Bundesländer-Ranking nach dem Tankrabatt: Wo der 17-Cent-Rabatt am stärksten ankommt
Eine Woche nach Tankrabatt-Start: SpritFuchs-Auswertung von rund 14.700 Tankstellen zeigt, in welchen Bundesländern Autofahrer den größten Teil der Steuersenkung an der Zapfsäule sehen — und wo die Mineralölwirtschaft den Rabatt einbehält.
Inhaltsverzeichnis
Methodik
Die folgende Auswertung basiert auf den Tagesdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K), die SpritFuchs jede Nacht aus der offiziellen Tankerkönig-Datenbank importiert. Grundlage sind sämtliche bundesweit gemeldeten Preisstände — im untersuchten Zeitraum schwanken die täglichen Stichproben zwischen 14.110 und 14.760 Tankstellen, je nach Wochentag und Meldedichte. Die aktuelle Bundesübersicht und tagesgenaue Mittelwerte sind dabei jederzeit öffentlich einsehbar.
Für den Pre-Tankrabatt-Vergleich wurde der Zeitraum vom 22. bis 30. April 2026 gewählt (neun Tage), für den Post-Tankrabatt-Vergleich der 1. bis 7. Mai 2026 (sieben Tage). Berechnet wurden ungewichtete Mittelwerte je Bundesland über sämtliche gemeldeten Stationen, getrennt für Diesel und Super E10. Der Tankrabatt selbst senkt die Energiesteuer um 14,04 Cent pro Liter, was inklusive Mehrwertsteuer einer theoretischen Bruttoentlastung von 16,71 Cent entspricht. Diese 16,7 Cent dienen als Referenzwert für die regionale Weitergabequote.
Kernergebnisse
- Baden-Württemberg ist mit 2,027 Euro pro Liter Diesel das aktuell günstigste Bundesland, Schleswig-Holstein mit 2,081 Euro das teuerste.
- Die Spreizung zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland beträgt bei Diesel 5,4 Cent, bei E10 4,1 Cent.
- Im Bundesschnitt sank Diesel zwischen den beiden Vergleichswochen um 11,3 Cent, E10 um 9,5 Cent.
- Bezogen auf die theoretisch möglichen 16,7 Cent ergibt das eine durchschnittliche Weitergabequote von 67,7 Prozent bei Diesel und 56,9 Prozent bei E10.
- Spitzenreiter bei der Weitergabe sind Rheinland-Pfalz und Sachsen mit jeweils 12,7 Cent, Schlusslicht Niedersachsen mit 10,0 Cent.
- Am 30. April lag der bundesweite Diesel-Tagesschnitt noch bei 2,195 Euro, am 7. Mai bereits bei 1,987 Euro — ein Sturz um 20,8 Cent in einer einzigen Woche, getrieben durch Tankrabatt plus fallende Brent-Notierungen.
Süddeutschland gewinnt das Preisrennen
Wer in Baden-Württemberg, Bayern oder dem Saarland tankt, zahlt nach einer Woche Tankrabatt im Schnitt zwischen 2,027 und 2,033 Euro pro Liter Diesel. Damit liegen die drei Südländer dicht beieinander an der Spitze des Rankings. Auch bei E10 dominiert der Süden: Bayern (1,965 Euro), Saarland (1,969 Euro) und Baden-Württemberg (1,970 Euro) bilden das günstigste Trio.
Diese Reihenfolge ist nicht neu — bereits vor dem Tankrabatt zahlte man in Süddeutschland am wenigsten. Was sich geändert hat, ist das absolute Niveau: Während der Diesel-Schnitt in Baden-Württemberg in der Woche vor dem 1. Mai noch bei 2,134 Euro lag, sind es nach dem Stichtag nur noch 2,027 Euro. Das sind 10,6 Cent Entlastung — solide, aber nicht spitze.
Spannend ist der Blick auf die relative Bewegung. Rheinland-Pfalz und Sachsen führen das Ranking der absoluten Preissenkungen an: In beiden Bundesländern fiel der Diesel-Schnitt um genau 12,7 Cent pro Liter. Damit erreichen diese Regionen eine Weitergabequote von 76,0 Prozent gegenüber den theoretisch möglichen 16,71 Cent — der bundesweite Spitzenwert.
