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CO2-Preis 2027: Was der ETS2-Start — jetzt 2028 — für Benzin und Diesel bedeutet

Stand: 3. Juli 2026 · Quellen: BEHG (§ 10), DEHSt, Umweltbundesamt, ADAC, EWI Köln, VKU

Kurzantwort: Der CO2-Preis steigt 2026 gesetzlich auf einen Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne — das sind rund 13 bis 15,4 Cent pro Liter Benzin und 14,6 bis 17,2 Cent pro Liter Diesel (netto). Der eigentliche Sprung sollte 2027 mit dem EU-weiten Emissionshandel ETS2 kommen, wurde von der EU im November 2025 aber auf 2028 verschoben. Wie teuer der freie Marktpreis dann wird, ist offen — benannte Szenarien reichen von rund 17 bis über 30 Cent pro Liter allein für den CO2-Anteil (heute: maximal 15,4 bzw. 17,2 Cent).

Wie funktioniert der CO2-Preis in Deutschland?

Seit 2021 müssen Unternehmen, die Benzin, Diesel, Heizöl oder Erdgas in Deutschland in Verkehr bringen, für jede Tonne CO2, die beim späteren Verbrennen entsteht, ein Emissionszertifikat vorweisen. Das regelt das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), umgesetzt von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) beim Umweltbundesamt. Die Kosten für diese Zertifikate geben die Mineralölunternehmen über den Literpreis an Autofahrer weiter — der CO2-Preis ist damit ein fester Aufschlag, zusätzlich zur Energiesteuer und zur Mehrwertsteuer, die auch auf den CO2-Anteil selbst noch einmal erhoben wird. Mehr zur gesamten Zusammensetzung des Literpreises im Ratgeber: Warum sind Spritpreise so hoch?.

Der Preispfad bis heute (2021–2026)

Bis 2025 war der Preis pro Tonne CO2 gesetzlich als fester Betrag festgeschrieben. Seit 2026 wird er innerhalb eines gesetzlichen Korridors versteigert. Quelle für die gesamte Tabelle: § 10 BEHG (gesetze-im-internet.de), DEHSt.

JahrCO2-PreisMechanismus
202125 €/TonneFestpreis
202230 €/TonneFestpreis
202330 €/TonneFestpreis (Anstieg wegen Energiekrise eingefroren)
202445 €/TonneFestpreis
202555 €/TonneFestpreis
202655–65 €/TonneKorridor, seit Juli 2026 versteigert an der EEX Leipzig

2027 ist in Deutschland aktuell ein offenes Übergangsjahr: Politisch wurde die Absicht geäußert, den 2026er-Korridor unverändert zu verlängern, eine abschließende gesetzliche Entscheidung stand zum Zeitpunkt dieses Artikels (Stand Juli 2026) noch aus. Quelle: VKU (Verband kommunaler Unternehmen).

Was ändert sich mit dem ETS2 — und wann?

Der ETS2 ist der zweite Teil des europäischen Emissionshandels: Er erweitert den seit 2005 bestehenden EU-Emissionshandel für Industrie und Kraftwerke um die Sektoren Gebäude und Straßenverkehr — Teil des „Fit for 55“-Klimapakets der EU. Anders als beim deutschen BEHG bildet sich der Preis dort künftig frei am Markt, begrenzt nur durch eine EU-weite Emissionsobergrenze, die jährlich sinkt.

Ursprünglich sollte die verpflichtende Phase am 1. Januar 2027 beginnen und das deutsche BEHG ablösen. Aus Sorge vor zu hohen Energiekosten für Verbraucher einigten sich der EU-Umweltrat (5. November 2025) und das Europäische Parlament (13. November 2025) jedoch auf eine Verschiebung des verpflichtenden Starts um ein Jahr auf den 1. Januar 2028. Die Berichtspflichten für Unternehmen laufen davon unabhängig schon seit 2024. Quelle: DEHSt, IHK Karlsruhe.

Das erklärt, warum im Netz — je nachdem, wann ein Artikel oder Rechner erstellt wurde — teils noch 2027, teils bereits 2028 als ETS2-Startjahr genannt wird. Für die Startphase hat die EU außerdem Sicherheitsmechanismen eingebaut: Überschreitet der Preis bestimmte Schwellen, werden zusätzliche Zertifikate aus einer Reserve freigegeben, um extreme Sprünge zu dämpfen. Quelle: Stiftung Umweltenergierecht (Update CO2-Bepreisung, Dezember 2025).

