Spritpreis-Report Mai 2026: Der Monat, in dem Diesel zum Schnäppchen wurde
Spritpreis-Monatsbilanz Mai 2026 von SpritFuchs: Diesel fällt um 28 Cent gegenüber April, Saarland und Rheinland-Pfalz tanken am günstigsten, der Bundesschnitt rutscht knapp unter 2 Euro pro Liter.
Auswertung basiert auf 368.888 Preismeldungen aus dem MTS-K-Tagesdump für den Zeitraum 1.–29. Mai 2026, ergänzt durch 396.236 Preismeldungen für April 2026 als Vergleichsbasis. Das Bundesländer-Ranking aggregiert die letzten Stationspreise vom 23.–29. Mai 2026 über 13.966 aktive Tankstellen.
Inhaltsverzeichnis
Methodik
Die Zahlen in diesem Report stammen aus dem nächtlichen MTS-K-Datendump, den SpritFuchs Tag für Tag von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe bezieht und in die eigene Datenbank importiert. Für den Mai 2026 hat man die Preise von rund 14.000 Tankstellen quer durch Deutschland ausgewertet — vom 1. bis zum 29. Mai sind das 368.888 einzelne Preismeldungen für Diesel, Super E10 und Super E5. Wer den jeweils aktuellen Tagesstand sehen möchte, findet die laufend aktualisierte bundesweite Preisübersicht auf SpritFuchs.
Für das Bundesländer-Ranking am Ende des Monats nimmt man pro Tankstelle den jeweils letzten gemeldeten Preis aus der Woche vom 23. bis 29. Mai 2026 und mittelt diese Werte je Bundesland. Das verhindert, dass besonders preisaktive Stationen das Ergebnis verzerren. Als Vergleichsbasis dient der April 2026 mit 396.236 Preismeldungen aus derselben Stationsbasis. Auf diese Weise lassen sich die monatlichen Verschiebungen sauber gegenüberstellen — und der Mai 2026 hatte einige davon zu bieten.
Kernergebnisse
- Diesel-Bundesschnitt im Mai: 1,968 € pro Liter — ein Rückgang um 28,2 Cent gegenüber April (2,250 €).
- Super E10-Bundesschnitt: 1,965 € — minus 12,9 Cent gegenüber April (2,094 €).
- Super E5-Bundesschnitt: 2,023 € — minus 12,9 Cent gegenüber April (2,152 €).
- Diesel ist seit dem 16. Mai durchgehend günstiger als E10 — eine Konstellation, die es im April noch nicht einmal andeutungsweise gab.
- Günstigste Bundesländer im Diesel-Schnitt (23.–29. Mai): Saarland mit 1,814 € und Rheinland-Pfalz mit 1,822 € — beides Raffinerie-Standorte.
- Teuerstes Bundesland: Schleswig-Holstein mit 1,916 € Diesel. Der Stadtstaat Hamburg liegt bei E10 sogar bei 1,979 €.
- Die Preisspanne zwischen günstigstem und teuerstem Bundesland beträgt beim Diesel 10,2 Cent — beim E10 sogar 9,6 Cent.
Drei Kräfte, eine Richtung
Drei Entwicklungen haben den Mai 2026 zum bislang günstigsten Monat des Jahres gemacht. Erstens: der Tankrabatt, der am 1. Mai in Kraft trat. Die Bundesregierung senkte die Energiesteuer um 14,04 Cent pro Liter — inklusive Mehrwertsteueranteil ergibt das 16,7 Cent Bruttoentlastung pro Liter, die in den Wochen davor breit als "17 Cent" kommuniziert wurden. Der ADAC bestätigt in seinem Mai-Monitoring, dass diese Entlastung in den ersten Tagen großteils an der Zapfsäule ankam, kritisiert aber gleichzeitig, dass sie nach der ersten Woche schneller von steigenden Konzernmargen aufgefressen wurde als versprochen.
