinen Stichprobenstudien beobachtet: Die Discount-Marken JET, STAR und HEM gewinnen den reinen Preisvergleich, die markenstärksten Premium-Anbieter Aral und Shell verlieren ihn. Was sich geändert hat, ist die Höhe der Spreizung. Vor zehn Jahren lag der Unterschied zwischen der günstigsten und der teuersten großen Marke noch im Bereich von 2 bis 3 Cent. Heute sind es 7,2 Cent allein zwischen STAR und AGIP ENI.

Die Erklärung ist nicht, dass JET billigeren Diesel einkauft. Alle großen Marken beziehen ihren Kraftstoff aus denselben Raffinerien und Pipelines. Der Unterschied entsteht am Standort: Aral und Shell sitzen häufiger an Autobahnabfahrten, Innenstadtachsen und Pendlerknotenpunkten – Lagen, in denen Pacht, Energiekosten und Personal teurer sind. Die Discounter setzen auf einfache Stadtrand- und Bundesstraßenlagen, oft ohne Shop oder mit reduziertem Sortiment. Diese Strukturentscheidung ist die wichtigste Eingangsgröße für den Preis. Mehr zur grundsätzlichen Logik freier und gebrandeter Standorte zeigt die Detailanalyse zu freien Tankstellen versus Markentankstellen.

Die Aral-Shell-Lücke: dauerhaft 2,5 Cent über dem Markt

Aral und Shell sind die beiden umsatzstärksten Markenketten Deutschlands. Beide treten gerne als Preisführer auf – aber als Preisführer nach oben. Aktuell liegt Aral 2,3 Cent über dem Marktschnitt für Diesel, Shell sogar 2,8 Cent. Bei E10 wiederholt sich das Bild fast deckungsgleich: Aral +2,1 Cent, Shell +1,9 Cent.

Diese Konstanz ist kein Zufall. Das Bundeskartellamt hat in seiner Sektoruntersuchung Kraftstoffe das Verhalten der fünf großen Mineralölkonzerne als „oligopolistisches Parallelverhalten" bezeichnet. Aral oder Shell starten in der Regel die Preiserhöhungsrunden, der jeweils andere zieht nach drei Stunden nach, und die übrigen Oligopolmitglieder folgen in festen Zeitkorridoren. Die Preise springen damit fast zeitgleich nach oben, sinken aber langsamer. Wer also bei Aral oder Shell tankt, zahlt strukturell den Aufschlag dieser Preisführerschaft mit – auch wenn am Tankschild kein Premiumlogo prangt.

Wo die Schnäppchen sitzen: das günstigste Zehntel

Der Mittelwert verschleiert, wie unterschiedlich Marken ihre Preise streuen. Aussagekräftiger ist die Frage: Welcher Anteil der Stationen einer Marke gehört überhaupt zum günstigsten Zehntel aller deutschen Diesel-Preise? Die Antwort ist überraschend deutlich.

MarkeStationen im günstigsten ZehntelAnteilStationen im teuersten ZehntelAnteil
HEM82 von 39720,7 %205,0 %
STAR92 von 48019,2 %112,3 %
JET116 von 68616,9 %243,5 %
AVIA107 von 63716,8 %284,4 %
ESSO124 von 1.07711,5 %817,5 %
TotalEnergies73 von 7469,8 %9212,3 %
Aral187 von 2.1688,6 %26912,4 %
AGIP ENI35 von 4777,3 %14730,8 %
Shell18 von 1.6691,1 %1619,6 %
Die Zahl 1,1 Prozent ist der vielleicht eindrücklichste Befund dieser Auswertung. Shell betreibt 1.669 Stationen mit Diesel-Preis im Datensatz – aber nur 18 davon liegen im günstigsten Zehntel der deutschen Preise. Bei HEM, einer Marke mit einem Viertel so vielen Stationen, sind es 82. Anders gesagt: Wer die billigste Tankstelle in der Umgebung sucht, findet sie statistisch fast nie an einer Shell-Zapfsäule.

