LPG, CNG und HVO 100: Lohnen sich alternative Kraftstoffe 2026 wirklich?
LPG kostet rund 1,10 Euro pro Liter, CNG verschwindet, HVO 100 ist Klimadiesel mit Aufschlag. Wer von Autogas, Erdgas oder synthetischem Diesel profitiert — und wer besser bei Benzin oder Diesel bleibt.
Inhaltsverzeichnis
Was steckt hinter LPG, CNG und HVO 100?
Wer an einer modernen Großtankstelle vor der Preistafel steht, entdeckt neben Super E10 und Diesel oft drei weitere Kürzel: LPG, CNG und seit Mai 2024 auch HVO 100. Alle drei sind Alternativen zum klassischen Verbrennerkraftstoff, unterscheiden sich aber massiv in Herkunft, Preis und Verfügbarkeit. Wer wissen will, ob sich eine Umrüstung oder gar ein passender Neuwagen lohnt, sollte vor dem ersten Tankversuch wissen, womit man es zu tun hat.
LPG steht für Liquefied Petroleum Gas und ist im Deutschen meist als Autogas oder Flüssiggas bekannt. Es handelt sich um ein Gemisch aus Propan und Butan, das unter geringem Druck flüssig bleibt und als Nebenprodukt bei der Erdölraffination und Erdgasförderung anfällt. CNG hingegen ist Compressed Natural Gas, also auf rund 200 bar verdichtetes Erdgas — chemisch im Wesentlichen Methan. Während LPG bei moderaten Drücken in einem normalen Tank lagert, braucht CNG einen speziellen Hochdruckbehälter.
HVO 100 ist das jüngste Mitglied der Familie. Die drei Buchstaben stehen für Hydrotreated Vegetable Oil — synthetischer Diesel, der aus Pflanzenölen, Altspeisefett oder anderen Reststoffen erzeugt wird. Der entscheidende Punkt: HVO 100 enthält kein fossiles Erdöl. Wie sich das auf den Preis pro Liter auswirkt und wie HVO 100 mit der klassischen Zusammensetzung des Benzinpreises zusammenhängt, lässt sich am besten im direkten Vergleich zeigen.
Aktueller Preisvergleich an der Zapfsäule
Die nackten Zahlen pro Liter sind nur die halbe Wahrheit, denn jeder Kraftstoff hat einen anderen Energiegehalt. LPG enthält pro Liter rund 25 Prozent weniger Energie als Benzin, weshalb der Verbrauch eines auf Autogas umgerüsteten Pkw etwa 10 bis 15 Prozent höher liegt. Bei CNG rechnet man üblicherweise in Kilogramm, weil das Gas in Druckbehältern statt in Litern verkauft wird. HVO 100 wiederum ist mit normalem Diesel weitgehend identisch, der Liter zählt also direkt zum Verbrauch.
| Kraftstoff | Preis (Frühjahr 2026) | Verbrauch (Beispiel-Pkw) | Kraftstoffkosten je 100 km |
|---|---|---|---|
| Super E10 | ca. 1,75 €/l | 7,0 l/100 km | rund 12,25 € |
| Diesel (B7) | ca. 1,60 €/l | 5,5 l/100 km | rund 8,80 € |
| LPG (Autogas) | ca. 1,10 €/l | 8,0 l/100 km | rund 8,80 € |
| CNG (Erdgas H-Gas) | ca. 1,52 €/kg | 4,5 kg/100 km | rund 6,85 € |
| HVO 100 | ca. 2,18 €/l | 5,5 l/100 km | rund 12,00 € |
Wer ein Gefühl dafür bekommen will, wie weit die Standardpreise je nach Region und Wochentag auseinanderliegen, kann sich die aktuellen Spritpreise in Deutschland anschauen. In Bayern und Baden-Württemberg ist die Dichte an LPG-Stationen besonders hoch, in Ostdeutschland fällt das Netz dagegen ausgedünnter aus.
LPG: Die etablierte Alternative mit dichtem Netz
Autogas ist in Deutschland seit den frühen 2000er-Jahren ein Begriff und hat sich bis heute als praktischste Alternative durchgesetzt. Rund 7.100 Tankstellen — also etwa jede zweite Station bundesweit — bieten LPG an, der ADAC zählt etwa 332.000 zugelassene LPG-Fahrzeuge auf deutschen Straßen. Die meisten davon sind nachträglich umgerüstete Benziner, denn als einzige große Marke verkauft Dacia noch LPG-Neuwagen direkt ab Werk. Modelle wie der Dacia Duster Eco-G oder der Sandero Eco-G fahren bivalent — also wahlweise mit Benzin oder Autogas — und kommen so auf Gesamtreichweiten von über 1.500 Kilometern.