Zweitens: der Ölpreis. Brent notierte am 1. Mai noch bei 116 US-Dollar pro Barrel, am 29. Mai bei nur noch 91,37 Dollar — ein Rückgang um rund 21 Prozent innerhalb von vier Wochen. Auslöser war die Einigung zwischen den USA und dem Iran auf eine 60-tägige Waffenruhe-Verlängerung und die mögliche Freigabe der Schiffsroute durch die Straße von Hormus. Beides nahm aus dem geopolitischen Risikoaufschlag die Luft heraus, der seit Februar auf den Rohöl-Notierungen lastete.
Drittens: die Österreich-Regel, die seit dem 1. April 2026 in Deutschland gilt. Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr anheben, Senkungen sind jederzeit erlaubt. Das wirkt im Mai noch subtil — aber wenn Konzerne fallende Rohölkurse nicht direkt in höhere Marge umwandeln können, weil der Preiserhöhungs-Slot nur einmal pro Tag offensteht, dann kommen Senkungen im Markt schneller an als der klassische Rocket-and-Feather-Effekt es früher vermuten ließ. Drei Kräfte, eine Richtung — und am Ende der Monatsbilanz steht ein Diesel-Schnitt mit einer Eins vor dem Komma.
Die Wochenkurve des Mai
Der Mai 2026 lässt sich in fünf Wochenscheiben lesen, die jede für sich einen Knick im Preisdiagramm setzen.
In der ersten vollen Tankrabatt-Woche vom 4. bis 10. Mai rutschte der Diesel-Bundesschnitt auf 1,993 €, E10 auf 1,961 €, E5 auf 2,020 €. Gegenüber dem April-Schluss-Stand von rund 2,08 € beim Diesel ist das ein Sprung um knapp 9 Cent — die Energiesteuersenkung kam in den ersten zehn Tagen also weitgehend an der Zapfsäule an.
In der zweiten Maiwoche (11.–17. Mai) fiel der Diesel weiter auf 1,965 €, während E10 mit 1,967 € erstmals seit Jahren über dem Diesel zu liegen kam. Brent rutschte zeitgleich Richtung 100 Dollar pro Barrel. Die Inversion war da — auch wenn die meisten Autofahrer sie noch nicht bewusst wahrgenommen hatten.
In der dritten Woche (18.–24. Mai) weitete sich der Diesel-Vorsprung auf knapp 3 Cent: 1,945 € Diesel gegen 1,974 € E10. Diesel-Fahrer kamen erstmals seit Februar wieder dauerhaft unter die 1,95-Euro-Marke.
In der vierten Woche (25.–29. Mai) fielen alle drei Kraftstoffsorten noch einmal um 4 bis 5 Cent ab: Diesel auf 1,895 €, E10 auf 1,935 €, E5 auf 1,993 €. Brent durchbrach die 95-Dollar-Marke nach unten. Wer am Monatsanfang noch 60 Euro für die volle Tankladung beim Diesel-Kombi bezahlte, kam Ende Mai mit unter 57 Euro über dieselbe Strecke.
In Summe ist der Diesel über die vier Maiwochen um knapp 10 Cent gefallen, oben auf den Tankrabatt-Sprung vom 30. April auf den 1. Mai. E10 und E5 verloren zusätzlich jeweils rund 3 Cent. Das ist die kompakteste Vier-Wochen-Bewegung seit Beginn der MTS-K-Datenerfassung 2013.
Bundesländer-Ranking: Wo Mai 2026 am günstigsten war
Am Ende des Monats lässt sich klar lesen, wo der Markt am stärksten in Bewegung war und wo am wenigsten. Im Kern repliziert die folgende Tabelle die alte Faustregel: Wer in der Nähe einer Raffinerie wohnt, tankt günstiger. Das Saarland profitiert von der Nähe zu Karlsruhe und den französischen Raffinerien an der Mosel, Rheinland-Pfalz hat die Mineralölwerke an Rhein und Main vor der Haustür. Beide Bundesländer rangieren beim Diesel-Schnitt am unteren Ende der Skala.
