Premium-Kraftstoff: Lohnen sich V-Power, Ultimate und Co.?
Premium-Kraftstoff wie Aral Ultimate oder Shell V-Power kostet 10 bis 30 Cent mehr pro Liter. Laut ADAC-Tests rechnet sich der Aufpreis meist nicht.
Überarbeitung vom 17. September 2026: Nicht im Quellenverzeichnis geführte Testquelle gestrichen und unbelegte Zuspitzungen zu Preis und Laufleistung entschärft.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Premium-Kraftstoff überhaupt?
Premium-Kraftstoff ist der Sammelbegriff für die teureren Spritsorten der großen Mineralölkonzerne: Shell V-Power, Aral Ultimate, TotalEnergies Excellium oder Esso Synergy Supreme. Sie alle versprechen mehr Leistung, weniger Verbrauch und einen sauberen Motor. Was tatsächlich anders ist, lässt sich auf zwei Punkte zusammenfassen: eine höhere Klopffestigkeit und ein zusätzliches Additivpaket. Mehr nicht.
Beim Benzin liegt die Research-Oktanzahl bei den Premium-Sorten meist bei 100 (Shell V-Power Racing) oder sogar 102 (Aral Ultimate 102). Zum Vergleich: Super hat 95 Oktan, Super Plus 98. Auch der Unterschied zwischen E10 und E5 ist beim Premium-Sprit ein Thema, weil Aral Ultimate 102 zum Beispiel ganz ohne Bio-Ethanol auskommt und stattdessen einen hochwertigen Bio-Ether als Klopfbremse einsetzt.
Beim Diesel ist die wichtigste Kennzahl die Cetanzahl. Sie beschreibt, wie zündwillig der Kraftstoff ist. Normaler Diesel liegt zwischen 51 und 54, Aral Ultimate Diesel und Shell V-Power Diesel kommen auf rund 60. Dazu kommen Reinigungs- und Schmieradditive, die laut Hersteller Ablagerungen an Einspritzdüsen, Ventilen und Kolbenringen lösen sollen.
Wichtig zu wissen: Auch normaler Sprit ist kein Billigprodukt. Jeder Liter Super E10 oder Diesel an einer deutschen Tankstelle erfüllt die Mindeststandards der DIN EN 228 (Benzin) bzw. DIN EN 590 (Diesel). Die Konzerne müssen also ohnehin eine Grundmenge an Additiven beimischen. Was den Premium-Sprit ausmacht, sind die zusätzlichen Reserven obendrauf.
Aufpreis: Was kosten V-Power, Ultimate und Co. wirklich?
Der Mehrpreis ist der zentrale Punkt der Rechnung. Auf den meisten Preistafeln in Deutschland steht Premium-Sprit ganz oben, und der Abstand zum Super E10 ist deutlich. Üblich sind 10 bis 20 Cent pro Liter, an Autobahn- und Premium-Stationen können es auch 25 bis 30 Cent werden. Aral Ultimate 102 gehört regelmäßig zu den teuersten Kraftstoffen an deutschen Zapfsäulen.
Bei einem Auto mit 7 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer kosten 15 Cent Aufpreis pro Liter rund 1,05 € mehr je 100 Kilometer. Auf 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung sind das 157 € extra, ohne dass man dafür automatisch eine Gegenleistung bekommt. Bei Vielfahrern mit 30.000 Kilometern pro Jahr summiert sich der Aufpreis schnell auf über 300 €.