STAR und HEM sind das Spiegelbild dieses Musters. STAR hat nur 11 von 480 Stationen im teuersten Zehntel – das sind 2,3 Prozent. Die Marke ist also nicht nur im Schnitt günstig, sondern auch sehr verlässlich darin. Wer eine STAR- oder HEM-Tankstelle ansteuert, hat eine Wahrscheinlichkeit von rund einem Fünftel, an einer der absolut günstigsten Stationen Deutschlands zu landen.

AGIP ENI: der konsequenteste Premium-Anbieter

AGIP ENI ist mit 477 Diesel-Stationen im Datensatz die kleinste der hier untersuchten Großmarken – aber die mit dem schärfsten Premium-Profil. 147 Stationen, also 30,8 Prozent, liegen im teuersten Zehntel der Diesel-Preise in Deutschland. Zum Vergleich: Bei Shell sind es 9,6 Prozent, bei Aral 12,4 Prozent. Selbst die teuren Autobahn-Lagen, die für die hohen Aral- und Shell-Mittelwerte sorgen, halten preislich nicht mit AGIP ENI mit.

Der Grund liegt in der Standortverteilung. AGIP-ENI-Tankstellen finden sich überproportional häufig an Autobahn-Raststätten und in süddeutschen Premiumlagen, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Die regionale Konzentration ist relevant: Wer mehr über den allgemeinen Preisdruck im teuersten Bundesland wissen will, findet die regionale Datenlage in der SpritFuchs-Übersicht für Bayern. Die im Schnitt höheren Standortkosten und der starke Fokus auf Premium-Stationen erklären, warum AGIP ENI als einzige Großmarke einen zweistelligen Cent-Aufschlag gegenüber den günstigsten Marken hält.

Markenvergleich Diesel und E10: die vollständige Tabelle

Die folgende Tabelle bildet das aktuelle Preisniveau aller neun ausgewerteten Großmarken ab, sortiert nach Diesel-Schnittpreis aufsteigend. Spalten „Δ Markt" zeigen den Abstand zum bundesweiten Durchschnittspreis aller Stationen mit gültigem Diesel- und E10-Wert.

#MarkeStationenE10 (€)Diesel (€)Δ Diesel zum MarktΔ E10 zum MarktMin Diesel (€)Max Diesel (€)
1STAR4792,0432,122−0,018−0,0192,0392,299
2HEM3932,0472,123−0,017−0,0151,9892,249
3JET6862,0422,126−0,014−0,0201,9992,399
4AVIA6022,0522,132−0,007−0,0101,6792,609
5ESSO1.0632,0652,148+0,008+0,0031,5092,799
6TotalEnergies7452,0722,151+0,012+0,0102,0292,599
7Aral2.1582,0832,163+0,023+0,0212,0092,649
8Shell1.6252,0812,168+0,028+0,0192,0692,609
9AGIP ENI4752,1252,194+0,055+0,0632,0492,609
Auffällig sind die Spalten „Min Diesel" und „Max Diesel". Der niedrigste Einzelpreis im gesamten Datensatz steht bei einer ESSO-Station mit 1,509 Euro – ein klassischer Subcontractor in einem Wettbewerbskorridor, möglicherweise ein SB-Standort einer freien Tankstellengesellschaft mit ESSO-Branding. Der höchste Wert mit 2,799 Euro liegt ebenfalls bei ESSO, vermutlich an einer Autobahn-Raststätte. Das Beispiel zeigt: Selbst innerhalb einer Marke ist die Spannweite enorm, und der Standort schlägt das Markenlogo. Wer wissen will, wo die teuersten Stationen pauschal sitzen, findet die Antwort in der Auswertung zu Autobahn-Tankstellen.

Was die Preisunterschiede erklärt

Drei Faktoren erklären den Großteil der beobachteten Spreizung. Erstens die Standortwahl: Premium-Lagen mit hoher Frequenz und teurer Pacht zwingen jede Marke zu höheren Preisen. Aral und Shell betreiben überdurchschnittlich viele dieser A-Lagen. Zweitens die Markenstrategie: STAR, HEM und JET haben sich bewusst als preisaggressive Anbieter positioniert und investieren ihre Marge in Marktanteil statt in Service- und Shopflächen. Drittens das oligopolistische Preisführer-Verhalten, das das Bundeskartellamt seit der Sektoruntersuchung 2011 immer wieder dokumentiert: Aral und Shell setzen die Preisrunden, die anderen folgen mit Zeitversatz. Wer am Standort einer Preisführer-Marke tankt, zahlt den Aufschlag dieser Rolle mit.