| Bundesland | Diesel | Super E10 | Super E5 | Stationen |
|---|---|---|---|---|
| Saarland | 1,814 € | 1,883 € | 1,941 € | 218 |
| Rheinland-Pfalz | 1,822 € | 1,882 € | 1,939 € | 597 |
| Baden-Württemberg | 1,847 € | 1,887 € | 1,943 € | 1.923 |
| Sachsen-Anhalt | 1,852 € | 1,900 € | 1,957 € | 149 |
| Nordrhein-Westfalen | 1,865 € | 1,914 € | 1,972 € | 2.953 |
| Hessen | 1,865 € | 1,932 € | 1,989 € | 1.139 |
| Berlin | 1,870 € | 1,899 € | 1,956 € | 269 |
| Sachsen | 1,871 € | 1,912 € | 1,968 € | 633 |
| Bayern | 1,873 € | 1,894 € | 1,950 € | 2.245 |
| Thüringen | 1,875 € | 1,911 € | 1,967 € | 544 |
| Niedersachsen | 1,882 € | 1,935 € | 1,991 € | 1.762 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 1,884 € | 1,907 € | 1,964 € | 313 |
| Brandenburg | 1,891 € | 1,929 € | 1,986 € | 309 |
| Hamburg | 1,894 € | 1,979 € | 2,038 € | 289 |
| Bremen | 1,907 € | 1,958 € | 2,017 € | 72 |
| Schleswig-Holstein | 1,916 € | 1,954 € | 2,013 € | 550 |
Bemerkenswert ist auch, wie eng das Mittelfeld in der zweiten Monatshälfte zusammenrückt. Zwischen Sachsen-Anhalt auf Platz vier und Brandenburg auf Platz dreizehn liegen beim Diesel nur 3,9 Cent. Die großen Flächen-Bundesländer mit gemischter Stations-Demografie pendeln sich auf einem ähnlichen Schnitt ein. Auch die Ost-West-Trennung, die in vergangenen Berichten regelmäßig ein eigenes Kapitel füllte, ist im Mai 2026 weitgehend verwischt: Sachsen (1,871 €) liegt im Diesel-Schnitt zwischen Hessen und Bayern.
Die Diesel-E10-Umkehr
Die wohl ungewöhnlichste Beobachtung des Monats betrifft das Verhältnis der Kraftstoffsorten zueinander. Seit dem 16. Mai 2026 ist Diesel an deutschen Tankstellen durchgehend günstiger als Super E10. Im Bundesschnitt der letzten Mai-Woche liegt E10 mit 1,935 € genau 4 Cent über dem Diesel mit 1,895 €. SpritFuchs hat diese Umkehrung in einer eigenen Analyse zur Diesel-E10-Inversion seziert — sie ist nicht nur eine mathematische Kuriosität, sondern Symptom einer Marktrekonfiguration im Hintergrund.
Der Hintergrund: Diesel hängt unmittelbar am Rohöl-Importpreis, weil das Mitteldestillat in Europa knapp ist und überwiegend aus Russland-Ersatz-Strömen über die Nordsee kommt. Wenn der Brent-Preis um 25 Dollar pro Barrel fällt wie im Mai 2026, schlägt das beim Diesel rasch in voller Höhe durch. Bei E10 wirkt dagegen der fest beigemischte Bioethanol-Anteil von zehn Prozent als Preisanker — und der Bioethanol-Markt folgt nicht dem Brent-Kurs, sondern den Agrar-Notierungen für Mais, Weizen und Zuckerrüben, die im Frühjahr 2026 sogar leicht angezogen haben.
Die Konsequenz: Im Mai 2026 zog der Diesel beim Tempo, E10 hinkte hinterher. Dass eine Sorte günstiger ist als die andere, die laut Lehrbuch fünf bis zehn Cent darüber liegen sollte, war das letzte Mal 2008 für einen längeren Zeitraum der Fall. Für Diesel-Fahrer ist das ein willkommenes Geschenk — für Marktbeobachter ist es ein Datenpunkt, den man dieses Jahr nicht aus dem Auge lassen sollte.