| Kraftstoff | Oktan-/Cetanzahl | Typischer Aufpreis je Liter | Mehrkosten/Jahr (15.000 km, 7 L) |
|---|---|---|---|
| Super E10 | 95 ROZ | Referenz | – |
| Super E5 | 95 ROZ | + 4–6 Cent | + 42–63 € |
| Super Plus | 98 ROZ | + 8–12 Cent | + 84–126 € |
| Shell V-Power Racing | 100 ROZ | + 15–20 Cent | + 158–210 € |
| Aral Ultimate 102 | 102 ROZ | + 20–30 Cent | + 210–315 € |
| Diesel | 51–54 CZ | Referenz | – |
| Aral Ultimate Diesel | ~60 CZ | + 10–15 Cent | + 105–158 € |
Die Spanne erklärt sich auch durch regionale Unterschiede. In Ballungsräumen mit vielen freien Tankstellen ist der Preisdruck größer, in ländlichen Gegenden mit wenig Wettbewerb ist er geringer. Vor dem regelmäßigen Premium-Tanken empfiehlt es sich, den Aufpreis vor Ort ein paar Tage lang im Auge zu behalten: Die SpritFuchs-Daten zeigen die aktuellen Spritpreise für jede Sorte und Region.
Was sagen ADAC und unabhängige Tests?
Bei der Frage, ob sich der Aufpreis lohnt, führt am ADAC kein Weg vorbei. Der Automobilclub hat über Jahre hinweg sowohl Premium-Benzine als auch Premium-Diesel auf Prüfständen und in Langzeittests untersucht. Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Bei Shell V-Power mit 100 Oktan messen die Tester eine maximale Leistungssteigerung von 1,7 Prozent. Bei Premium-Diesel liegt der Zugewinn zwischen 1,6 und 4,5 Prozent, der Verbrauch sinkt um maximal sechs Prozent.
Übersetzt heißt das: Aus 100 PS werden bestenfalls 102. Die Hoffnung, das beim normalen Pendeln zur Arbeit oder im Stadtverkehr zu spüren, dürfte enttäuscht werden. Die Werte liegen deutlich innerhalb der natürlichen Streuung zwischen zwei Tankfüllungen: Außentemperatur, Reifendruck oder Fahrstil haben einen größeren Einfluss als der Wechsel der Spritsorte.
Auch ein weiterer Test bestätigt das Bild. Laut Auto Zeitung wurden Aral Ultimate Diesel und Shell V-Power Diesel über jeweils 5.000 Kilometer in einem Audi A4 3.0 TDI und einem VW Polo 1.4 TDI getestet. Bei Shell V-Power Diesel war im Labor weder eine messbare Mehrleistung noch eine bessere Reichweite nachweisbar. Aral Ultimate Diesel könnte sich laut Tester langfristig im stärkeren Audi-Motor lohnen, im kleinen Polo-Motor war jedoch von einer dauerhaften Nutzung abzuraten.
Der Grund für die ernüchternden Werte ist einfach: Die meisten Pkw-Motoren sind elektronisch nur für 95 oder 98 Oktan ausgelegt. Selbst wenn man 102-Oktan-Sprit einfüllt, kann das Steuergerät die zusätzliche Klopffestigkeit nicht in mehr Leistung umrechnen. Sie verpufft schlicht ungenutzt. Den Effekt verstärken kann nur eine Optimierung des Motormanagements oder ein ohnehin auf hohe Oktanzahlen ausgelegter Sportwagen.
Reinigungsadditive: Marketing oder echter Nutzen?
Das zweite Verkaufsargument der Konzerne sind die Reinigungsadditive. Sie sollen Ablagerungen an Einspritzdüsen, Einlassventilen und im Brennraum lösen und so die Effizienz erhalten. Im Prinzip stimmt das auch, aber der Effekt hängt stark vom Zustand des Motors ab.
In modernen, gut gewarteten Motoren mit ohnehin sauberem Brennraum ist der messbare Nutzen klein. Die Verbrennungsräume sind sauber, die Düsen frei, und die im Standard-Sprit enthaltenen Mindest-Additive reichen aus, um diesen Zustand zu erhalten. Bei regelmäßiger Inspektion und einem Auto, das bewegt wird, braucht es den Premium-Sprit nicht zur Reinigung.
Anders sieht es bei älteren Direkteinspritzern aus, vor allem bei Diesel-Motoren mit hoher Laufleistung. Hier können sich über die Jahre Verkokungen an Einlassventilen und Injektoren bilden, die Leistung kosten und den Verbrauch steigen lassen. Eine Tankfüllung Premium-Diesel alle paar Monate kann hier helfen – günstiger als eine professionelle Motorspülung in der Werkstatt ist sie allemal. Um die Spritkosten insgesamt im Griff zu behalten, bieten die Tipps zum Sprit sparen deutlich wirksamere Hebel als den Wechsel der Kraftstoffsorte.
