V-Power, Ultimate, Excellium: Lohnt sich Premium-Kraftstoff wirklich?
Premium-Kraftstoff wie Aral Ultimate oder Shell V-Power kostet 10 bis 30 Cent mehr pro Liter. ADAC-Tests zeigen: Für die meisten Motoren rechnet sich der Aufpreis nicht.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Premium-Kraftstoff überhaupt?
Premium-Kraftstoff ist der Sammelbegriff für die teureren Spritsorten der großen Mineralölkonzerne — Shell V-Power, Aral Ultimate, Total Excellium oder Esso Synergy Supreme. Sie alle versprechen mehr Leistung, weniger Verbrauch und einen sauberen Motor. Was tatsächlich anders ist, lässt sich auf zwei Punkte zusammenfassen: eine höhere Klopffestigkeit und ein zusätzliches Additivpaket. Mehr nicht.
Beim Benzin liegt die Research-Oktanzahl bei den Premium-Sorten meist bei 100 (Shell V-Power Racing) oder sogar 102 (Aral Ultimate 102). Zum Vergleich: Super hat 95 Oktan, Super Plus 98. Auch der Unterschied zwischen E10 und E5 ist beim Premium-Sprit ein Thema, weil Aral Ultimate 102 zum Beispiel ganz ohne Bio-Ethanol auskommt und stattdessen einen hochwertigen Bio-Ether als Klopfbremse einsetzt.
Beim Diesel ist die wichtigste Kennzahl die Cetanzahl. Sie beschreibt, wie zündwillig der Kraftstoff ist. Normaler Diesel liegt zwischen 51 und 54, Aral Ultimate Diesel und Shell V-Power Diesel kommen auf rund 60. Dazu kommen Reinigungs- und Schmieradditive, die laut Hersteller Ablagerungen an Einspritzdüsen, Ventilen und Kolbenringen lösen sollen.
Wichtig zu wissen: Auch normaler Sprit ist kein Billigprodukt. Jeder Liter Super E10 oder Diesel an einer deutschen Tankstelle erfüllt die Mindeststandards der DIN EN 228 (Benzin) bzw. DIN EN 590 (Diesel). Die Konzerne müssen also ohnehin eine Grundmenge an Additiven beimischen — das, was den Premium-Sprit ausmacht, sind die zusätzlichen Reserven obendrauf.
Aufpreis: Was kosten V-Power, Ultimate und Co. wirklich?
Der Mehrpreis ist der zentrale Punkt der Rechnung. Auf den meisten Preistafeln in Deutschland steht Premium-Sprit ganz oben, und der Abstand zum Super E10 ist deutlich. Üblich sind 10 bis 20 Cent pro Liter, an Autobahn- und Premium-Stationen können es auch 25 bis 30 Cent werden. Aral Ultimate 102 ist regelmäßig der teuerste Kraftstoff überhaupt an deutschen Zapfsäulen.
Wer ein Auto mit 7 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer fährt, zahlt bei 15 Cent Aufpreis pro Liter rund 1,05 Euro mehr je 100 Kilometer. Auf 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung sind das 157 Euro extra — ohne dass man dafür automatisch eine Gegenleistung bekommt. Bei Vielfahrern mit 30.000 Kilometern pro Jahr summiert sich der Aufpreis schnell auf über 300 Euro.
| Kraftstoff | Oktan-/Cetanzahl | Typischer Aufpreis je Liter | Mehrkosten/Jahr (15.000 km, 7 L) |
|---|---|---|---|
| Super E10 | 95 ROZ | Referenz | — |
| Super E5 | 95 ROZ | + 4–6 Cent | + 42–63 € |
| Super Plus | 98 ROZ | + 8–12 Cent | + 84–126 € |
| Shell V-Power Racing | 100 ROZ | + 15–20 Cent | + 158–210 € |
| Aral Ultimate 102 | 102 ROZ | + 20–30 Cent | + 210–315 € |
| Diesel | 51–54 CZ | Referenz | — |
| Aral Ultimate Diesel | ~60 CZ | + 10–15 Cent | + 105–158 € |
Was sagen ADAC und unabhängige Tests?
Wer wissen will, ob sich der Aufpreis lohnt, kommt am ADAC nicht vorbei. Der Automobilclub hat über Jahre hinweg sowohl Premium-Benzine als auch Premium-Diesel auf Prüfständen und in Langzeittests untersucht. Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Bei Shell V-Power mit 100 Oktan messen die Tester eine maximale Leistungssteigerung von 1,7 Prozent. Bei Premium-Diesel liegt der Zugewinn zwischen 1,6 und 4,5 Prozent, der Verbrauch sinkt um maximal sechs Prozent.
