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Von SpritFuchs Redaktion

Tankrabatt-Bilanz nach drei Wochen: Diesel-Fahrer profitieren doppelt so stark wie E10-Fahrer

SpritFuchs-Auswertung von 13.741 Tankstellen am 21. Mai 2026: Diesel ist seit dem 30. April um 25,8 Cent gefallen, E10 nur um 13,5 Cent. Die Differenz erklärt sich durch den parallel sinkenden Rohölpreis – und im Bundesländer-Ranking verändert sich die Rangfolge spürbar.

Inhaltsverzeichnis

Methodik

Für diese Bilanz haben wir aus der SpritFuchs-Datenbank zwei Tagesschnappschüsse gegenübergestellt: den 30. April 2026 als letzten Werktag vor dem Tankrabatt-Start und den 21. Mai 2026 als jüngsten vollständigen Tag mit allen 16 Bundesländern. An beiden Stichtagen lagen jeweils mehr als 13.700 Tankstellen mit gültigen Preisen für Diesel, Super E10 und Super E5 vor – die Datenbasis ist also flächendeckend und nicht verzerrt durch fehlende Regionen. Sämtliche Preise stammen aus dem nächtlichen MTS-K-Datendump des Bundeskartellamts, den SpritFuchs jede Nacht in die eigene Datenbank importiert. Die bundesweiten Durchschnittspreise auf SpritFuchs basieren auf denselben Rohdaten.

Der Tankrabatt selbst senkt die Energiesteuer für Diesel und Super-Sorten um 14,04 Cent pro Liter. Weil auf den weggefallenen Steueranteil keine Mehrwertsteuer mehr anfällt, summiert sich die theoretische Brutto-Entlastung an der Zapfsäule auf 16,7 Cent. Das ist die Zahl, an der sich die tatsächliche Weitergabe messen lassen muss. Im folgenden Vergleich rechnen wir mit den Tagesdurchschnitten je Bundesland und Marke, nicht mit Einzelstationen – auf dieser Ebene zählt die strukturelle Reaktion des Marktes, nicht der Ausreißer eines einzelnen Standorts.

Kernergebnisse auf einen Blick

  • Diesel ist im Bundesschnitt seit dem 30. April um 25,8 Cent gefallen – also rund 9 Cent mehr als die reine Steuerentlastung. Verantwortlich ist der parallel rückläufige Rohölpreis: Brent lag am 20. Mai bei 105,5 USD und damit unter dem April-Hoch.
  • E10 sank im gleichen Zeitraum nur um 13,5 Cent und blieb damit sogar 3,2 Cent unter der theoretischen Tankrabatt-Wirkung. Die Marken haben die Brutto-Entlastung bei Super nur zu rund 81 Prozent an die Kunden gegeben.
  • Hamburg ist der größte Diesel-Profiteur (-30,1 Cent), Bayern das Schlusslicht (-20,2 Cent). Der Korridor zwischen den 16 Bundesländern liegt bei knapp 10 Cent – mehr als ein Drittel der theoretischen Rabatt-Summe.
  • STAR (-29,5 Cent Diesel) und Shell (-29,3 Cent) führen den Marken-Vergleich an. ESSO senkte den Diesel nur um 8,3 Cent und liess E10 sogar minimal steigen – allerdings nach einem ungewöhnlich niedrigen Ausgangsniveau am 30. April.
  • Eine Erosion des Tankrabatts ist drei Wochen nach Start nicht messbar: Diesel fällt weiter, E10 schwankt im engen 4-Cent-Korridor zwischen 1,943 und 1,989 Euro.

Wie sich Diesel und E10 seit dem 30. April entwickelt haben

Schaut man auf die tägliche Kurve, sieht man zwei Geschichten. Diesel hatte am 30. April im Bundesschnitt 2,195 Euro gekostet – schon zwei Tage vor der Steuersenkung war das Niveau mit 2,172 Euro etwas niedriger, weil einige Tankstellen offenbar vorab Lagerware abverkauft hatten. Am 1. Mai sank der Preis dann um 13,7 Cent auf 2,058 Euro. Das war exakt die Größenordnung, die nach den ersten Wochenberichten von ADAC und ifo Institut zu erwarten gewesen wäre. Spannend wurde es danach: Statt – wie nach früheren Tankrabatten – auf diesem Niveau zu verharren oder leicht nach oben zu kriechen, sank Diesel weiter. Am 9. Mai stand der Bundesschnitt bei 1,954 Euro, am 21. Mai bei 1,937 Euro. Zwischen Tankrabatt-Start und Drei-Wochen-Marke kamen also nochmal 12 zusätzliche Cent dazu.