Was die Marken im Mai gemacht haben
Auf der Marken-Ebene wiederholt sich das vertraute Muster, das SpritFuchs schon im Frühjahr dokumentiert hat — nur in verschärfter Form. Am unteren Ende rangieren ED-Tankstellen mit einem Diesel-Schnitt von 1,780 € in der letzten Mai-Woche, knapp gefolgt von Esso-Großhandels-Stationen (1,828 €) und den klassischen Supermarkt-Tankstellen (1,834 €). Im breiten Mittelfeld dominieren die freien und mittelständischen Marken: JET, STAR, HEM, AVIA und bft sortieren sich alle zwischen 1,84 € und 1,86 €.
Am oberen Ende stehen wie immer die drei großen Markenkonzerne: TotalEnergies (1,873 €), die ESSO-A-Marken-Filialen (1,882 €), Shell (1,883 €) und Aral (1,897 €). AGIP ENI führt die teure Skala mit 1,902 € an. Die Spanne zwischen der günstigsten und der teuersten Markengruppe beträgt 12,2 Cent — fast so viel wie der Tankrabatt selbst. Wer am 28. Mai bei einer freien Tankstelle 50 Liter Diesel tankt, zahlt im Schnitt 6 Euro weniger als bei einem A-Marken-Konkurrenten in derselben Straße.
Was erklärt die Unterschiede?
Drei strukturelle Faktoren treiben das Bundesländer- und Marken-Ranking gleichermaßen. Erstens die Nähe zur nächsten Raffinerie: Im Saarland endet die Süddeutsche Pipeline-Anbindung aus Karlsruhe, in Rheinland-Pfalz versorgen die Werke in Ludwigshafen und Wesseling den Markt direkt — Transportkosten je Liter sinken um Bruchteile von Cents, aber sie addieren sich über die Logistikkette. Schleswig-Holstein und Hamburg hängen dagegen an Norderelbe-Importen, und Brandenburg muss aus Schwedt versorgt werden, das seit dem Russland-Embargo nur eingeschränkt läuft.
Zweitens die Wettbewerbsdichte. In Nordrhein-Westfalen drücken über 2.900 Stationen den Markt — die Marken können in Köln oder Düsseldorf nicht beliebig hohe Preise verlangen, weil drei Konkurrenten in Sichtweite stehen. In Schleswig-Holstein mit nur 550 Stationen auf vergleichbarer Fläche fällt diese Disziplinierung schwächer aus. Die Stadtstaaten kompensieren die kurze Fahrtdistanz mit dichten Innenstadt-Stationen, die ihre Mietkosten in Cents pro Liter zurückholen.
Drittens die Preisstrategie der Konzerne. Aral, Shell und TotalEnergies positionieren sich als Premium-Marken mit eigener Lounge, Bistro-Konzept und Treuepunkten — und kalkulieren entsprechend höher. Freie und mittelständische Marken arbeiten mit dünneren Margen und schmalerer Filialinfrastruktur. Das ist kein Skandal, sondern offene Preisspaltung, die der gesetzlich erzwungene MTS-K-Live-Feed seit Dezember 2013 für jede Autofahrerin sichtbar macht. Wer die Spaltung in einen Vorteil verwandeln will, muss sie nur in den richtigen Moment hinein nutzen.
Was das für Autofahrer heißt
Der Mai 2026 hat die Spielregeln des Tankjahres verschoben. Wer bisher reflexartig E10 getankt hat, weil "Benzin halt billiger ist als Diesel", sollte Mitte Juni noch einmal genau hinschauen — die Inversion könnte sich nach dem Auslaufen des Tankrabatts am 30. Juni wieder umdrehen, weil die Energiesteuer beim Diesel dann um 17 Cent zurück nach oben springt. Wer einen Diesel fährt, sollte die zweite Juni-Hälfte nutzen, um den Tank möglichst voll in den Juli zu retten.
Vergleichen Sie vor jeder Tankfüllung kurz die aktuellen Preise in Ihrer Region — der Mai hat gezeigt, dass selbst innerhalb einer einzigen Woche Schwankungen von 5 bis 8 Cent pro Liter völlig normal sind. Wer zur richtigen Uhrzeit zwischen 16 und 20 Uhr und an der richtigen Tankstelle tankt, holt sich von den Preisbewegungen dieses Monats noch einmal die Hälfte der Ersparnis zusätzlich aufs Konto.
Häufig gestellte Fragen
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