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Von SpritFuchs Redaktion

Spritpreise verharren knapp unter 2 Euro: Warum der ADAC noch Spielraum nach unten sieht

Zwei Wochen nach dem Tankrabatt-Start liegen Diesel und Super E10 knapp unter zwei Euro — und steigen tageweise sogar wieder leicht. Der ADAC sieht trotz gefallener Rohölpreise weiteren Spielraum nach unten und wirft der Mineralölwirtschaft vor, einen Teil der Steuerentlastung einzubehalten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist passiert?

Zwei Wochen nach dem Start des Tankrabatts haben sich die Spritpreise in Deutschland knapp unter der Marke von zwei Euro eingependelt — und bewegen sich seitdem kaum noch nach unten. Im bundesweiten Mittel kostet ein Liter Diesel laut ADAC rund 1,983 Euro, ein Liter Super E10 etwa 1,973 Euro (Stand 14. Mai 2026). Für beide Sorten ist das der erste Stand seit Monaten unterhalb der psychologisch wichtigen Zwei-Euro-Schwelle. Lediglich Super E5 liegt mit gut 2,11 Euro noch darüber. Wer die tagesaktuellen Mittelwerte nachvollziehen möchte, findet sie in der bundesweiten Preisübersicht von SpritFuchs, die jede Nacht aus den offiziellen MTS-K-Daten neu berechnet wird.

Der Weg dorthin war steil. Ende April lag der bundesweite Diesel-Tagesschnitt noch bei über 2,19 Euro. Mit dem Inkrafttreten der Energiesteuersenkung am 1. Mai brach der Preis quasi über Nacht ein und fiel im Lauf der ersten Maiwoche um rund 20 Cent. Seither aber ist die Dynamik erschöpft: Diesel und E10 bewegen sich in einem engen Seitwärtsband, und an einzelnen Tagen geht es sogar wieder nach oben. Am 11. Mai lagen Diesel mit 1,987 Euro und E10 mit 1,974 Euro leicht über den Werten der Vortage. Der große Rutsch ist vorbei — geblieben ist ein Niveau, das viele Autofahrer als enttäuschend empfinden, schließlich war im politischen Vorfeld von einer Entlastung um 17 Cent die Rede.

Der Tankrabatt senkt die Energiesteuer befristet bis zum 30. Juni 2026 um 14,04 Cent pro Liter. Rechnet man die darauf entfallende Mehrwertsteuer hinzu, ergibt sich eine theoretische Bruttoentlastung von 16,7 Cent pro Liter. Der ADAC bestätigt, dass dieser Rabatt großteils an der Zapfsäule ankommt — eben nur nicht vollständig. Ein Teil der Steuersenkung versickert offenbar in den Margen der Mineralölwirtschaft, statt beim Autofahrer anzukommen.

Dabei ist die Ausgangslage eigentlich günstig. Der Preisrückgang im Mai speist sich aus zwei Quellen gleichzeitig: dem fiskalischen Effekt des Tankrabatts und einem parallel fallenden Rohölpreis. Brent-Rohöl hat seit der Entspannung der geopolitischen Lage im Nahen Osten deutlich nachgegeben und notiert wieder bei rund 100 Dollar je Barrel. Beide Effekte zusammen hätten die Preise rechnerisch noch tiefer drücken können. Dass der Diesel-Schnitt stattdessen bei knapp 1,98 Euro hängenbleibt, statt in Richtung 1,90 Euro weiterzulaufen, ist genau der Punkt, an dem der Automobilclub den Hebel ansetzt.

Drei Großstädte im Preis-Schnappschuss

Wie sich das bundesweite Mittel regional verteilt, zeigt eine Stichprobe aus drei Großstädten. Die folgenden Werte sind Richtwerte für Mitte Mai 2026 und bilden die typische Nord-Süd-Spreizung ab — kein exakter Durchschnitt, sondern ein grober Lagecheck.

GroßstadtDieselSuper E10
München1,949 €1,938 €
Berlin1,984 €1,972 €
Hamburg2,012 €1,999 €
Median der Stichprobe1,984 €1,972 €
München liegt klar am günstigen Ende — Bayern profitiert von der Nähe zu den großen Inlandsraffinerien und zeigt schon seit Monaten die niedrigsten Preise. Hamburg dagegen kratzt beim Diesel weiter an der Zwei-Euro-Marke. Berlin liegt fast exakt auf dem Bundesmittel und bildet damit den Median der Stichprobe. Die Spreizung von gut sechs Cent zwischen der günstigsten und der teuersten der drei Städte entspricht dem Muster, das sich auch in größeren Auswertungen zeigt: Der Süden tankt günstiger als der Norden. Für eine 50-Liter-Tankfüllung macht dieser Unterschied gut drei Euro aus — kein Vermögen, aber über das Jahr gerechnet ein spürbarer Betrag, vor allem für Pendler und Vielfahrer. Wichtiger als die Stadt ist ohnehin die einzelne Tankstelle: Innerhalb eines Ortes liegen zwischen der teuersten und der günstigsten Station oft mehr Cent als zwischen München und Hamburg.