Anders gesagt: Süddeutschland ist absolut am günstigsten, aber relativ zur Tankrabatt-Höhe wird in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt am konsequentesten gesenkt. Wer also schon vorher in einer teuren Region wohnte, profitiert prozentual stärker als der Stuttgarter Pendler, der ohnehin schon einen vergleichsweise niedrigen Ausgangspreis hatte.
Norddeutschland hängt hinterher
Die andere Seite der Karte sieht weniger erfreulich aus. Schleswig-Holstein bleibt mit 2,081 Euro pro Liter Diesel das teuerste Bundesland, gefolgt von Hamburg (2,077 Euro) und Niedersachsen (2,072 Euro). Auch bei E10 bilden diese drei norddeutschen Länder zusammen mit Brandenburg und Sachsen-Anhalt das obere Drittel der Preisliste.
Besonders auffällig ist Niedersachsen: Der Diesel-Schnitt sank dort zwischen den beiden Vergleichswochen nur um 10,0 Cent — der niedrigste Wert im Bundesländer-Vergleich. Das entspricht einer Weitergabequote von gerade einmal 59,9 Prozent. Bei E10 sieht das Bild kaum besser aus, mit einer Senkung von 8,4 Cent (50,3 Prozent Weitergabe).
Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern teilen sich mit jeweils 10,8 Cent Diesel-Senkung den zweitletzten Platz. Auch Berlin (11,0 Cent) und Brandenburg (10,9 Cent) liegen unter dem bundesweiten Mittelwert. Damit verfestigt sich ein Muster, das bereits in den Vorwochen erkennbar war und sich auch in unserem Großstadt-Vergleich vom 2. Mai zeigte: Norddeutschland reagiert träger auf bundespolitische Eingriffe in den Spritmarkt als der Süden.
Wie schnell die Preise tatsächlich fielen
Die Bundesländer-Mittelwerte verschleiern, wie abrupt der Preissprung am Stichtag stattfand. Am 30. April lag der bundesweite Diesel-Tagesschnitt nach SpritFuchs-Daten bei 2,195 Euro pro Liter. Bereits am 1. Mai — dem ersten Tag mit gesenkter Energiesteuer — fiel er auf 2,058 Euro, also um 13,7 Cent über Nacht. Damit war die erste Stufe der Weitergabe sofort sichtbar, wenn auch nicht in voller Höhe der theoretischen 16,71 Cent.
Auffällig ist, dass der Preisrückgang nach dem 1. Mai weiterging: 2,081 Euro am 2. Mai, 2,090 Euro am 3. Mai (kurzer Wochenend-Effekt nach oben), dann 2,079 am 4. Mai, 2,018 am 6. Mai und schließlich 1,987 Euro am 7. Mai. Der Diesel-Schnitt ist damit innerhalb einer Woche um 20,8 Cent unter das Vor-Tankrabatt-Niveau gefallen — deutlich mehr, als der Rabatt allein liefern konnte.
Die zusätzliche Bewegung kommt aus dem Großhandelsmarkt. Brent-Rohöl notiert seit der Iran-Waffenruhe wieder unter der psychologischen Marke von 100 Dollar pro Barrel, OPEC+ hat die Förderquote für Mai um 206.000 Barrel pro Tag angehoben. Diese makroökonomische Entlastung addiert sich zur fiskalischen Senkung — ein Glücksfall für Autofahrer, der die Wahrnehmung der Tankrabatt-Wirkung allerdings etwas verzerrt. Wer den reinen politischen Effekt isolieren will, muss den Brent-Effekt rechnerisch herausziehen, wie das ADAC und unsere Brent-Analyse vom 7. Mai bereits getan haben.
