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Von SpritFuchs Redaktion

Halbjahresbilanz 2026: Wie sich Diesel und Benzin in 197 Tagen um 40 Cent verteuerten

SpritFuchs wertet 197 Tage offizieller MTS-K-Preisdaten aus: Was Diesel, E10 und E5 im ersten Halbjahr 2026 gekostet haben, wo die Rekordtage lagen und welches Bundesland am stärksten zulegte.

Inhaltsverzeichnis

Methodik

Die folgenden Zahlen stammen aus dem täglichen SpritFuchs-Rollup der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K). Ausgewertet wurden 197 Tage vom 1. Januar bis zum 17. Juli 2026 — das gesamte erste Halbjahr plus die ersten zweieinhalb Juliwochen — jeweils als bundesweiter Tagesdurchschnitt über sämtliche meldenden Stationen. Am 1. Januar flossen 14.038 Stationen in den Schnitt ein, am 7. April 14.680. Für die Bundesländer-Auswertung sind die Wochen 1 (1.–7. Januar) und die laufende Woche (11.–17. Juli) gegenübergestellt.

Alle Angaben verstehen sich als arithmetisches Mittel der gemeldeten Verkaufspreise pro Tag und Station, wie sie das MTS-K der nationalen Preisübersicht zugrunde legt. Zeitweise Ausreißer einzelner Stationen (Notstand, technischer Fehler) sind Teil des Datensatzes und werden nicht herausgerechnet, weil sie beim Bundesschnitt über 14.000 Stationen im Rauschen verschwinden.

Kernergebnisse

  • Der Diesel-Bundesschnitt stieg vom 1. Januar (1,650 Euro) auf den 17. Juli (2,027 Euro laufender Monatsschnitt) — plus 37,7 Cent in 197 Tagen.
  • Der teuerste Tanktag des Halbjahres war Montag, der 7. April 2026: Diesel 2,444 Euro im Bundesschnitt. Für E5 und E10 lag der Peak zwei Tage früher am 5. April.
  • April war mit 2,250 Euro Diesel-Monatsschnitt der teuerste Monat, Juni mit 1,822 Euro der günstigste. Zwischen den beiden Monatsmitten liegen 42,8 Cent.
  • Der Tankrabatt (1. Mai bis 30. Juni) hat die Preise nur befristet gedrückt. Am 1. Juli sprang der Diesel-Bundesschnitt sofort wieder um rund 20 Cent nach oben.
  • Alle 16 Bundesländer haben zwischen KW 1 und der laufenden Juliwoche zwischen 40,0 und 46,0 Cent auf Diesel drauflegen müssen. Nordrhein-Westfalen liegt mit +46,0 Cent an der Spitze, Brandenburg mit +40,0 Cent am Ende der Rangliste.

Der Preisverlauf: vier Phasen in einem Halbjahr

Das erste Halbjahr 2026 lässt sich sauber in vier Phasen zerlegen, die jeweils von einem einzelnen Auslöser dominiert werden. Der Blick auf die Monats-Bundesschnitte macht das sichtbar:

MonatDiesel Ø (Euro/L)E10 Ø (Euro/L)E5 Ø (Euro/L)ausgewertete Tage
Januar 20261,6821,7311,78931
Februar 20261,7141,7551,81228
März 20262,1692,0192,07731
April 20262,2502,0942,15229
Mai 20261,9911,9842,04231
Juni 20261,8221,8721,92930
Juli 2026 (Stand 17.07.)2,0272,0632,12117
Bemerkenswert ist die Inversion im März und April: Diesel wurde in beiden Monaten teurer als Super E10 und rückte damit dicht an E5 heran. Diese Konstellation kennt der deutsche Markt sonst nur in Ausnahmezeiten. Sie kehrte sich mit Beginn des Tankrabatts sofort um — im Mai lagen die drei Sorten wieder in der gewohnten Reihenfolge Diesel < E10 < E5.

Januar und Februar: der ruhige Auftakt

Zum Jahreswechsel griff die planmäßige CO₂-Erhöhung auf 55 Euro pro Tonne, die den Bundesschnitt um rund einen Cent nach oben bewegte. Der Januar-Diesel-Schnitt lag dennoch stabil unter 1,70 Euro, E10 unter 1,74 Euro. Auch im Februar blieben die Preise ruhig. Das änderte sich Ende des Monats mit der Zuspitzung im Nahen Osten: Der Iran-Konflikt hob die Rohölnotierungen an und leitete die zweite Phase ein.

März und April: der Peak

Der März-Sprung war die größte Bewegung des Halbjahres. Diesel stieg von 1,714 Euro im Februar-Schnitt auf 2,169 Euro im März-Schnitt — plus 45,5 Cent in nur einem Monat. Damit war die Voraussetzung für den April-Rekord bereits geschaffen. Am 1. April trat die 12-Uhr-Regel des KPAnG in Kraft, die Preiserhöhungen auf einen Anhebungsslot pro Tag beschränkt. Statt einer Beruhigung folgte der teuerste Monat, den die MTS-K bisher aufgezeichnet hat: Der Diesel-Bundesschnitt kletterte auf 2,444 Euro am 7. April und blieb bis Monatsende über 2,20 Euro.