Übersetzt heißt das: Aus 100 PS werden bestenfalls 102. Wer das beim normalen Pendeln zur Arbeit oder im Stadtverkehr spüren möchte, dürfte enttäuscht werden. Die Werte liegen deutlich innerhalb der natürlichen Streuung zwischen zwei Tankfüllungen — Außentemperatur, Reifendruck oder Fahrstil haben einen größeren Einfluss als der Wechsel der Spritsorte.
Auch andere Tests bestätigen das Bild. Auto Zeitung und Carwiki haben Aral Ultimate Diesel und Shell V-Power Diesel über jeweils 5.000 Kilometer in einem Audi A4 3.0 TDI und einem VW Polo 1.4 TDI getestet. Bei Shell V-Power Diesel war im Labor weder eine messbare Mehrleistung noch eine bessere Reichweite nachweisbar. Aral Ultimate Diesel könnte sich laut Tester langfristig im stärkeren Audi-Motor lohnen, im kleinen Polo-Motor war jedoch von einer dauerhaften Nutzung abzuraten.
Der Grund für die ernüchternden Werte ist einfach: Die meisten Pkw-Motoren sind elektronisch nur für 95 oder 98 Oktan ausgelegt. Selbst wenn man 102-Oktan-Sprit einfüllt, kann das Steuergerät die zusätzliche Klopffestigkeit nicht in mehr Leistung umrechnen. Sie verpufft schlicht ungenutzt. Wer den Effekt verstärken will, kommt um eine Optimierung des Motormanagements oder einen ohnehin auf hohe Oktanzahlen ausgelegten Sportwagen nicht herum.
Reinigungsadditive: Marketing oder echter Nutzen?
Das zweite Verkaufsargument der Konzerne sind die Reinigungsadditive. Sie sollen Ablagerungen an Einspritzdüsen, Einlassventilen und im Brennraum lösen und so die Effizienz erhalten. Im Prinzip stimmt das auch — aber der Effekt hängt stark vom Zustand des Motors ab.
In modernen, gut gewarteten Motoren mit ohnehin sauberem Brennraum ist der messbare Nutzen klein. Die Verbrennungsräume sind sauber, die Düsen frei, und die im Standard-Sprit enthaltenen Mindest-Additive reichen aus, um diesen Zustand zu erhalten. Wer regelmäßig zur Inspektion fährt und das Auto bewegt, braucht den Premium-Sprit nicht zur Reinigung.
Anders sieht es bei älteren Direkteinspritzern aus, vor allem bei Diesel-Motoren mit hoher Laufleistung. Hier können sich über die Jahre Verkokungen an Einlassventilen und Injektoren bilden, die Leistung kosten und den Verbrauch steigen lassen. Eine Tankfüllung Premium-Diesel alle paar Monate kann hier tatsächlich helfen — günstiger als eine professionelle Motorspülung in der Werkstatt ist sie allemal. Wer die Spritkosten insgesamt im Griff behalten will, findet in den Tipps zum Sprit sparen deutlich wirksamere Hebel als den Wechsel der Kraftstoffsorte.
Übrigens: Auch viele freie Tankstellen mischen Additive bei oder beziehen Sprit aus denselben Raffinerien wie die Markenhändler. Der Glaube, freier Sprit sei pauschal schlechter, ist ein Mythos.
Wann lohnt sich Premium-Sprit wirklich?
Es gibt drei Fälle, in denen man ohne schlechtes Gewissen zur teuren Sorte greifen kann. Erstens, wenn der Hersteller im Tankdeckel oder in der Bedienungsanleitung mindestens 98, 100 oder gar 102 Oktan vorschreibt. Diese Vorgabe ist verbindlich. Wer dauerhaft 95-Oktan-Sprit in einen für 98 ausgelegten Motor füllt, riskiert Klopfschäden an Kolben und Zylindern — und damit Reparaturkosten, die jeden Spritpreisaufschlag um Größenordnungen übersteigen.
Zweitens, bei echten Sport- und Hochleistungsmotoren mit hoher Verdichtung. AMG-Modelle, M-Modelle von BMW, Porsche-Sportwagen oder ähnliche Fahrzeuge haben ein Motormanagement, das die Klopfgrenze aktiv ausnutzt. Hier lassen sich tatsächlich ein paar zusätzliche PS und ein etwas niedrigerer Verbrauch herausholen. Der finanzielle Effekt ist trotzdem überschaubar — wer einen Sportwagen fährt, kalkuliert den Mehrpreis aber sowieso anders.