Das vollständige Bundesländer-Ranking
Die folgende Tabelle zeigt für alle 16 Bundesländer den Diesel- und E10-Schnitt vor dem Tankrabatt (22.–30. April), nach dem Tankrabatt (1.–7. Mai) sowie die absolute Differenz in Cent pro Liter. Sortiert ist nach dem aktuellen Diesel-Preis aufsteigend.
| Rang | Bundesland | Diesel pre | Diesel post | Δ Diesel | E10 post | Δ E10 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Baden-Württemberg | 2,134 € | 2,027 € | −10,6 ct | 1,970 € | −8,1 ct |
| 2 | Saarland | 2,144 € | 2,032 € | −11,2 ct | 1,969 € | −9,5 ct |
| 3 | Bayern | 2,150 € | 2,033 € | −11,8 ct | 1,965 € | −9,9 ct |
| 4 | Rheinland-Pfalz | 2,164 € | 2,037 € | −12,7 ct | 1,976 € | −10,1 ct |
| 5 | Berlin | 2,155 € | 2,045 € | −11,0 ct | 1,974 € | −9,6 ct |
| 6 | Mecklenburg-Vorpommern | 2,162 € | 2,054 € | −10,8 ct | 1,987 € | −9,0 ct |
| 7 | Sachsen | 2,182 € | 2,055 € | −12,7 ct | 1,991 € | −10,9 ct |
| 8 | Nordrhein-Westfalen | 2,169 € | 2,057 € | −11,1 ct | 1,983 € | −8,8 ct |
| 9 | Thüringen | 2,175 € | 2,058 € | −11,7 ct | 1,998 € | −9,4 ct |
| 10 | Sachsen-Anhalt | 2,183 € | 2,062 € | −12,2 ct | 2,000 € | −10,5 ct |
| 11 | Bremen | 2,173 € | 2,063 € | −11,1 ct | 1,975 € | −10,3 ct |
| 12 | Hessen | 2,176 € | 2,064 € | −11,2 ct | 1,994 € | −9,6 ct |
| 13 | Brandenburg | 2,174 € | 2,066 € | −10,9 ct | 1,997 € | −9,8 ct |
| 14 | Niedersachsen | 2,171 € | 2,072 € | −10,0 ct | 2,006 € | −8,4 ct |
| 15 | Hamburg | 2,185 € | 2,077 € | −10,8 ct | 1,998 € | −8,1 ct |
| 16 | Schleswig-Holstein | 2,198 € | 2,081 € | −11,7 ct | 1,996 € | −10,5 ct |
Was erklärt die Unterschiede?
Drei Faktoren bestimmen, warum manche Bundesländer schneller und tiefer auf den Tankrabatt reagieren als andere.
Der erste und gewichtigste Treiber ist die Raffinerienähe. Baden-Württemberg profitiert von der MiRO Karlsruhe — einer der größten Inlandsraffinerien Deutschlands —, Bayern von den drei Standorten Burghausen, Vohburg und Ingolstadt. Das Saarland hängt direkt an der Total-Raffinerie Klesch, Rheinland-Pfalz wird unter anderem über Mainz und Karlsruhe versorgt. Diese Cluster bedeuten kürzere Großhandelswege, niedrigere Frachtaufschläge und eine engere Bindung der lokalen Tankstellen an den Raffinerieausstoß. Wenn die Raffinerie ihren Großhandelspreis nach unten korrigiert — wie es nach dem 1. Mai geschah —, kommt der Effekt im süddeutschen und westdeutschen Cluster schneller an der Zapfsäule an.
Zweiter Treiber ist die Wettbewerbsstruktur auf der lokalen Ebene. Eine Auswertung der SpritFuchs-Stationsdaten zeigt: Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben mit 35,9 beziehungsweise 34,1 Prozent zwar die höchsten Anteile an Discount-Tankstellen (HEM, JET, Star, Q1, Classic und ähnliche freie oder weichgebundene Marken). Trotzdem liegen die Endpreise dort hoch — ein klares Zeichen dafür, dass die Markenstruktur allein keinen ausreichenden Wettbewerbsdruck erzeugt, wenn die Großhandelspreise hoch bleiben. Im Saarland ist die Premium-Quote (Aral, Shell, Esso, Total) mit 63,3 Prozent am höchsten, trotzdem liegt das Bundesland auf Platz 2 — ein deutlicher Hinweis darauf, dass Markenmix und Endpreis nicht zwingend korrelieren.