Bei E10 war der Verlauf weniger spektakulär. Am 30. April lag der Schnitt bei 2,106 Euro. Der 1. Mai brachte einen Sprung auf 1,970 Euro – 13,6 Cent Minus, also ähnlich wie bei Diesel. Doch im Mittelteil des Mai verschwand die Bewegung: Vom 7. bis 12. Mai pendelte E10 zwischen 1,943 und 1,955 Euro. Ab dem 13. Mai stieg der Preis sogar wieder an – bis auf 1,989 Euro am 19. Mai. Am 21. Mai lag E10 bei 1,971 Euro. Über die gesamte Drei-Wochen-Strecke macht das 13,5 Cent – weniger als die Steuersenkung allein hätte bringen müssen.

Die Differenz zwischen den beiden Kraftstoffen erklärt sich vor allem über die Rohstoff-Seite. Diesel ist eng mit dem Heizöl-Markt und dem Mitteldestillat-Index gekoppelt, der seit Mitte April spürbar nachgegeben hat. Wer den größeren Zusammenhang sehen möchte, findet die Hintergründe im SpritFuchs-Bericht zu Brent unter 100 US-Dollar. Bei Super-Sorten dämpft der hohe Bioethanol-Anteil die direkte Kopplung an den Rohölpreis – und bei E10 schlägt zusätzlich die saisonale Mai-Hauptreisesaison auf die Nachfrage durch.

Bundesländer-Ranking: Wo der Rabatt am stärksten ankam

Das wirkliche Bild zeigt sich erst, wenn man die 16 Bundesländer einzeln betrachtet. Die folgende Tabelle vergleicht die Tagesschnitte vom 30. April und vom 21. Mai 2026 – also exakt drei Wochen Tankrabatt-Wirkung.

BundeslandTankstellenDiesel 30.04.Diesel 21.05.Rückgang DieselE10 30.04.E10 21.05.Rückgang E10
Hamburg2882,230 €1,929 €30,1 ct2,120 €1,978 €14,2 ct
Nordrhein-Westfalen2.9422,223 €1,927 €29,5 ct2,128 €1,968 €16,0 ct
Sachsen-Anhalt1492,218 €1,924 €29,3 ct2,134 €1,981 €15,3 ct
Rheinland-Pfalz5952,198 €1,912 €28,7 ct2,113 €1,959 €15,4 ct
Schleswig-Holstein5482,248 €1,962 €28,6 ct2,149 €2,005 €14,5 ct
Berlin2692,190 €1,903 €28,6 ct2,107 €1,966 €14,1 ct
Saarland2152,172 €1,898 €27,4 ct2,082 €1,929 €15,3 ct
Bremen722,234 €1,961 €27,3 ct2,129 €2,009 €12,0 ct
Thüringen5462,214 €1,946 €26,8 ct2,130 €1,990 €14,1 ct
Niedersachsen1.7552,220 €1,951 €26,8 ct2,132 €2,006 €12,6 ct
Sachsen6362,214 €1,947 €26,7 ct2,125 €1,984 €14,1 ct
Hessen1.1312,206 €1,941 €26,5 ct2,116 €1,987 €12,9 ct
Brandenburg3072,217 €1,961 €25,6 ct2,137 €2,005 €13,2 ct
Mecklenburg-Vorpommern3142,197 €1,948 €24,8 ct2,117 €1,982 €13,5 ct
Baden-Württemberg1.8402,139 €1,925 €21,4 ct2,054 €1,941 €11,3 ct
Bayern2.1372,147 €1,944 €20,2 ct2,062 €1,948 €11,4 ct
Drei Lesarten fallen sofort ins Auge. Erstens: Bei Diesel haben alle 16 Bundesländer mehr als die theoretischen 16,7 Cent weitergegeben – der niedrigste Wert kommt aus Bayern mit 20,2 Cent. Zweitens: Bei E10 schafft kein einziges Bundesland die volle Brutto-Entlastung. Nordrhein-Westfalen kommt mit 16,0 Cent am nächsten, in Baden-Württemberg waren es nur 11,3 Cent. Drittens: Die Reihenfolge des Rückgangs ist fast spiegelverkehrt zur Reihenfolge des Ausgangsniveaus. Wer am 30. April teuer war (Hamburg, NRW, Sachsen-Anhalt), gab am meisten ab. Wer schon günstig war (Bayern, Baden-Württemberg, Saarland), bewegte sich weniger – einfach weil weniger Spielraum übrig war.

