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Warum sind die Spritpreise so hoch? Zusammensetzung einfach erklärt

Stand: 3. Juli 2026 · Quellen: Bundeskartellamt, ADAC, Statista, UBA, SpritFuchs-Datenanalysen

Kurzantwort: Der Literpreis besteht überwiegend aus Steuern und Abgaben — bei Benzin rund 64 Prozent, bei Diesel rund 56 Prozent. Der Rohölpreis selbst macht nur einen begrenzten Teil aus, grob ein Fünftel bis ein Viertel. Deshalb bleibt Sprit auch bei fallendem Ölpreis oft teuer.

Stand: täglich aktualisierte MTS-K-Daten — aktuell liegt Super E10 im bundesweiten Schnitt bei 1,899, Diesel bei 1,854. Die genaue Zusammensetzung dieser Preise erklären wir im Folgenden.

Die Zusammensetzung des Literpreises

Rund 64 Prozent des Benzinpreises und rund 56 Prozent des Dieselpreises sind Steuern und Abgaben. Das ist der dominierende Anteil an der Zapfsäule, nicht die Marge der Mineralölkonzerne.

  • Energiesteuer: Ein fester Betrag, unabhängig vom Weltmarkt — 65,45 Cent pro Liter Benzin, 47,04 Cent pro Liter Diesel. Der EU-Mindestsatz für Benzin liegt zum Vergleich bei nur 35 Cent.
  • CO2-Preis: 2026 im gesetzlichen Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne, das entspricht nach unseren Analysen rund 7 bis 14 Cent pro Liter (die Schätzungen unserer beiden Quellenartikel liegen je nach Erhebungszeitpunkt zwischen 7–8 Cent im April 2026 und 10–14 Cent im Juli 2026) — und steigt politisch gewollt jedes Jahr weiter.
  • Mehrwertsteuer: 19 Prozent auf den gesamten Nettopreis — also auch auf die bereits enthaltene Energiesteuer und CO2-Abgabe. Steuer auf die Steuer.
  • Rohöl, Raffinierung, Transport: Der reine Rohölanteil liegt bei rund einem Fünftel des Literpreises (siehe Ölpreis-Abschnitt unten); rechnet man Raffinierung und Transport dazu, kommt man in der Nähe eines Viertels des Endpreises.
  • Marge der Tankstellen: Meist nur 5 bis 12 Cent pro Liter — davon zahlt der Pächter noch Personal, Pacht, Strom und die Waschanlage.

Konkret an einem Beispiel (Datenstand 13. April 2026, Preis 1,70 € pro Liter Super): 65,45 Cent Energiesteuer, rund 11 Cent CO2-Abgabe, rund 27 Cent Mehrwertsteuer — zusammen über 1 Euro direkt an den Staat. Vom Rest gehen rund 40 Cent für Rohöl und Raffineriekosten drauf, dem Tankstellenbetreiber bleiben rechnerisch noch 6 bis 10 Cent.

Der Ölpreis-Zusammenhang

Nur ein begrenzter Teil des Literpreises hängt tatsächlich am Rohöl. Bei einem Brent-Preis von rund 65 US-Dollar je Barrel und einem Wechselkurs von rund 1,10 Dollar je Euro entspricht der reine Rohölwert etwa 37 Cent pro Liter — bei einem Tankstellenpreis von 1,85 Euro für Super E10 sind das knapp 20 Prozent (Stand Juni 2026). Als Faustregel gilt: Ein Brent-Anstieg von 10 Dollar pro Barrel bedeutet bei stabilem Wechselkurs etwa 5 bis 7 Cent mehr pro Liter.

Selbst diese begrenzte Bewegung kommt nicht sofort an. Nach Schätzung der EU-Kommission ist rund die Hälfte einer Rohölbewegung erst nach drei bis sieben Tagen an der Zapfsäule sichtbar, die volle Anpassung kann zwei bis drei Wochen dauern. Und Erhöhungen kommen deutlich schneller an als Senkungen: Wettbewerbsökonomen nennen das den Rocket-and-Feather-Effekt — Preise steigen wie eine Rakete, sinken wie eine Feder. Das Bundeskartellamt hat dieses Muster im deutschen Tankstellenmarkt mehrfach dokumentiert, unter anderem in seiner Sektoruntersuchung Kraftstoffe. Mehr zu Zeitverzug und Wechselkurs im Beitrag Ölpreis und Spritpreis: Warum nur 20 Cent vom Brent am Liter hängen.

