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Von SpritFuchs Redaktion

Ölpreis stürzt unter 100 Dollar — doch Sprit wird kaum billiger

Brent ist binnen einer Woche von rund 111 auf unter 100 US-Dollar je Barrel abgesackt, an der Zapfsäule kommen davon aber nur 4,5 Cent beim Diesel und 2,7 Cent bei Super E10 an. Der ADAC kritisiert die träge Weitergabe Ende Mai 2026 — und nennt das Tempo der Mineralölkonzerne unangemessen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist passiert?

Der Rohölpreis ist binnen einer Woche regelrecht abgestürzt — am Tank merkt man davon kaum etwas. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am 27. Mai 2026 unter 100 US-Dollar, nachdem es Mitte des Monats noch bei rund 111 Dollar gehandelt worden war. Ausgelöst hat den Rutsch die Aussicht auf eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran sowie die teilweise Entspannung an der Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports verläuft. Rund zehn Prozent weniger Rohöl in zehn Tagen — eine Bewegung, die normalerweise spürbar bei den Spritpreisen ankommt. Die bundesweite Preisübersicht von SpritFuchs zeigt allerdings, wie zäh die Entlastung an der Zapfsäule sickert (Stand 28. Mai 2026).

Konkret: Im ADAC-Wochenvergleich zum 26. Mai 2026 wurde Super E10 um 2,7 Cent günstiger und kostete 1,981 Euro je Liter. Diesel sank um 4,5 Cent auf 1,952 Euro je Liter. Der Diesel-Rückgang fällt damit etwas deutlicher aus als der bei Benzin, beide Bewegungen bleiben aber klar hinter dem prozentualen Rohölabschlag zurück. Würde der Brent-Rückgang Eins-zu-Eins durchgereicht, müsste die Entlastung an der Zapfsäule rechnerisch deutlich höher liegen — selbst nach Abzug von Energiesteuer und Mehrwertsteuer.

Der ADAC findet dazu klare Worte. Der Verkehrsclub spricht von einer viel zu trägen Weitergabe und kritisiert, dass die Mineralölkonzerne den gesunkenen Einkaufspreis nicht angemessen an die Autofahrer durchreichen. Im Hintergrund läuft seit dem 1. Mai der Tankrabatt: Die Energiesteuer für Benzin und Diesel ist befristet um 14,04 Cent je Liter gesenkt, brutto also rund 17 Cent inklusive Mehrwertsteuer. Das Bundeskartellamt hat in einer ersten Auswertung ermittelt, dass im Mai zwischen 82 und 94 Prozent dieses Steuerrabatts tatsächlich an der Tankstelle angekommen sind — je nach Sorte und Erhebungsfenster. Das ist ordentlich, aber nicht vollständig; und es ändert nichts daran, dass der zusätzliche Spielraum aus dem fallenden Rohölpreis bisher überwiegend hängen bleibt.

Die folgende Tabelle zeigt einen kompakten Drei-Städte-Schnitt aus den MTS-K-Tagesdaten — der Preis, den ein Autofahrer Ende Mai an einer typischen Stadttankstelle vorfindet:

StadtDiesel-MedianE10-MedianStationen
Berlin1,889 €1,929 €267
Hamburg1,939 €1,979 €202
München1,909 €1,899 €116
MTS-K-Daten, Datenstand 27. Mai 2026, Mediane über alle Stadt-Tankstellen. München fällt mit weiterhin unter dem Diesel liegendem E10-Preis aus dem Bild — eine Eigenheit, die in Bayern schon seit Wochen zu beobachten ist und mit dem starken Raffineriestandort im Süden zusammenhängt.

Bemerkenswert ist auch, dass Diesel bundesweit seit dem 16. Mai wieder unter dem E10-Preis liegt. Die jüngste Beruhigung am Ölmarkt verstärkt diesen Effekt, weil Diesel als krisenempfindlicherer Kraftstoff stärker auf Rohölbewegungen reagiert — wer aktuell ein Dieselfahrzeug fährt, profitiert doppelt von der Bewegung am Weltmarkt.

Eine kurze Rechnung macht das Missverhältnis greifbar. Ein Rückgang von 111 auf 98 Dollar je Barrel entspricht knapp zwölf Prozent. Bei einem Rohöleinkaufsanteil von rund 35 bis 40 Cent je Liter Diesel ergibt sich rechnerisch ein Spielraum von etwa vier bis fünf Cent allein aus dem Ölmarkt — zusätzlich zu den 17 Cent, die der Tankrabatt seit dem 1. Mai brutto entlasten soll. Real angekommen sind im Wochenvergleich aber nur 4,5 Cent beim Diesel und 2,7 Cent bei E10. Die Lücke, die die Konzerne als zusätzliche Marge einstreichen, liegt damit nach grober Schätzung im niedrigen einstelligen Cent-Bereich pro Liter. Bei 50 Litern Tankvolumen sind das ein bis zwei Euro pro Tankfüllung, die zwischen Raffinerietor und Zapfsäule hängen bleiben.

Was heißt das für Autofahrer?