Was heißt das für Autofahrer?

Für Autofahrer bedeutet der Seitwärtstrend vor allem eines: Auf von allein weiter sinkende Preise sollte man sich nicht verlassen. Die Hälfte des Tankrabatt-Zeitraums ist bald verstrichen, und der ADAC sieht trotzdem noch deutlichen Spielraum nach unten.

Das Argument des Automobilclubs ruht auf zwei Stützen. Erstens ist der Brent-Ölpreis seit seinen Höchstständen Ende April spürbar gefallen und notiert nun bei gut 100 US-Dollar je Barrel — deutlich niedriger als noch vor einer Woche. Niedrigere Rohölkosten müssten sich mit der üblichen Verzögerung in günstigeren Großhandelspreisen niederschlagen. Zweitens zieht das beliebte Branchenargument nicht mehr, Tankstellen hätten noch Kraftstoff im Tank, der zum alten, höheren Steuersatz eingekauft wurde. Nach zwei Wochen ist dieser Lagerbestand längst verkauft. Wenn die Preise trotzdem nicht weiter fallen, liegt das nicht an teuren Altbeständen, sondern an der Preissetzung der Konzerne.

Damit bestätigt sich ein Bild, das sich schon in der ersten Maiwoche abzeichnete. Unsere Auswertung der Tankrabatt-Weitergabe nach Bundesländern kam auf eine durchschnittliche Weitergabequote von rund 68 Prozent beim Diesel — weit entfernt von den theoretisch möglichen 100 Prozent. Wer in Bayern oder im Südwesten tankt, sieht von der Entlastung etwas mehr; im Norden bleibt ein größerer Teil des Rabatts bei den Konzernen hängen. Neu ist dieses Phänomen nicht: Schon beim Tankrabatt 2022 nahm die Weitergabe über die Wochen hinweg ab, je weiter das Thema aus den Schlagzeilen rückte.

Hinzu kommt der Blick auf das Ende der Frist. Die Steuersenkung läuft am 30. Juni 2026 aus. Bleibt die Weitergabe schon jetzt unvollständig, droht zum Stichtag der umgekehrte Effekt — eine schnelle, vollständige Anhebung um die vollen 16,7 Cent, möglicherweise begleitet von einem zusätzlichen Margenaufschlag. Das Bundeskartellamt beobachtet den Kraftstoffmarkt im Rahmen seiner laufenden Marktüberwachung ohnehin genau; auffällige Preissprünge, die sich nicht durch Rohöl- oder Steuerbewegungen erklären lassen, dürften daher kaum unbemerkt bleiben. Autofahrer sollten die letzten Junitage trotzdem im Auge behalten und ihren Tank lieber vor dem Fristende füllen.

Was Sie jetzt tun können

Wer jetzt sparen will, sollte nicht auf den großen Preissturz warten, sondern die bekannten Hebel nutzen. Tanken Sie am frühen Abend zwischen 17 und 22 Uhr — das ist nach den MTS-K-Daten weiterhin das günstigste Zeitfenster des Tages, auch unter dem Tankrabatt. Meiden Sie die Morgenstunden, in denen die Preise regelmäßig ihr Tageshoch erreichen.

Genauso wichtig ist die Wahl der Tankstelle. Die Preisunterschiede zwischen freien Anbietern und Markentankstellen am selben Ort liegen oft bei sechs bis zehn Cent pro Liter — mehr, als die regionale Spreizung zwischen ganzen Bundesländern hergibt. Ein kurzer Preisvergleich vor der Fahrt zur Tankstelle lohnt sich also fast immer, gerade wenn die bundesweiten Mittelwerte sich kaum bewegen.

Und schließlich: Behalten Sie die Entwicklung im Blick. Sollte der ADAC recht behalten und der Spielraum nach unten tatsächlich genutzt werden, könnten in den kommenden Tagen noch ein paar Cent drin sein. Sollte er es nicht, ist das Niveau knapp unter zwei Euro vorerst das, womit man rechnen muss. Spätestens vor dem Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni lohnt sich ein voller Tank — danach könnte die Energiesteuer ebenso abrupt zurückkehren, wie sie im Mai gefallen ist. Vergleichen Sie jetzt die aktuellen Spritpreise in Ihrer Stadt und prüfen Sie vor dem nächsten Tankstopp, welche Station in Ihrer Nähe gerade am günstigsten ist — zwischen München und Hamburg trennen aktuell über sechs Cent pro Liter.

Häufig gestellte Fragen

Im bundesweiten Mittel kostet ein Liter Diesel rund 1,983 Euro, ein Liter Super E10 etwa 1,973 Euro (Stand 14. Mai 2026, Datenbasis ADAC). Beide Sorten liegen damit erstmals seit Monaten wieder unter der Zwei-Euro-Marke — getrieben durch den Tankrabatt seit dem 1. Mai und gesunkene Rohölpreise. Super E5 liegt mit gut 2,11 Euro noch darüber.

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