Brent unter 100 Dollar, OPEC+ erhöht: Warum Diesel und E10 jetzt nicht stärker fallen
Drei Kräfte ziehen die Spritpreise gleichzeitig nach unten: der Tankrabatt seit 1. Mai, ein Rohölpreis unter 100 Dollar nach der Iran-Waffenruhe und eine OPEC+-Förderausweitung um 206.000 Barrel täglich. Trotzdem ist E10 nur 7,8 Cent günstiger geworden, Diesel 10,5 Cent. Bilanz nach einer Woche.
Inhaltsverzeichnis
Was ist passiert?
Drei abwärts wirkende Kräfte treffen Anfang Mai 2026 in Deutschland zusammen — und nur ein Bruchteil davon kommt an der Zapfsäule an. Seit dem 1. Mai senkt der Bund die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent netto, brutto sind das 16,7 Cent je Liter. Parallel ist der Preis für ein Barrel Brent nach der Iran-Waffenruhe vom März-Hoch bei 119 Dollar auf zuletzt unter 100 Dollar gefallen. Und ab Mai pumpt OPEC+ rund 206.000 Barrel pro Tag mehr in den Markt — die zweite monatliche Quotenanhebung in Folge, beschlossen von acht Kernstaaten rund um Saudi-Arabien. Die Tagespreise auf der SpritFuchs-Übersicht zeigen genau das Bild, das auch der ADAC veröffentlicht: eine Bewegung nach unten, aber eine zaghafte.
Zur konkreten Lage: Am Dienstag, dem 5. Mai 2026, kostete Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,025 Euro, Diesel 2,095 Euro pro Liter. Im Vergleich zur Vorwoche bedeutet das für E10 einen Rückgang um 7,8 Cent und für Diesel um 10,5 Cent. Klingt nach Entlastung — und ist auch eine. Das Problem: Allein der Tankrabatt hätte rechnerisch 16,7 Cent brutto bringen müssen. Hinzu kommt noch der gefallene Großhandelspreis durch das billigere Rohöl, der diese Marke noch hätte überbieten sollen.
Die Lücke ist kein Rundungsfehler. Bei Super E10 fehlen rund 8,9 Cent pro Liter, also etwa 53 Prozent der reinen Steuerentlastung. Bei Diesel fehlen 6,2 Cent oder rund 37 Prozent. Den OPEC+-Effekt und das fallende Brent rechnet diese Lücke noch nicht einmal mit. Auf eine 50-Liter-Tankfüllung umgerechnet sind das 4,45 Euro bei E10 und 3,10 Euro bei Diesel, die nicht beim Endkunden ankommen — über die Zwei-Monats-Laufzeit bis zum 30. Juni summiert sich das je nach Fahrprofil schnell auf zweistellige Eurobeträge.
Spannend ist auch das Timing der OPEC+-Entscheidung. Die Quotenanhebung ab Mai war im April 2026 angekündigt worden, also bevor klar war, wie schnell sich die Iran-Krise wieder beruhigt. Inzwischen hat sich beides überlagert: Die geopolitische Risikoprämie, die Brent zwischenzeitlich Richtung 119 Dollar getrieben hatte, ist nach der Waffenruhe weitgehend abgebaut worden. Acht Kernstaaten — darunter Saudi-Arabien, Russland, Kasachstan, Oman, Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Algerien — drehen die Förderung trotzdem weiter auf, als zweiten Schritt einer schrittweisen Rücknahme freiwilliger Kürzungen. Für den europäischen Markt heißt das mehr Angebot bei zugleich entspannterer Sicherheitslage rund um die Straße von Hormus.
Was heißt das für Autofahrer?
Die kurze Antwort: spürbar günstiger als im April, aber deutlich weniger günstig als versprochen. Der ADAC sprach am 6. Mai von einer "nur teilweisen Weitergabe" — die Mineralölkonzerne behielten einen "nicht unerheblichen Teil" der Energiesteuersenkung als Margenpolster ein. Diese Beobachtung passt zu den Erfahrungen aus dem ersten Tankrabatt 2022: Damals maß das RWI eine Weitergabequote von 87 Prozent bei Diesel und 71 Prozent bei Super E10. Die aktuelle Bilanz nach einer Woche liegt bei Diesel mit rund 63 Prozent klar darunter, bei E10 mit 47 Prozent sogar deutlich. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass in den nächsten zwei bis drei Wochen noch nachgereicht wird, wenn der Wettbewerb zwischen den Marken in Bewegung kommt.