Für Autofahrer bedeutet die Lage Ende Mai: Die Entlastung ist real, aber sie kommt schleppend. Wer im Tank noch eine Reserve hat, kann mit einer leichten weiteren Senkung in den kommenden Tagen rechnen — vorausgesetzt, der Rohölpreis bleibt unter 100 Dollar und keine neuen geopolitischen Schocks treiben die Notierung wieder hoch. Ökonomen nennen das Muster, das sich gerade abspielt, seit Jahrzehnten "Rockets and Feathers": Preise schießen wie eine Rakete nach oben, wenn das Rohöl teurer wird, und sinken wie eine Feder nach unten, wenn es billiger wird. Die Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts hat dieses Verhalten schon 2011 für den deutschen Kraftstoffmarkt dokumentiert — und 15 Jahre später wiederholt es sich beinahe lehrbuchhaft.

Die regionalen Unterschiede sind dabei nicht zu unterschätzen. Während Berlin mit einem Diesel-Median von 1,889 Euro am unteren Rand liegt, zahlt man in Hamburg im Mittel rund fünf Cent mehr. München steht in einer eigenen Liga: Dort ist Super E10 trotz des bundesweiten Trends weiterhin günstiger als Diesel — ein Hinweis auf die besondere Marktlage in Süddeutschland, wo Raffineriestandorte wie Ingolstadt und Vohburg das Preisgefüge prägen. Wer in unterschiedlichen Regionen unterwegs ist, sollte das im Hinterkopf behalten und Preise systematisch vergleichen, statt sich auf den vermeintlichen Heimatpreis zu verlassen.

Dazu kommt der zeitliche Horizont. Der Tankrabatt läuft am 30. Juni 2026 aus. Schon jetzt drei Wochen Bilanz zeigen, dass die Weitergabe je nach Region und Kette zwischen 82 und 94 Prozent schwankt — eine detaillierte Auswertung dazu hat SpritFuchs vergangene Woche veröffentlicht. Solange der Rabatt gilt, ist jeder Liter im Tank ein Liter zum Vorzugspreis; ab dem 1. Juli kehrt der reguläre Steuersatz zurück, und ohne weitere Entlastung am Ölmarkt dürften die Preise sprunghaft anziehen. Die Lücke zwischen Rohöl und Pumpe wird dann von der anderen Seite zugemacht — als plötzlicher Aufschlag, nicht als allmähliche Erleichterung.

Was Sie jetzt tun können

Vergleichen Sie vor jeder Tankfüllung systematisch die Preise in Ihrer Umgebung. Schon innerhalb einer Stadt trennen die günstigste und die teuerste Station regelmäßig zehn Cent und mehr — bei einer 50-Liter-Tankfüllung also rund fünf Euro. Solange die Mineralölkonzerne den Rohölrückgang nur tröpfchenweise durchreichen, ist der bewusste Stationswechsel der wirksamste Hebel, den ein einzelner Autofahrer hat.

Achten Sie zweitens auf den Tankzeitpunkt. Seit Einführung der 12-Uhr-Regel am 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um die Mittagszeit anheben — Senkungen bleiben jederzeit erlaubt. In der Praxis heißt das: Morgens ist Sprit am teuersten, am frühen Abend zwischen 17 und 22 Uhr meist am günstigsten. In Phasen wie der aktuellen, in der die Konzerne gerade tröpfchenweise nachgeben, zeigt sich das Muster besonders deutlich. Wer abends tankt, holt zwei bis drei Cent zusätzlich heraus.

Drittens: Warten lohnt nur dosiert. Wenn Brent unter 100 Dollar bleibt, dürften die Pumpenpreise in den nächsten ein bis zwei Wochen noch ein wenig nachgeben — verbindlich ist das aber nicht. Wer mit der Reserveleuchte unterwegs ist, sollte vergleichen und tanken. Wer noch eine halbe Tankfüllung hat, kann ein paar Tage abwarten, dann den Preistrend in der eigenen Stadt prüfen und bei einer günstigen Station nachfüllen. Spätestens Mitte Juni sollte der Tank ohnehin gefüllt sein, denn mit dem Auslaufen des Tankrabatts am 30. Juni droht ein abrupter Sprung nach oben.

Vergleichen Sie jetzt die Preise in Ihrer Region — beispielsweise bei den Tankstellen in Hamburg, wo der Mediananstand fünf Cent über Berlin liegt und der Spareffekt durch gezielten Stationswechsel besonders sichtbar wird. SpritFuchs aktualisiert die Daten jede Nacht aus dem offiziellen MTS-K-Bestand, sodass Sie die günstigste Station in Ihrer Umgebung ansteuern können, bevor Sie an die Zapfsäule fahren.

Häufig gestellte Fragen

Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete in der Woche zum 27. Mai 2026 unter 100 US-Dollar — nach rund 111 Dollar Mitte Mai. Auslöser sind Anzeichen einer Annäherung zwischen den USA und dem Iran sowie die teilweise Entspannung an der Straße von Hormus. Innerhalb von etwa zehn Tagen ergibt das einen Rückgang von rund zehn Prozent.

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