Was heißt das in Cent pro Liter? Die Rechnung

Um aus einem CO2-Preis in Euro pro Tonne einen Aufschlag pro Liter zu machen, braucht es den amtlichen Emissionsfaktor: Ein Liter Benzin setzt beim Verbrennen 2,37 Kilogramm CO2 frei, ein Liter Diesel 2,65 Kilogramm CO2 (Quelle: Umweltbundesamt/DEHSt, Emissionsberichterstattungsverordnung zum BEHG). Die Formel:

Cent pro Liter (netto) = CO2-Preis in €/Tonne × Emissionsfaktor (kg/l) ÷ 10

Damit entspricht 1 Euro CO2-Preis pro Tonne rund 0,237 Cent pro Liter Benzin bzw. 0,265 Cent pro Liter Diesel — jeweils netto, vor der 19-prozentigen Mehrwertsteuer, die an der Zapfsäule noch obendrauf kommt. Angewendet auf den tatsächlichen BEHG-Preispfad (eigene Berechnung):

JahrCO2-PreisBenzin (netto)Diesel (netto)
202125 €/t5,9 Ct/l6,6 Ct/l
2022–202330 €/t7,1 Ct/l8,0 Ct/l
202445 €/t10,7 Ct/l11,9 Ct/l
202555 €/t13,0 Ct/l14,6 Ct/l
202655–65 €/t13,0–15,4 Ct/l14,6–17,2 Ct/l

Inklusive der 19 Prozent Mehrwertsteuer, die auch auf diesen Anteil erhoben wird, liegt der CO2-Preis-Anteil am oberen Ende des 2026er-Korridors (65 €/t) bei rund 18,3 Cent pro Liter Benzin und 20,5 Cent pro Liter Diesel — das ist der Betrag, den Autofahrer tatsächlich an der Zapfsäule mitzahlen.

Wie teuer wird Tanken ab dem ETS2-Start? Die Szenarien

Ab hier verlässt dieser Ratgeber gesichertes Terrain: Sobald der Preis 2028 frei am Markt entsteht, kennt niemand den genauen Wert im Voraus. Die folgenden Zahlen sind benannte Szenarien und Modellrechnungen, keine feststehenden Preise. Die Cent-Werte in der letzten Spalte sind, sofern nicht anders angegeben, eigene Berechnungen mit der oben genannten Formel und den amtlichen Emissionsfaktoren.

Quelle (Datum)Angenommener CO2-PreisAufschlag Benzin / Diesel
ADAC-Präsident Christian Reinicke (Feb. 2025)nicht beziffert — „deutlich mehr“ ab dem Systemwechselbis zu 19 Ct/l (beide Kraftstoffe)
EWI Köln, Studie (März 2025)rund 120 €/t~28,8 Ct/l Benzin / ~32,1 Ct/l Diesel (EWI-eigene Zahlen)
Branchenkreise, laut heise.de (Juli 2025)70–100 €/t~16,6–23,7 Ct/l Benzin / ~18,6–26,5 Ct/l Diesel
EEX-Terminbörse, erste Notierung (Mai 2025)73 €/t~17,3 Ct/l Benzin / ~19,3 Ct/l Diesel

Die Terminbörsen-Notierung wurde im Mai 2025 noch für den damals für 2027 geplanten Starttermin gehandelt — inhaltlich bleibt sie als früher Marktpreis-Indikator relevant, auch wenn der Starttermin seither auf 2028 verschoben wurde.

Für die 2030er Jahre reichen die Schätzungen noch weiter auseinander: ZEW-Präsident Achim Wambach nannte in der WirtschaftsWoche rund 200 €/Tonne (das entspräche nach derselben Formel rund 47 bzw. 53 Ct/l netto), das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) rechnet bis 2050 in einem Szenario mit bis zu 400 €/Tonne. Wie realistisch das ist, hängt vom EU-weiten Klimaschutztempo ab — je schneller Emissionen sinken, desto niedriger bleibt der Marktpreis.

Was können Autofahrer jetzt tun?

  • E10 statt E5 tanken (falls freigegeben): E10 enthält mehr Bioethanol und damit weniger fossilen Kohlenstoff pro Liter — das senkt die CO2-Kosten für den Anbieter und macht E10 an der Zapfsäule regelmäßig günstiger. Freigabe prüfen und rechnen im Ratgeber: E10 oder E5?
  • Zum richtigen Zeitpunkt tanken: Der CO2-Preis bestimmt das Preisniveau, nicht den Tagesverlauf. Seit der 12-Uhr-Regel bleibt der Zeitpunkt am Tag trotzdem der größte Hebel — Details im Ratgeber: Wann tanken?
  • Stationen vergleichen statt einer Marke treu bleiben: Der CO2-Preis wirkt bei allen Anbietern gleich, die Stationsspanne innerhalb einer Stadt bleibt trotzdem oft bei 10 bis 20 Cent pro Liter. Finde die günstigste Tankstelle in deiner Nähe direkt auf der SpritFuchs-Startseite.

Quellen

Aktuelle Spritpreise und die tagesaktuelle Zusammensetzung findest du auf unserer Preisübersicht.

Häufige Fragen zum CO2-Preis 2027/2028

Der CO2-Preis ist eine gesetzlich festgelegte Abgabe auf den Ausstoß von Kohlendioxid bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, geregelt im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Mineralölunternehmen müssen für jede Tonne CO2, die beim Verbrennen ihres verkauften Benzins und Diesels entsteht, ein Emissionszertifikat vorweisen. Sie geben diese Kosten über den Literpreis an Autofahrer weiter — der CO2-Preis ist damit ein fester Bestandteil des Preises an der Zapfsäule, zusätzlich zu Energiesteuer und Mehrwertsteuer.