Übrigens: Auch viele freie Tankstellen mischen Additive bei oder beziehen Sprit aus denselben Raffinerien wie die Markenhändler. Der Glaube, freier Sprit sei pauschal schlechter, ist ein Mythos.
Wann lohnt sich Premium-Sprit wirklich?
Es gibt drei Fälle, in denen man ohne schlechtes Gewissen zur teuren Sorte greifen kann. Der erste: Der Hersteller schreibt im Tankdeckel oder in der Bedienungsanleitung mindestens 98, 100 oder gar 102 Oktan vor. Diese Vorgabe ist verbindlich. Wer dauerhaft 95-Oktan-Sprit in einen für 98 ausgelegten Motor füllt, riskiert Klopfschäden an Kolben und Zylindern – und damit Reparaturkosten, die jeden Spritpreisaufschlag um Größenordnungen übersteigen.
Der zweite Fall sind echte Sport- und Hochleistungsmotoren mit hoher Verdichtung. AMG-Modelle, M-Modelle von BMW, Porsche-Sportwagen oder ähnliche Fahrzeuge haben ein Motormanagement, das die Klopfgrenze aktiv ausnutzt. Hier lassen sich tatsächlich ein paar zusätzliche PS und ein etwas niedrigerer Verbrauch herausholen. Der finanzielle Effekt ist trotzdem überschaubar – wer einen Sportwagen fährt, kalkuliert den Mehrpreis aber sowieso anders.
Sinnvoll ist Premium außerdem als gelegentliche Tankfüllung bei älteren Dieselmotoren. Eine Tankladung Aral Ultimate Diesel oder Shell V-Power Diesel alle paar Monate kann verkokte Einspritzdüsen und Ventile freibrennen helfen. Das ist kein Wundermittel, aber eine günstige Vorbeugung gegen Leistungsverlust und teure Werkstattbesuche. Am ehesten profitieren davon Diesel-Pkw mit hoher Laufleistung.
Wer keine dieser Bedingungen erfüllt, fährt mit Super E10 oder normalem Diesel genauso gut – und investiert die ersparten 150 bis 300 € pro Jahr besser in regelmäßigen Reifenwechsel, Filtertausch oder eine Inspektion. In den Großstädten zeigen die Preisdaten täglich, dass die Spannweite zwischen der günstigsten und der teuersten Standard-Tankstelle in einer Stadt oft größer ist als der Aufpreis für Premium-Sprit. Ein Tankstopp am späten Vormittag kurz vor 12 Uhr (seit der 12-Uhr-Regel der günstigste Zeitpunkt des Tages, siehe Ratgeber: Wann ist Tanken am günstigsten?) an einer günstigen freien Station spart pro Tankfüllung schnell mehr Geld, als jeder Premium-Wechsel je liefern könnte.
Ein letzter Punkt zur Beruhigung: Premium-Sprit schadet einem normalen Motor nicht. Landet aus Versehen Aral Ultimate 102 statt Super E10 im Familien-Kombi, sind keine Folgen zu befürchten. Der Motor läuft einfach mit höherer Klopfreserve, ohne diese auszunutzen. Auch das Mischen verschiedener Oktanzahlen im selben Tank ist unkritisch – die Kraftstoffe sind alle vollständig miteinander kompatibel und folgen denselben europäischen Normen.
Fazit: Für die meisten reicht Super E10
Premium-Kraftstoff ist kein schlechtes Produkt. Aral Ultimate, Shell V-Power und die anderen Sorten halten technisch, was sie versprechen – sie sind klopffester, enthalten mehr Reinigungsadditive und entsprechen höheren Qualitätsstandards. Aber: Diese Vorteile zahlen sich nur dann aus, wenn der Motor sie auch nutzen kann. Bei einem normalen Mittelklassewagen, der für Super E10 freigegeben ist, bleibt der Aufpreis von 10 bis 30 Cent pro Liter ohne messbaren Gegenwert.
