Marken-Ranking im Tankrabatt-Endspurt: Zehn Cent trennen JET und STAR von Aral und Shell
Die SpritFuchs-Daten der Woche vom 13. bis 20. Juni 2026 zeigen: Bei den Markentankstellen liegen zehn Cent pro Liter Diesel zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter. Wer zehn Tage vor dem Tankrabatt-Ende wo tanken sollte.
Inhaltsverzeichnis
Methodik
Die Auswertung umfasst die sieben Tage vom 13. bis 20. Juni 2026 — die Woche, in der der Tankrabatt auf seine letzten zehn Tage zugeht. Grundlage sind die Tagesdaten aus dem nightly data dump der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt, die SpritFuchs jede Nacht in eine eigene Datenbank einspielt und auf der nationalen Preisübersicht auswertet. Insgesamt fließen rund 60.000 Diesel- und E10-Preisbeobachtungen von 22 Tankstellenmarken ein, gefiltert auf Stationen, die im Zeitraum mindestens einmal pro Tag gemeldet haben.
Pro Marke betrachten wir den ungewichteten Mittelwert über alle Stationen und alle Tage. Das ist die saubere Messgröße, wenn man die Frage „Wie viel kostet der Liter im Schnitt, wenn man eine bestimmte Marke ansteuert?" beantworten will. Für die Tankrabatt-Pass-through-Tabelle weiter unten vergleichen wir denselben Mittelwert mit der letzten April-Woche (25. bis 29. April 2026) — also der Woche vor dem Inkrafttreten der Energiesteuer-Senkung am 1. Mai. Marken mit weniger als 100 Preisbeobachtungen werden ausgeschlossen, damit Ausreißer einzelner Stationen das Bild nicht verzerren.
Kernergebnisse
- Die günstigste bundesweit dichte Marke ist JET mit 1,741 Euro pro Liter Diesel — bei 717 Stationen ein flächendeckendes Netz.
- Die teuerste Marke ist AGIP ENI mit 1,803 Euro Diesel, gefolgt von ARAL mit 1,795 und Shell mit 1,785 Euro.
- Zwischen JET und ARAL liegen 5,4 Cent pro Liter — pro 50-Liter-Tankfüllung 2,70 Euro Ersparnis bei gleicher Strecke.
- ARAL betreibt mit 2.459 Stationen das mit Abstand größte Netz Deutschlands — und ist gleichzeitig die teuerste der drei großen klassischen Marken.
- Shell hat zwischen Ende April und der Juni-Woche 42,6 Cent pro Liter Diesel gesenkt — die stärkste Weitergabe im Markt.
- ESSO hat im selben Zeitraum nur 38,4 Cent weitergegeben — gut vier Cent weniger als Shell und damit die schwächste Pass-through-Bilanz unter den großen Anbietern.
- Bei E10 ist die Reihenfolge fast identisch: JET (1,801) und STAR (1,806) führen, ARAL (1,853) und AGIP ENI (1,858) schließen das Feld.
Drei Cluster: Discount, Mittelfeld, Premium
Die 22 ausgewerteten Marken zerfallen sauber in drei Preisbänder. Im Discount-Band liegen die Marken zwischen 1,70 und 1,75 Euro Diesel: ED an der Spitze mit 1,703 Euro, dann OIL!, JET, STAR und HEM zwischen 1,739 und 1,744 Euro. ED ist mit 98 Stationen ein Nischenanbieter im Münsterland und im westlichen Niedersachsen — wer dort wohnt, tankt im Schnitt einen halben Cent günstiger als bei JET. JET ist die Marke mit der breitesten geografischen Abdeckung in diesem Cluster: 717 Stationen entlang fast aller großen Bundesstraßen und Autobahnen.
Das Mittelfeld zwischen 1,75 und 1,77 Euro besetzen Q1, BayWa, Westfalen, Raiffeisen, CLASSIC, bft, AVIA, Sprint, die Freie Tankstelle und Hoyer. Hier finden sich überwiegend mittelständische Marken, regional konzentrierte Ketten und Verbundgruppen unabhängiger Stationen. Wer in einer der ostdeutschen Großstädte tankt — Leipzig, Dresden, Erfurt — landet häufig automatisch in diesem Band, weil HEM und Q1 dort das Stationsnetz dominieren. Mehr zum Unterschied zwischen den freien und den großen Markennetzen steht im SpritFuchs-Erklärstück freie vs. Markentankstellen.
Das Premium-Band beginnt bei TotalEnergies mit 1,771 Euro und endet bei AGIP ENI mit 1,803 Euro. Dazwischen liegen ESSO, Shell und ARAL. Auffällig: Die drei klassischen deutschen Marktführer Aral, Shell und ESSO sind in dieser Auswertung allesamt im teuersten Drittel — obwohl sie zusammen über 5.600 Stationen betreiben, also fast ein Drittel aller deutschen Tankstellen. Wer bei einer der drei tankt, zahlt im Schnitt zwischen 4,3 und 5,4 Cent mehr pro Liter als bei JET, ohne dafür spürbar besseren Kraftstoff zu bekommen — die Norm DIN EN 590 für Diesel und EN 228 für Super gilt überall identisch.