Ein vierter Faktor wird oft übersehen: Markentreue und Kundenbindung. Aral-Payback, Shell-ClubSmart oder die Add-on-Programme von TotalEnergies binden Kunden an höhere Listenpreise und verschleiern den absoluten Preisvorteil eines spontanen Wechsels zur günstigeren JET- oder STAR-Tankstelle nebenan. Die typische Punkteersparnis liegt bei rund 1 Cent pro Liter – deutlich unter den 4 Cent, die ein Markenwechsel im Schnitt bringt.

Die regionale Verteilung verstärkt den Effekt zusätzlich. Aral betreibt die mit Abstand größte Stationsdichte in Deutschland, ist also häufig die nächstgelegene Tankstelle und damit die Standardwahl für Pendler ohne Preisvergleich. Dieser Marktanteilsvorteil ist Aral mehr wert als ein Discount-Preis: Wer ohne nachzudenken volltankt, sorgt für stabilen Umsatz auf hohem Preisniveau. Genau deshalb funktioniert das oligopolistische Preismodell so reibungslos – es lebt von Kunden, die nicht vergleichen. Die SpritFuchs-Daten zeigen, dass 73,4 Prozent aller Aral-Stationen entweder im teuersten oder zweitteuersten Quintil liegen. Wer also Aral „aus Bequemlichkeit" tankt, landet in fast drei von vier Fällen oberhalb des Marktdurchschnitts.

Bei den Discountern dreht sich das Bild. STAR und HEM sind regional konzentrierter (mit Schwerpunkt Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen) und in vielen Regionen schlicht nicht verfügbar. Das ist ein praktisches Problem: Die günstigsten Marken sind nicht überall die günstigste Option, weil sie überhaupt nicht überall sind. JET hingegen verteilt seine 717 Stationen flächendeckender und ist damit die zugänglichste Discount-Marke für die meisten Autofahrer in Deutschland.

Was das für Autofahrer heißt

Auf 50 Liter Tankvolumen ergibt der Wechsel von Aral oder Shell zu STAR, HEM oder JET eine Ersparnis von 2 Euro pro Tankfüllung. Bei einem Vielfahrer mit 30.000 Kilometern Jahresleistung und einem Verbrauch von 6 Liter pro 100 Kilometer summiert sich das auf rund 70 Euro pro Jahr – ohne Fahrtechnik, ohne Fahrzeugwechsel, allein durch konsequente Markenwahl. Vergleichen Sie vor jeder Tankfüllung die Preise im Umkreis und meiden Sie Aral, Shell und AGIP ENI, wenn günstigere Alternativen erreichbar sind. Den aktuellen Stand der Spritpreise für Ihren Ort zeigt die SpritFuchs-Preisübersicht live aus dem MTS-K-Datenstrom.

Wer sich allein auf den Preis fokussieren will, fährt eine STAR- oder HEM-Tankstelle gezielt an: Die Wahrscheinlichkeit, eine der günstigsten Stationen Deutschlands zu erwischen, liegt bei rund einem Fünftel pro Besuch. Wer sich an Aral- oder Shell-Stationen gewöhnt hat, sollte sich bewusst sein, dass der Markenkomfort im Jahresmittel zwischen 35 und 70 Euro kostet – kein Bagatellbetrag, aber eben auch kein Hinderungsgrund, wenn die Lage stimmt. Die wichtigste Regel bleibt: Der Standort entscheidet stärker als das Logo. Eine schlecht gelegene HEM-Tankstelle an der Autobahn kann teurer sein als eine gut gelegene Aral-Station im Stadtrand. Vergleichen lohnt sich pro Tankfüllung – nicht pauschal pro Marke.

Häufig gestellte Fragen

Im Bundesschnitt liegt STAR bei 2,122 Euro je Liter Diesel und damit am günstigsten unter den großen Marken, dicht gefolgt von HEM mit 2,123 Euro und JET mit 2,126 Euro. Wer konsequent bei diesen drei Marken tankt, zahlt im Schnitt rund 4 Cent weniger pro Liter als an Aral- oder Shell-Stationen.

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