Konkret bedeutet das für Autofahrer: Wer in Hamburg am 30. April eine 50-Liter-Tankfüllung Diesel kaufte, zahlte 111,50 Euro. Drei Wochen später kostet dieselbe Füllung in Hamburg nur noch 96,45 Euro – eine Ersparnis von 15,05 Euro pro Tankvorgang. In Bayern beträgt die gleiche Rechnung 10,15 Euro – immer noch deutlich, aber 5 Euro weniger als an der Elbe.

Markenvergleich: STAR und Shell senken am meisten, ESSO bricht aus

Eine zweite Lesart der Daten ergibt sich, wenn man dieselbe Periode nach Markenbetreibern aufschlüsselt. Die nachstehende Auswertung umfasst nur Marken mit jeweils mindestens 460 Tankstellen, um Mini-Marken mit drei Standorten auszuschließen.

MarkeStationenDiesel 30.04.Diesel 21.05.Rückgang DieselE10 30.04.E10 21.05.Rückgang E10
STAR4802,205 €1,911 €29,5 ct2,111 €1,960 €15,1 ct
Shell1.6202,246 €1,953 €29,3 ct2,163 €1,989 €17,4 ct
TotalEnergies7302,219 €1,934 €28,5 ct2,130 €1,970 €16,0 ct
JET6862,189 €1,911 €27,8 ct2,096 €1,946 €14,9 ct
ARAL2.1552,238 €1,968 €27,0 ct2,141 €1,999 €14,3 ct
AGIP ENI4642,221 €1,974 €24,7 ct2,133 €1,993 €14,0 ct
AVIA5952,174 €1,930 €24,4 ct2,091 €1,955 €13,7 ct
ESSO1.0592,030 €1,946 €8,3 ct1,938 €1,972 €-3,4 ct
Shell ist die einzige Marke, die bei E10 mehr als die Brutto-Entlastung weitergegeben hat: 17,4 Cent. STAR senkte den Diesel um 29,5 Cent und kam damit nur knapp an Shell vorbei. Die beiden großen Player ARAL und TotalEnergies liegen bei Diesel im oberen Mittelfeld, sind bei E10 aber unter dem theoretischen Wert geblieben. JET, die Discount-Marke unter den großen Filialnetzen, gab beim Diesel 27,8 Cent ab – durchschnittlich, mit einem typischen Diesel-Endpreis von 1,911 Euro aber preislich knapp an der Spitze.

Die Marke ESSO ist die einzige echte Ausnahme im Bild. Sie senkte den Diesel zwischen dem 30. April und 21. Mai nur um 8,3 Cent und liess E10 sogar minimal um 3,4 Cent steigen. Beim genaueren Hinsehen wird klar, warum: ESSO hatte am 30. April einen ungewöhnlich niedrigen Diesel-Schnitt von 2,030 Euro – rund 16 Cent unter dem Bundesschnitt und unplausibel nah am späteren Tankrabatt-Niveau. Wahrscheinlich war das ein Datenartefakt oder eine Strategie der Marke, den Steuer-Rabatt zeitlich vorzuziehen. In jedem Fall war bei ESSO am 21. Mai weniger zusätzlicher Rückgang möglich. Die detaillierte Marken-Übersicht auf SpritFuchs zeigt, wie die einzelnen Anbieter ihre Preise üblicherweise positionieren.