Vollständige Markenrangliste Juni 2026
Die folgende Tabelle zeigt alle 22 Marken mit mindestens 100 Preisbeobachtungen in der Woche vom 13. bis 20. Juni 2026, sortiert nach dem ungewichteten Diesel-Mittelwert. Spalte „Δ JET" weist den Aufschlag in Cent pro Liter gegenüber der günstigsten bundesweit dichten Marke aus.
| # | Marke | Stationen | Diesel (€) | E10 (€) | Super E5 (€) | Δ JET (ct) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | ED | 98 | 1,703 | 1,771 | 1,831 | −3,8 |
| 2 | OIL! | 194 | 1,739 | 1,803 | 1,863 | −0,2 |
| 3 | JET | 686 | 1,741 | 1,801 | 1,861 | 0,0 |
| 4 | STAR | 481 | 1,742 | 1,806 | 1,865 | +0,1 |
| 5 | SB | 188 | 1,743 | 1,806 | 1,866 | +0,2 |
| 6 | HEM | 390 | 1,744 | 1,809 | 1,868 | +0,3 |
| 7 | Q1 | 110 | 1,745 | 1,816 | 1,872 | +0,4 |
| 8 | BayWa | 51 | 1,746 | 1,807 | 1,859 | +0,5 |
| 9 | Westfalen | 152 | 1,751 | 1,816 | 1,874 | +1,0 |
| 10 | Raiffeisen | 314 | 1,751 | 1,822 | 1,875 | +1,0 |
| 11 | CLASSIC | 173 | 1,752 | 1,821 | 1,880 | +1,1 |
| 12 | bft | 356 | 1,754 | 1,819 | 1,874 | +1,3 |
| 13 | AVIA | 602 | 1,758 | 1,817 | 1,875 | +1,7 |
| 14 | Sprint | 96 | 1,761 | 1,822 | 1,881 | +2,0 |
| 15 | Freie Tankstelle | 133 | 1,762 | 1,827 | 1,879 | +2,1 |
| 16 | Hoyer | 92 | 1,763 | 1,823 | 1,883 | +2,2 |
| 17 | team | 66 | 1,769 | 1,841 | 1,901 | +2,8 |
| 18 | TotalEnergies | 746 | 1,771 | 1,833 | 1,893 | +3,0 |
| 19 | ESSO | 1.061 | 1,784 | 1,851 | 1,896 | +4,3 |
| 20 | Shell | 1.626 | 1,785 | 1,847 | 1,907 | +4,4 |
| 21 | ARAL | 2.157 | 1,795 | 1,853 | 1,913 | +5,4 |
| 22 | AGIP ENI | 473 | 1,803 | 1,858 | 1,918 | +6,2 |
Tankrabatt-Pass-through: Wer hat seit Mai am meisten gesenkt?
Spannender als die reine Rangliste ist die Frage, wie viel jede Marke seit Beginn des Tankrabatts am 1. Mai 2026 vom Liter abgenommen hat. Die Energiesteuer-Senkung beträgt 14,04 Cent netto, brutto entspricht das einem Spielraum von rund 16,7 Cent pro Liter. Parallel ist der Brent-Rohölpreis von rund 110 Dollar Ende April auf zuletzt knapp 80 Dollar pro Barrel gefallen — was theoretisch noch einmal etwa 17 bis 20 Cent Pass-through erlaubt hätte. Zusammengenommen wären rund 33 bis 37 Cent Senkung das Maximum, das ein effizient passierender Markt zeigen sollte.
| Marke | Diesel Ende April (€) | Diesel Juni-Woche (€) | Senkung Diesel (ct) | Senkung E10 (ct) |
|---|---|---|---|---|
| Shell | 2,211 | 1,785 | −42,6 | −25,9 |
| STAR | 2,160 | 1,742 | −41,8 | −25,5 |
| HEM | 2,158 | 1,744 | −41,3 | −25,4 |
| JET | 2,152 | 1,741 | −41,1 | −25,3 |
| TotalEnergies | 2,181 | 1,771 | −41,0 | −25,2 |
| ARAL | 2,196 | 1,795 | −40,1 | −24,6 |
| AGIP ENI | 2,203 | 1,803 | −40,0 | −25,6 |
| AVIA | 2,155 | 1,758 | −39,8 | −24,9 |
| ESSO | 2,168 | 1,784 | −38,4 | −22,3 |
Eine Einordnung gehört dazu: Die Differenz von 42,6 zu 38,4 Cent ist nicht der Tankrabatt allein, sondern die Summe aus Tankrabatt-Weitergabe und Brent-Reaktionsgeschwindigkeit. Beide Effekte sind in der Praxis nicht sauber zu trennen — aber das Ergebnis am Zapfhahn ist eindeutig: Wer bei ESSO tankt, sieht weniger Senkung als bei Shell, Aral oder JET.