Der ADAC bezeichnete April 2026 später als teuersten Tankmonat aller Zeiten. Ob die 12-Uhr-Regel den Preisanstieg mitverursacht oder ihn nur nicht verhindert hat, wird bis heute diskutiert — das Bundeskartellamt sammelt seit April Verstöße gegen den einen erlaubten Anhebungsslot pro Tag.

Mai und Juni: der Tankrabatt

Zum 1. Mai senkte der Bundestag die Energiesteuer auf Diesel und Ottokraftstoffe für zwei Monate. Der Effekt war unmittelbar sichtbar: Der Diesel-Bundesschnitt fiel von 2,171 Euro am 30. April auf einen Mai-Monatsschnitt von 1,991 Euro (minus 26 Cent gegenüber April) und im Juni auf 1,822 Euro. Damit war Juni der günstigste Monat des Halbjahres — allerdings nur, weil die Steuer für 61 Tage niedriger lag. Die Weitergabequote analysiert der Bundeskartellamt-Q2-Bericht: Rund 82 Prozent bei Diesel, gut 78 Prozent bei E5 kamen an der Zapfsäule an. Die Lücke — 2,9 bis 3,7 Cent pro Liter — verblieb bei den Tankstellen.

Juli: die Rückkehr

Am 1. Juli lief die Steuersenkung aus. In den ersten 17 Julitagen kletterte der Diesel-Bundesschnitt auf 2,027 Euro. Damit steht der Monat 20,5 Cent über Juni und 3,6 Cent unter Mai. E10 legte auf 2,063 Euro zu, E5 auf 2,121 Euro. Das Preisniveau entspricht damit weitgehend dem Zustand vor dem Rabatt. Der Rutsch war komplett befristet.

Spitzen und Tiefpunkte

Die Extremwerte des Halbjahres liegen weit auseinander. Für Diesel trennen den Tiefstwert vom Peak 79,4 Cent pro Liter — die größte Spanne, die die SpritFuchs-Auswertung für einen deutschen Halbjahreszeitraum je gemessen hat.

KennzahlSorteTagBundesschnitt (Euro/L)Stationen
TiefstwertDiesel01.01.20261,65014.038
TiefstwertSuper E1001.01.20261,70314.038
TiefstwertSuper E501.01.20261,76214.038
HöchstwertSuper E1005.04.20262,18514.047
HöchstwertSuper E505.04.20262,24414.047
HöchstwertDiesel07.04.20262,44414.680
Spanne DieselDiesel+0,794
Spanne E10Super E10+0,482
Spanne E5Super E5+0,482
Dass die drei Höchststände in derselben Woche liegen, ist kein Zufall. Der 5. April war ein Sonntag mit dem ersten vollen Tag der neuen 12-Uhr-Regel-Praxis, der 7. April der darauffolgende Dienstag. Die Ölnotierungen aus dem Nahost-Konflikt waren zu diesem Zeitpunkt bereits eingepreist, die Marken nutzten den einen erlaubten Anhebungsslot pro Tag im Zweifel voll aus. Der Peak entstand also aus Beschaffungskosten und Regelanwendung gleichzeitig.

Bundesländer im Halbjahresvergleich

Kein Bundesland konnte sich dem Aufwärtstrend entziehen. Der Vergleich zwischen der ersten Januarwoche (KW 1) und der laufenden Juliwoche (11.–17. Juli) zeigt die Bandbreite. Für Diesel liegt der Wochen-Delta zwischen +40,0 Cent (Brandenburg) und +46,0 Cent (Nordrhein-Westfalen). E10 zog zwischen +36,1 Cent (Bayern und Baden-Württemberg) und +41,2 Cent (Mecklenburg-Vorpommern) an.