Dritter Treiber ist das Verhandlungsverhalten der großen Mineralölkonzerne. Die RWI-Studie zum Tankrabatt 2022 zeigte: Im ersten Monat wurde der Rabatt nahezu vollständig weitergegeben, danach nahm die Quote über die Sommerwochen stark ab. Aktuell befinden wir uns am Anfang dieses Zyklus — die ersten sieben Tage zeigen bereits eine Quote von nur 67,7 Prozent bei Diesel, deutlich unter den 87 Prozent, die das RWI im Schnitt der drei Monate 2022 gemessen hatte. Das deutet darauf hin, dass die Branche aus den Erfahrungen 2022 gelernt hat — und beim Pricing zurückhaltender vorgeht als damals. Bundeskartellamt und ADAC haben diese Beobachtung bereits aufgegriffen und kritisieren die unvollständige Weitergabe öffentlich.
Ein vierter, schwer messbarer Faktor ist die mediale Aufmerksamkeit. Solange Tankrabatt-Berichterstattung den Boulevard dominiert, halten sich Tankstellen mit aggressivem Margenausbau zurück. Sobald das Thema aus den Schlagzeilen verschwindet, kann sich die Weitergabe schleichend verschlechtern — wie sich nach Erfahrungen aus 2022 abzeichnete.
Was das für Autofahrer heißt
Die regionalen Unterschiede sind real, aber im Alltag handhabbar. Wer in Süddeutschland wohnt, profitiert ohnehin schon vom günstigsten Preisniveau. Wer im Norden oder in Niedersachsen tankt, sollte gezielter vergleichen — die Spanne zwischen Markenstationen und freien Anbietern in derselben Stadt ist meist größer als die Spanne zwischen Bundesländern. Auch der Tagesverlauf spielt eine wichtige Rolle: Im Bundesschnitt sind die Preise zwischen 17 und 22 Uhr am niedrigsten.
Wer eine längere Strecke plant, sollte den geplanten Tankstopp in den Süden oder Westen verlegen, sofern das auf der Route liegt. Eine 50-Liter-Tankfüllung in Baden-Württemberg statt in Schleswig-Holstein spart 2,70 Euro — das lohnt sich nicht für eine reine Tankreise, aber als Mitnahmeeffekt auf Geschäfts- oder Urlaubsfahrten durchaus.
Wer Vielfahrer mit 20.000 Kilometern Jahresfahrleistung ist, sieht je nach Standort schnell einen vierstelligen Effekt: Bei einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer entspricht die Spreizung von 5,4 Cent rund 76 Euro pro Jahr — allein durch das Bundesland. Hinzu kommen die Unterschiede zwischen Tankstellen-Marken und der richtigen Tageszeit, die zusammen oft mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen.
Beobachten sollte man auch den weiteren Verlauf der Weitergabequote. Die RWI-Studie zum Tankrabatt 2022 hat dokumentiert, dass die Weitergabe nach den ersten vier Wochen deutlich nachließ. Sollte sich dieses Muster wiederholen, könnten Tankstellen die jetzt sichtbare Senkung von durchschnittlich 11,3 Cent bei Diesel im Lauf der nächsten Wochen schrittweise wieder einkassieren — etwa über zurückhaltendere Preisanpassungen bei steigenden Großhandelspreisen. Das Bundeskartellamt verweist bereits jetzt auf seine laufende Marktbeobachtung im Mineralölsektor und hat angekündigt, etwaige Preisbewegungen, die nicht durch fundamentale Faktoren erklärbar sind, gezielt zu untersuchen.
SpritFuchs aktualisiert die Bundesländer-Mittelwerte täglich. Vergleichen Sie jetzt die aktuellen Spritpreise in Ihrem Bundesland und prüfen Sie, wie sich die Weitergabe in den nächsten Wochen entwickelt — die Erfahrung aus 2022 zeigt, dass die Quote tendenziell sinkt, je länger der Tankrabatt läuft.
Häufig gestellte Fragen
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