Was erklärt die Markenunterschiede?
Drei Treiber wirken zusammen. Der erste ist die Standortstrategie: Aral, Shell und ESSO besetzen seit Jahrzehnten die hochfrequentierten Lagen — Autobahnausfahrten, Stadtzufahrten, prominente Kreuzungen in Großstädten. Hohe Pacht und große Shopflächen treiben die Betriebskosten, was in den Spritpreis durchschlägt. JET, STAR und HEM sitzen häufig im Gewerbegebiet, am Stadtrand oder an Tank-Shop-Hybriden mit minimalem Service.
Der zweite Treiber ist die Bezugsstruktur. Die Bundeskartellamts-Sektoruntersuchung hat dokumentiert, dass das deutsche Großhandelsgeschäft von einem Oligopol aus Shell, ESSO, TotalEnergies, BP/Aral und Rosneft dominiert wird. Freie Tankstellen und Discount-Marken beziehen ihren Kraftstoff über die ARA-Häfen oder direkt von Raffinerien — manchmal zu höheren Listenpreisen, häufig aber mit aggressiveren Tagesmargen, um Volumen zu sichern. Das schlägt vor allem an Tagen mit fallenden Großhandelspreisen durch — Discounter geben den Rückgang schneller weiter.
Der dritte Treiber ist die Region. Im Saarland kostet der Liter Diesel im Auswertungszeitraum im Schnitt 1,727 Euro, in Schleswig-Holstein 1,804 Euro — eine Spanne von 7,7 Cent zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland. Weil JET, STAR und HEM überproportional im Westen und Südwesten dicht sind, profitieren sie indirekt von der grenznahen Konkurrenz aus Luxemburg, während Aral und Shell ihr Netz gleichmäßiger über teure Norddeutschland-Standorte verteilen.
Ein vierter, oft unterschätzter Faktor ist die Treueprogramm-Logik. Aral verrechnet Payback-Punkte, Shell die Clubsmart-Karte, ESSO setzt auf Apple-Pay-Coupons. Diese Programme erlauben den großen Marken, einen Teil der Marge in ein gestaffeltes Rabattsystem umzulenken: Wer bei Aral mit der Bonuskarte tankt, kommt rechnerisch zwei bis drei Cent näher an JET heran, aber nur, wenn die Punkte gesammelt und eingelöst werden. Wer keine Karte zückt, zahlt den vollen Listenpreis — und genau dieser fließt in die SpritFuchs-Mittelwerte ein, weil die MTS-K-Meldung den Bruttopreis am Schild abbildet. In der Praxis heißt das: Die hier gezeigten 5,4 Cent Aufschlag zwischen JET und Aral sind die Realität für Gelegenheitstanker; Vielfahrer mit ausgereiztem Bonuskonto können den Abstand auf zwei bis drei Cent drücken.
Was das für Autofahrer im Endspurt heißt
Zehn Tage trennen den Markt noch vom 30. Juni 2026, dem letzten Tag der Energiesteuer-Senkung. Ab dem 1. Juli kommen brutto rund 16,7 Cent pro Liter wieder oben drauf — bei einer 50-Liter-Tankfüllung sind das 8,35 Euro, die man mit dem richtigen Stichtag spart. Wer den Endspurt clever fährt, kombiniert drei Hebel: Marke, Region und Zeitfenster.
Marke: Die SpritFuchs-Daten der Woche vom 13. bis 20. Juni zeigen JET, STAR und HEM als die günstigsten bundesweit dichten Anbieter. Wer eine Aral- oder Shell-Station im Routing hat, sollte vor dem Tanken kurz prüfen, ob nicht eine JET- oder STAR-Station im Umkreis von zwei bis drei Kilometern liegt — bei 5,4 Cent pro Liter Spread rechnet sich der Umweg ab ungefähr fünf Kilometern Strecke nicht mehr, darunter sehr wohl. Region: Im Südwesten — Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg — kostet der Liter strukturell zwei bis sieben Cent weniger als im Norden. Wer Pendelstrecken nach Hamburg, Bremen oder Schleswig-Holstein vor sich hat, tankt am besten noch im Süden voll. Zeitfenster: Spätestens am Vormittag des 30. Juni, einem Dienstag, sollte der Tank voll sein. Vergleichen Sie jetzt die Preise an Ihren Pendelstationen, planen Sie Ihre Tankstopps der nächsten zehn Tage und nutzen Sie den Tankrabatt-Endspurt, bevor der Liter wieder zwei Euro kostet.
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