BundeslandDiesel KW 1Diesel KW 29Δ DieselE10 KW 1E10 KW 29Δ E10
Brandenburg1,6982,098+0,4001,7142,104+0,390
Berlin1,6762,080+0,4041,6912,084+0,393
Bayern1,6742,079+0,4051,7212,082+0,361
Baden-Württemberg1,6652,091+0,4261,7122,073+0,361
Hamburg1,6592,087+0,4281,7152,099+0,384
Mecklenburg-Vorpommern1,6632,092+0,4291,6992,111+0,412
Saarland1,6592,089+0,4301,7082,072+0,364
Sachsen1,6772,108+0,4311,7222,126+0,404
Niedersachsen1,6552,087+0,4321,7352,107+0,372
Sachsen-Anhalt1,6572,092+0,4351,7082,110+0,402
Schleswig-Holstein1,6682,109+0,4411,7352,127+0,392
Thüringen1,6602,101+0,4411,7212,118+0,397
Bremen1,6432,085+0,4421,7162,090+0,374
Rheinland-Pfalz1,6502,098+0,4481,7142,091+0,377
Hessen1,6672,115+0,4481,7292,115+0,386
Nordrhein-Westfalen1,6502,110+0,4601,7122,112+0,400
Zwei Muster fallen auf. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg landen im unteren Drittel der Diesel-Steigerung — der starke innerstädtische Wettbewerb zwischen den Marken bremst Aufschläge. Die drei bevölkerungsreichsten Flächenländer im Westen — Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz — führen dagegen die Delta-Rangliste an. Hier greifen mehrere Faktoren gleichzeitig: hohe Pendlernachfrage, Nähe zu Raffineriestandorten, die im Halbjahr zeitweise Wartungsengpässe hatten, und eine im Bundesvergleich hohe Marken-Konzentration in ländlichen Kreisen.

Was erklärt die Unterschiede?

Drei Treiber prägen das Halbjahresbild. Der wichtigste ist die Rohölnotierung. Der Iran-Konflikt Ende Februar hob Brent binnen zwei Wochen deutlich an, und die deutschen Tankstellenpreise folgten mit der üblichen Verzögerung von 10 bis 14 Tagen. Der März-Sprung von 45,5 Cent bei Diesel ist ohne diesen Rohöl-Impuls nicht erklärbar.

Der zweite Treiber ist die Steuerpolitik. Zum 1. Januar stieg der nationale CO₂-Preis auf 55 Euro pro Tonne. Zum 1. Mai senkte der Bund die Energiesteuer, zum 1. Juli lief die Senkung planmäßig aus. Beides bewegte das Preisniveau in drei sichtbaren Sprüngen — der Januarschritt war klein, der Maischritt nach unten und der Julischritt nach oben groß.

Der dritte Treiber ist die Marktregulierung. Die 12-Uhr-Regel des KPAnG (Kraftstoff-Preisanpassungsgesetz) gilt seit dem 1. April und erlaubt Preiserhöhungen nur einmal täglich um Punkt 12:00. Der Effekt auf das Preisniveau ist offen — der April blieb der teuerste Monat des Halbjahres. Der Effekt auf den Tagesverlauf ist eindeutig: Der Morgen ist seither verlässlich der günstigste Tanktermin, weil kein zusätzlicher Anhebungsslot vor 12:00 mehr möglich ist. Die Details dazu hat SpritFuchs im Ratgeber „Wann tanken?" aufbereitet.

Regionale Unterschiede zwischen den Bundesländern sind das Ergebnis der Interaktion aus diesen drei Treibern mit der lokalen Marktstruktur: Zahl der freien Tankstellen, Marken-Konzentration, Autobahnanteil und Pendlerdichte. In Ballungsräumen gleicht der Wettbewerb Aufschläge schneller aus, in ländlichen Kreisen bleibt der Marken-Aufpreis länger stehen.

Was das für Autofahrer heißt

Für die zweite Jahreshälfte deutet nichts auf eine Entlastung hin. Die Steuersenkung ist vorbei, der CO₂-Preis steigt zum 1. Januar 2027 planmäßig weiter, und der ETS2 der EU startet ab 2028. Das Preisniveau der ersten Julihälfte liegt bereits gut 40 Cent über dem Neujahrsstand — Rückkehr zu 1,65 Euro Diesel ist ohne einen Ölpreis-Einbruch oder eine erneute politische Intervention nicht zu erwarten.

Für den Alltag bleibt der Vergleich das schärfste Werkzeug. Innerhalb desselben Bundeslandes und desselben Tages trennen den günstigsten vom teuersten Tanktermin regelmäßig 15 bis 20 Cent pro Liter — bei 50 Litern also 7,50 bis 10 Euro pro Tankfüllung. Vergleichen Sie vor der Fahrt die Preise entlang Ihrer üblichen Route, und tanken Sie idealerweise vormittags: Seit der 12-Uhr-Regel hat der Vormittag im Bundesschnitt einen Vorsprung von 3 bis 5 Cent gegenüber dem späten Nachmittag. Wer weder unter Zeitdruck steht noch weit fahren muss, findet den passenden Termin in SpritFuchs' Preisübersicht für Ihre Stadt oder PLZ.

Häufig gestellte Fragen

Zwischen dem 1. Januar und dem 17. Juli 2026 stieg der Bundesschnitt für Diesel von 1,650 Euro auf 2,027 Euro — plus 37,7 Cent. Bezogen auf den Wochen-Schnitt (KW 1 gegen die laufende Juliwoche) legte jedes Bundesland zwischen 40,0 und 46,0 Cent zu; NRW liegt an der Spitze, Brandenburg mit +40,0 Cent am Ende. Basis: SpritFuchs-Rollup aus MTS-K-Tagesdaten.

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