Drittens, als gelegentliche Tankfüllung bei älteren Dieselmotoren. Eine Tankladung Aral Ultimate Diesel oder Shell V-Power Diesel alle paar Monate kann verkokte Einspritzdüsen und Ventile freibrennen helfen. Das ist kein Wundermittel, aber eine günstige Vorbeugung gegen Leistungsverlust und teure Werkstattbesuche. Pendler und Vielfahrer mit Diesel-Pkw über 150.000 Kilometer Laufleistung profitieren davon am ehesten.
Wer keine dieser Bedingungen erfüllt, fährt mit Super E10 oder normalem Diesel genauso gut — und investiert die ersparten 150 bis 300 Euro pro Jahr besser in regelmäßigen Reifenwechsel, Filtertausch oder eine Inspektion. In den Großstädten zeigen die Preisdaten täglich, dass die Spannweite zwischen der günstigsten und der teuersten Standard-Tankstelle in einer Stadt oft größer ist als der Aufpreis für Premium-Sprit. Wer früh am Morgen oder spät am Abend tankt und eine günstige freie Station ansteuert, spart pro Tankfüllung schnell mehr Geld als jeder Premium-Wechsel je liefern könnte.
Ein letzter Punkt zur Beruhigung: Premium-Sprit schadet einem normalen Motor nicht. Wer aus Versehen Aral Ultimate 102 statt Super E10 in den Familien-Kombi füllt, muss keine Folgen befürchten. Der Motor läuft einfach mit höherer Klopfreserve, ohne diese auszunutzen. Auch das Mischen verschiedener Oktanzahlen im selben Tank ist unkritisch — die Kraftstoffe sind alle vollständig miteinander kompatibel und folgen denselben europäischen Normen.
Fazit: Für die meisten reicht Super E10
Premium-Kraftstoff ist kein schlechtes Produkt. Aral Ultimate, Shell V-Power und die anderen Sorten halten technisch, was sie versprechen — sie sind klopffester, enthalten mehr Reinigungsadditive und entsprechen höheren Qualitätsstandards. Aber: Diese Vorteile zahlen sich nur dann aus, wenn der Motor sie auch nutzen kann. Bei einem normalen Mittelklassewagen, der für Super E10 freigegeben ist, bleibt der Aufpreis von 10 bis 30 Cent pro Liter ohne messbaren Gegenwert.
Statt mehr Geld für teureren Sprit auszugeben, lohnt sich der Blick auf den Tankzeitpunkt, die Tankstellenwahl und den eigenen Fahrstil deutlich mehr. Vergleichen Sie vor jeder Tankfüllung die Spritpreise in Ihrer Nähe und sparen Sie sich den Premium-Aufschlag, wenn Ihr Fahrzeughersteller ihn nicht ausdrücklich verlangt.
Häufig gestellte Fragen
Weiterlesen bei SpritFuchs
Ratgeber
E10 vs E5: Was ist der Unterschied und was tanke ich?
E10 kostet rund 2,7 % weniger als E5 bei 1–2 % höherem Verbrauch — netto sparen moderne Autos pro Tankfüllung etwa 1 Euro. Vor dem Umstieg sollte jeder Fahrer die E10-Freigabe seines Fahrzeugs bei der Herstellerliste oder auf dat.de prüfen.
Ratgeber
So setzt sich der Benzinpreis zusammen: Steuern, Rohöl und Marge
Rund 64 % des Benzinpreises sind Steuern und Abgaben: 65,45 Cent Energiesteuer, 7–8 Cent CO2-Abgabe, plus 19 % Mehrwertsteuer (auch auf die anderen Abgaben). Die Marge der Tankstellen liegt nur bei 5–12 Cent pro Liter — die meisten Preisschwankungen stammen also nicht von den Pächtern.
Ratgeber
Sprit sparen im Alltag: 10 Tipps, die wirklich Geld bringen
Der durchschnittliche Pkw in Deutschland verbraucht 7,4 Liter auf 100 Kilometer. Mit vorausschauender Fahrweise, korrektem Reifendruck und sparsamem Klimaanlagen-Einsatz lässt sich der Verbrauch um zehn bis fünfzehn Prozent senken — ohne neues Auto, ohne neue Technik. Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung spart das je nach Spritpreis zwischen 200 und 350 Euro pro Jahr.
Analyse
Diesel oder Benziner: Was lohnt sich 2026 noch?
Der Diesel-Bonus ist 2026 weitgehend Geschichte. Bei 15.000 km/Jahr spart der Diesel nur rund 300 € Sprit — bei höherer Kfz-Steuer, teurerer Versicherung und Reparaturrisiken im DPF/AGR-Bereich (schnell 1.500–2.000 €) rechnet er sich erst ab ~25.000 km Langstrecke pro Jahr. Für alle anderen ist der Benziner die bessere Wahl.