Statt mehr Geld für teureren Sprit auszugeben, lohnt sich der Blick auf den Tankzeitpunkt, die Tankstellenwahl und den eigenen Fahrstil deutlich mehr. Vergleichen Sie vor jeder Tankfüllung die Spritpreise in Ihrer Nähe und sparen Sie sich den Premium-Aufschlag, wenn Ihr Fahrzeughersteller ihn nicht ausdrücklich verlangt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Premium-Kraftstoff überhaupt?
Premium-Kraftstoffe sind höherwertige Spritsorten wie Shell V-Power, Aral Ultimate oder Total Excellium. Beim Benzin liegt die Oktanzahl meist bei 100 oder 102 statt 95 (Super) bzw. 98 (Super Plus). Beim Diesel ist die Cetanzahl mit rund 60 höher als die normalen 51 bis 54. Zusätzlich enthalten alle Premium-Sorten besondere Reinigungs- und Schmieradditive.
Wie viel teurer ist Premium-Sprit als Super E10?
Der Aufpreis schwankt stark je nach Marke und Tankstelle. Üblich sind 10 bis 20 Cent pro Liter im Vergleich zu Super E10. Aral Ultimate 102 kann an manchen Stationen sogar 25 bis 30 Cent über dem E10-Preis liegen. Auf 100 Kilometer mit einem 7-Liter-Verbrauch summiert sich das auf rund 70 Cent bis 2,10 Euro Mehrkosten.
Bringt eine höhere Oktanzahl automatisch mehr Leistung?
Nein. Eine höhere Oktanzahl bedeutet nur, dass der Kraftstoff klopffester verbrennt. Mehrleistung entsteht nur dann, wenn das Motormanagement den Zündzeitpunkt aktiv anpasst – und das tun fast ausschließlich Hochleistungs- und Sportmotoren. Ein normaler Mittelklassewagen merkt vom Wechsel auf 100 Oktan praktisch nichts.
Reinigen Premium-Additive den Motor wirklich?
Die Reinigungsadditive sind real und können bei stark verschmutzten Einspritzdüsen oder Ventilen helfen. In modernen Motoren mit ohnehin sauberem Verbrennungsraum ist der messbare Effekt aber gering. Auch normales Super E10 erfüllt die DIN EN 228 und enthält bereits eine Mindestmenge an Reinigungsadditiven.
Schadet Premium-Sprit meinem normalen Auto?
Nein. Wer Aral Ultimate oder Shell V-Power in einen Motor füllt, der nur Super 95 verlangt, riskiert keinerlei Schaden. Der Motor nutzt die zusätzliche Klopffestigkeit nur nicht aus. Umgekehrt gilt das nicht: Verlangt der Hersteller 98 Oktan, sollte man Super E10 mit nur 95 Oktan dauerhaft meiden.
Lohnt sich Premium-Diesel für den Alltag?
Für die meisten Pkw und Pendler nein. Der ADAC misst beim Premium-Diesel zwar 1,6 bis 4,5 Prozent mehr Leistung und bis zu sechs Prozent weniger Verbrauch – bei einem Aufpreis von 10 bis 15 Cent rechnet sich das nicht. Sinnvoll kann er für Vielfahrer mit älteren, verkokten Motoren sein, die gezielt von der höheren Cetanzahl und den Reinigungsadditiven profitieren.
Wann ist Premium-Kraftstoff wirklich sinnvoll?
Drei Fälle sprechen für Premium: Erstens, wenn der Hersteller im Tankdeckel mindestens 98 oder 100 Oktan vorschreibt. Zweitens, bei Sportwagen und getunten Motoren mit hoher Verdichtung. Drittens, als gelegentliche Tankfüllung bei älteren Direkteinspritzer-Dieseln zum Freibrennen verkokter Ventile. Für alle anderen reicht Super E10 vollständig.
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