Ein zweiter, oft übersehener Hebel liegt in der Raffinerie selbst. Die Differenz zwischen Rohölpreis und dem Preis für fertigen Kraftstoff heißt Crack-Spread und liegt normalerweise bei 10 bis 15 US-Dollar pro Barrel — in Deutschland verarbeiten 13 Raffinerien mit zusammen rund 105,7 Millionen Tonnen Jahreskapazität bei einer durchschnittlichen Auslastung von rund 85 Prozent. Fällt eine Anlage durch Wartung oder eine Krise aus, kann der Crack-Spread auf 30 bis 60 Dollar steigen — der Liter bleibt dann teuer, selbst wenn Brent gerade billig ist. Details dazu im Beitrag Raffinerie-Engpässe: Warum Rohöl billig sein kann und Sprit trotzdem teuer.

Was 2026 besonders ist

Im Frühjahr und Frühsommer 2026 kam ein zusätzlicher Sondereffekt hinzu: der staatliche Tankrabatt — eine Energiesteuersenkung um 17 Cent pro Liter, befristet vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026. Seit dem 1. Juli gilt wieder der volle Steuersatz: Diesel verteuerte sich binnen weniger Tage um rund 19 Cent. Laut unserer Ölpreis-Analyse führte während des Rabatts das Zusammenspiel aus Tankrabatt, fallendem Brent-Preis und schwacher Heizölnachfrage im Mai 2026 sogar dazu, dass Diesel zeitweise unter dem E10-Preis lag — ein historisch ungewöhnlicher Zustand, der sich innerhalb weniger Wochen wieder umkehrte. Solche befristeten Eingriffe verschieben kurzfristig das Preisniveau, ändern aber nichts an der grundsätzlichen Zusammensetzung aus Steuern, Rohöl und Marge, die in diesem Ratgeber beschrieben ist.

Der CO2-Preis bleibt der zweite große Unsicherheitsfaktor: Er ist gesetzlich so angelegt, dass er jedes Jahr politisch gewollt weiter ansteigt. 2026 liegt der Korridor bei 55 bis 65 Euro pro Tonne, ein Plus von bis zu 10 Euro gegenüber der Vorstufe. Wie stark der Aufschlag für 2027 und danach ausfällt, stand zum Zeitpunkt dieses Artikels (Stand Juli 2026) in unseren Quellen noch nicht abschließend fest.

Drittens ändert seit dem 1. April 2026 die 12-Uhr-Regel (KPAnG) das Tagesmuster, nicht das Preisniveau: Tankstellen dürfen die Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, Senkungen bleiben jederzeit möglich. Das verschiebt, wann am Tag am günstigsten getankt wird — an der grundsätzlichen Steuer- und Rohöl-Zusammensetzung des Preises ändert das nichts. Alle Details dazu im Ratgeber: Wann tanken?.

Was Autofahrer konkret tun können

  • Stationen vergleichen: Die Spanne zwischen der günstigsten und teuersten Station einer mittelgroßen Stadt liegt regelmäßig bei 10 bis 20 Cent pro Liter — unabhängig vom aktuellen Rohölpreis.
  • Timing kurz vor 12 Uhr: Seit der 12-Uhr-Regel liegt der Vormittags-Tiefpunkt laut ADAC-Messung (Mai 2026) rund 3,7 Cent (E10) bzw. 4,3 Cent (Diesel) unter dem Tagesschnitt. Mehr dazu im Ratgeber: Wann tanken?
  • E10 statt E5: Laut unseren Daten vom 13. April 2026 lag Super E10 im Schnitt bei 2,08 Euro, Super E5 bei 2,14 Euro — rund 6 Cent Unterschied. Details und Abwägung im Ratgeber: E10 oder E5?
  • Verlässlich günstige Stationen finden: Wer regelmäßig vergleicht statt einer Marktnachricht hinterherzulaufen, profitiert am meisten vom Rocket-and-Feather-Muster — nicht jede Station senkt im selben Tempo.

Aktuelle Spritpreise in Deutschland ansehen →

Quellen

Diese Einordnung fasst vier ausführliche SpritFuchs-Analysen zusammen:

Externe Quellen dieser Analysen:

Aktuelle Durchschnittspreise findest du täglich aktualisiert auf unserer Preisübersicht.

Häufige Fragen zur Spritpreis-Zusammensetzung

Rund 64 Prozent des Benzinpreises sind Steuern und Abgaben, bei Diesel sind es etwa 56 Prozent. Den größten Einzelposten macht die Energiesteuer aus: 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel — ein fester Betrag, unabhängig vom Weltmarkt. Dazu kommen CO2-Abgabe und 19 Prozent Mehrwertsteuer, die auch auf die anderen Steuern erhoben wird. Quelle: SpritFuchs-Analyse zur Benzinpreis-Zusammensetzung (Stand 13. April 2026, aktualisiert 3. Juli 2026).