Eine Umrüstung kostet je nach Fahrzeug 1.800 bis 3.500 Euro. Bei einem Vielfahrer mit 25.000 bis 30.000 Kilometern pro Jahr amortisiert sich diese Investition nach zwei bis drei Jahren. Der ADAC hat in einem Kostenvergleich gerechnet: Ein LPG-Duster kostet bei 30.000 Kilometern Jahresfahrleistung inklusive Steuer, Versicherung, Wertverlust und Wartung rund 28,7 Cent pro Kilometer, ein vergleichbarer Benziner schlägt mit 31,2 Cent zu Buche. Der Vorteil ist real, aber nicht riesig — und er hängt stark davon ab, dass der LPG-Preis nicht weiter Richtung Benzin klettert.
Ein wichtiger Punkt für Umrüstinteressenten: Die Steuerbegünstigung für LPG ist bereits Ende 2022 ausgelaufen. Seitdem zahlt man auf jeden Liter Autogas die volle Energiesteuer, was den Preisabstand zum Benzin gegenüber den Vorjahren etwas verringert hat. Dennoch bleibt LPG deutlich günstiger, weil der Rohstoff selbst preiswerter ist als Mineralöl. Wer mit einer Umrüstung liebäugelt, sollte die laufenden Preise im eigenen Umfeld einige Wochen beobachten und ehrlich rechnen — bei der typischen Pendlerstrecke von 15.000 Kilometern im Jahr ist die Ersparnis spürbar, aber nicht mehr lebensverändernd.
CNG: Günstig, aber auf dem Abstellgleis
Erdgas-Autos waren in den 2010er-Jahren der Hoffnungsträger der Industrie. VW, Audi, Seat und Skoda boten CNG-Modelle an, der Tankstellenausbau lief mit Förderung durch Energieversorger und Stadtwerke. Heute ist von dieser Aufbruchstimmung wenig übrig. Bundesweit gibt es nur noch zwischen 650 und 800 CNG-Stationen, von einst über 1.000 — Tendenz weiter fallend. Der ADAC hat 2025 ausdrücklich gewarnt, dass das Erdgasangebot an deutschen Tankstellen schrumpft und Bestandsfahrer zunehmend Schwierigkeiten haben werden, eine Station entlang ihrer Route zu finden.
Die Ursache ist ein Teufelskreis: Hersteller wie VW haben ihre CNG-Modelle aus dem Programm genommen, die Neuzulassungen sind eingebrochen, und ohne neue Fahrzeuge investiert kaum noch ein Betreiber in den Erhalt einer CNG-Säule. Eine Erdgaszapfsäule ist technisch aufwändig — Hochdruckkompressoren, separater Erdgasanschluss, regelmäßige Wartung — und rechnet sich nur bei ausreichendem Durchsatz. Sobald die Fahrzeuge fehlen, bauen die ersten Stationen die Säulen ab. Das schreckt verbliebene Kunden weiter ab.
Wer einen funktionierenden CNG-Wagen besitzt, fährt allerdings nach wie vor mit dem günstigsten Energiepreis pro Kilometer in Deutschland. Die Energiesteuer auf Erdgas als Kraftstoff ist bis Ende 2026 reduziert, danach wird sie schrittweise auf das volle Niveau angehoben. Auch danach bleibt CNG energetisch günstiger als Benzin, der Tankstellenmangel wiegt aber schwerer als der Preisvorteil an der Zapfsäule. Ein Neukauf eines reinen CNG-Fahrzeugs ist 2026 kaum noch zu empfehlen — als gebrauchtes Zweitfahrzeug für kurze Strecken in Regionen mit verlässlichem Tankstellennetz kann es jedoch noch sinnvoll sein.
HVO 100: Klimadiesel mit Preisaufschlag
HVO 100 ist die jüngste Alternative an deutschen Zapfsäulen. Seit Ende Mai 2024 darf der Kraftstoff als eigenständiges Produkt verkauft werden, vorher war eine Beimischung zu B7-Diesel nur in geringen Mengen erlaubt. Hergestellt wird HVO aus Altspeisefetten, tierischen Fetten oder Pflanzenölen, die im Hydriertverfahren in einen dem Diesel sehr ähnlichen Kraftstoff umgewandelt werden. Das Ergebnis ist nach EU-Norm EN 15940 zertifiziert, frei von fossilen Bestandteilen und spart laut Verbraucherzentrale rund 90 Prozent Treibhausgase gegenüber konventionellem Diesel ein.