Ungewöhnlich an der aktuellen Konstellation ist, dass parallel auch der Großhandelspreis fällt. Mit Brent unter 100 Dollar und einer angekündigten OPEC+-Mehrförderung müssten Raffinerien spürbar weniger für Rohöl zahlen. Stattdessen verbreitert sich die Marge zwischen Großhandelspreis und Pumpenpreis. Genau auf solche atypischen Margenausweitungen schaut die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt — und sie hat im Quartalsbericht vom 27. März bereits eine ähnliche Entkopplung im Diesel-Großhandel während der Iran-Eskalation dokumentiert. Wiederholt sich das Muster jetzt auf der Endkundenseite, ist eine politische Reaktion in den nächsten Wochen nicht ausgeschlossen.
| Kraftstoff | 28. April 2026 | 5. Mai 2026 | tatsächliche Differenz | erwartet allein durch Tankrabatt |
|---|---|---|---|---|
| Super E10 | 2,103 € | 2,025 € | −7,8 Cent | −16,7 Cent |
| Diesel | 2,200 € | 2,095 € | −10,5 Cent | −16,7 Cent |
Auf der gleichen Straße liegen die Tagespreise je nach Marke und Standort aktuell um drei bis sechs Cent auseinander — mehr als in ruhigen Marktphasen. Wenn Wettbewerb auf einen Rabatt reagiert, klaffen die Preise zwischen Aral, Shell, JET, Star und freien Tankstellen weiter auseinander, weil die einen schneller senken als die anderen. Wer beim Markenvergleich bewusst zwischen Discount-Marken und Premium-Stationen wählt, holt sich aktuell einen größeren Anteil des fehlenden Rabatts zurück, als das im April der Fall war. In Bayern und Baden-Württemberg, wo die Tankstellendichte traditionell hoch ist, geht das schneller — die süddeutschen Standorte rund um die Raffinerien Karlsruhe und Burghausen reagieren erfahrungsgemäß zügig (siehe Bayern). In dünner besiedelten Regionen mit nur einer oder zwei Tankstellen vor Ort kommt der Rabatt dagegen häufig mit Verzögerung an, weil der lokale Preisdruck fehlt.
Ein weiteres Detail aus der ADAC-Statistik passt zur These der zurückgehaltenen Marge: Diesel hat sich mit 10,5 Cent stärker bewegt als E10 mit 7,8 Cent, obwohl die Energiesteuersenkung auf beide Kraftstoffsorten exakt gleich greift. Bei Diesel ist der Großhandelspreis nach der Iran-Waffenruhe deutlich stärker gefallen als bei Benzin — das liegt am Endkundengeschäft im Heizölmarkt, das stärker an Brent gekoppelt ist. Die Konzerne geben also bei Diesel mehr weiter, weil die Großhandelsspanne größer ist, und weniger bei E10, wo die Spanne enger sitzt. Für Vielfahrer ist das eine günstige Konstellation, für Pendler mit Benziner eine ärgerliche.
Was Sie jetzt tun können
Drei Maßnahmen helfen, einen größeren Anteil der gesunkenen Großhandelspreise tatsächlich an der Zapfsäule mitzunehmen. Vergleichen Sie täglich vor dem Tanken — die Spreizung zwischen Stationen ist aktuell höher als gewohnt, und die meisten Preisbewegungen nach unten finden zwischen 17 und 22 Uhr statt. Vermeiden Sie reflexartiges Volltanken am Vormittag, weil die Tagestiefs zuverlässig in den Abendstunden liegen. Halten Sie außerdem die Entwicklung über die nächsten zwei bis drei Wochen im Blick — bei früheren Steuersenkungen wurde ein Großteil der noch zurückgehaltenen Entlastung in den ersten 14 Tagen nachgereicht, weil die Wettbewerber nach und nach nachziehen mussten.
Konkret hilft beim Vergleich zwischen den Marken die Faustregel: Discount-Marken wie HEM, Star und JET liegen aktuell oft zwei bis vier Cent unter den Premium-Marken, freie Tankstellen häufig nochmal darunter. Wer regelmäßig tankt, fährt mit einer Kombination aus zwei bis drei Standorten in der Nähe und einer flexiblen Wahl je nach Tagespreis am besten. Ein Liter Unterschied zwischen Wochenanfang und Wochenende ist im Mai 2026 keine Seltenheit — und drei Cent Differenz auf 50 Liter Tankfüllung bedeuten 1,50 Euro pro Stopp.
Wenn Sie die aktuellen Preise in Ihrer Stadt im Detail vergleichen wollen, finden Sie auf der Spritpreis-Übersicht von SpritFuchs die Tagespreise aller Kraftstoffsorten und können bis auf die einzelne Tankstelle vor Ihrer Haustür herunterzoomen. Die Daten kommen direkt aus der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe und werden täglich aktualisiert — so sehen Sie sofort, welche Stationen den Rabatt schon weitergegeben haben und welche noch zögern. Stand 7. Mai 2026.
Häufig gestellte Fragen
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