Was erklärt die Unterschiede?

Drei Faktoren wirken zusammen. Erstens der Rohölpreis: Brent fiel zwischen Mitte April und Mitte Mai 2026 um rund 7 Prozent. Dieselraffinerien arbeiten ohnehin mit dünnen Margen und reichen sinkende Einkaufspreise schneller weiter als gestiegene – das verstärkt den Tankrabatt-Effekt bei Diesel sichtbar. Bei E10 dämpft der Bioethanol-Anteil diese Mechanik, weil Ethanol-Notierungen weniger schwanken und der Hauptreise-Mai die Nachfrage hochhält.

Zweitens die regionale Wettbewerbsstruktur. In Hamburg und entlang der NRW-Industrieachse zwischen Rhein und Ruhr drücken Hafenraffinerien, dichte Filialnetze und die Konkurrenz um Pendlerströme die Marktpreise stärker, sobald ein Schock von außen kommt. In Bayern und Baden-Württemberg ist der Markt seit Jahren strukturell günstiger – der Korridor zur Schmerzgrenze nach unten war am 30. April einfach kleiner. Eine bessere Weitergabequote bedeutet dort weniger absolute Bewegung in Cent, weil das Niveau bereits nahe an Diesel-Discountern und freien Tankstellen lag.

Drittens das Marketing-Verhalten der großen Marken. Shell und TotalEnergies haben in den ersten Tagen nach dem 1. Mai sichtbare Werbe-Aktionen mit „Vollständige Weitergabe der Energiesteuer-Senkung" gefahren – und die Daten bestätigen, dass beide Marken bei E10 nahe oder über dem Brutto-Tankrabatt-Wert liegen. STAR und JET, die traditionell als Discount- bzw. Mittelpreis-Marken positioniert sind, haben sich beim Diesel sehr aggressiv bewegt, beim E10 dagegen normal. Die ifo-Institut-Auswertung der ersten vier Tage hatte bereits angedeutet, dass Diesel und Super unterschiedlich behandelt werden – drei Wochen später bestätigt sich das auf solider Datenbasis.

Was das für Autofahrer heißt

Wer einen Diesel fährt, profitiert aktuell mehr als nach den ersten Wochenberichten zu erwarten war. Die durchschnittliche Ersparnis pro 50-Liter-Füllung liegt im Bundesschnitt bei rund 12,90 Euro gegenüber Ende April. Wer in Hamburg oder Berlin tankt, sieht den Effekt deutlicher als im süddeutschen Korridor, wo die Preise schon vorher niedriger waren. Mit dem typischen täglichen Preismuster – Spätnachmittag und früher Abend günstiger als Vormittag – lassen sich on top noch 5 bis 8 Cent pro Liter gewinnen, wenn man flexibel ist.

Bei E10 bleibt der Tankrabatt-Effekt rechnerisch unter den theoretischen 16,7 Cent. Wer Super tankt, sollte die laufende Preisentwicklung im Auge behalten: Eine messbare Rabatt-Erosion gab es bisher nicht, aber das schmale Schwankungsband zwischen 1,943 und 1,989 Euro zeigt, wie eng die Marken an der Untergrenze entlangführen. Mit Blick auf die Befristung bis 30. Juni 2026 lohnt es sich, größere Tankungen oder Urlaubsfahrten möglichst noch in diesen Zeitraum zu legen. Vergleichen Sie für Ihre eigene Tankstelle jetzt die aktuellen Marken- und Stadt-Preise auf SpritFuchs und planen Sie Ihren nächsten Tankstopp am besten in den günstigen Abendstunden vor dem 1. Juli.

Häufig gestellte Fragen

Im Bundesschnitt fiel Diesel von 2,195 Euro am 30. April 2026 auf 1,937 Euro am 21. Mai 2026 – ein Rückgang von 25,8 Cent pro Liter. Damit liegt die Senkung deutlich über der reinen Steuerentlastung von 16,7 Cent, weil parallel der Rohölpreis fiel und die Marken nachzogen.

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