Praktisch nutzbar ist HVO 100 nur für Fahrzeuge mit Herstellerfreigabe. Die meisten modernen Diesel der Abgasnorm Euro 6 sind freigegeben, ältere Direkteinspritzer und Motoren mit empfindlichem Einspritzsystem nicht zwingend. Verbindlich ist der Eintrag in der Bedienungsanleitung oder auf dem Aufkleber im Tankdeckel — wer das ignoriert, riskiert nicht nur Garantieverlust, sondern in Einzelfällen auch teure Schäden an Einspritzpumpe und Düsen. Wer einen Wagen mit Freigabe besitzt, kann zwischen HVO 100 und B7-Diesel beliebig wechseln und sogar mischen, die beiden Kraftstoffe sind chemisch eng verwandt.
Der Knackpunkt ist der Preis. Im März 2026 lag HVO 100 im bundesweiten Durchschnitt bei 2,18 Euro pro Liter, vereinzelt wurden bis zu 2,25 Euro aufgerufen. Damit kostete der Klimadiesel mehrere Cent mehr als normaler Diesel, obwohl die CO2-Abgabe — im Jahr 2026 rund 21 Cent pro Liter B7-Diesel — bei HVO 100 vollständig entfällt. Die Erklärung liefert Finanztip: Die Produktion aus Pflanzenölen und Reststoffen ist deutlich teurer als das Raffinieren von fossilem Erdöl, hinzu kommen begrenzte Mengen verfügbarer Rohstoffe und eine wachsende Nachfrage aus dem Schwerlastverkehr. Solange diese Engpässe bestehen, wird HVO 100 nur als Premium-Klimaprodukt am Markt zu finden sein, nicht als günstige Alternative zum Diesel.
Fazit: Für wen lohnt sich welcher alternative Kraftstoff?
Die nüchterne Antwort lautet: LPG für Vielfahrer, CNG nur für Bestandshalter, HVO 100 für Klimabewusste mit gutem Einkommen. Wer 25.000 Kilometer im Jahr oder mehr fährt und keinen Diesel-Pendler mit niedrigem Verbrauch hat, kann durch eine LPG-Umrüstung oder einen Dacia Eco-G über die Jahre mehrere tausend Euro sparen. Wer auf der Suche nach einem Neuwagen ist und CNG erwägt, sollte vorher den verfügbaren Tankstellenkorridor entlang der eigenen Hauptstrecken prüfen — und sich bewusst sein, dass weitere Stationen verschwinden werden.
HVO 100 ist 2026 vor allem eine Frage der Haltung. Wer für die deutlich bessere CO2-Bilanz freiwillig fünf bis zehn Cent pro Liter mehr zahlt, leistet einen Beitrag zur Verkehrswende. Eine wirtschaftliche Entscheidung ist es nicht. Ähnlich wie bei der Wahl zwischen Diesel und Benziner hängt die Rechnung am Ende stärker an Fahrleistung, Fahrzeugmodell und individuellem Anspruch als an einer pauschalen Empfehlung.
Ein Punkt gilt für alle drei Alternativen gleichermaßen: Bevor man umrüstet, einen Neuwagen kauft oder grundsätzlich auf einen neuen Kraftstoff umstellt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den eigenen Verbrauch und die regionale Tankstellenlage. Vergleichen Sie zuerst die Spritpreise in Ihrer Stadt und prüfen Sie, ob die nächste LPG-, CNG- oder HVO-Station auf Ihrer Pendelroute liegt — sonst verpufft jeder rechnerische Vorteil schnell in zusätzlichen Umwegen.
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Diesel oder Benziner: Was lohnt sich 2026 noch?
Der Diesel-Bonus ist 2026 weitgehend Geschichte. Bei 15.000 km/Jahr spart der Diesel nur rund 300 € Sprit — bei höherer Kfz-Steuer, teurerer Versicherung und Reparaturrisiken im DPF/AGR-Bereich (schnell 1.500–2.000 €) rechnet er sich erst ab ~25.000 km Langstrecke pro Jahr. Für alle anderen ist der Benziner die bessere Wahl.
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So setzt sich der Benzinpreis zusammen: Steuern, Rohöl und Marge
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