Tankstädte-Ranking Juni 2026: 22 Cent trennen Speyer von Dresden
Die SpritFuchs-Datenbank zeigt für die erste Juniwoche 2026 ein Stadtgefälle, das selbst innerhalb desselben Bundeslandes über zwei Cent pro Liter Diesel hinausgeht. Welche zehn Städte am günstigsten tanken — und welche zehn am teuersten.
Inhaltsverzeichnis
Methodik
Die Zahlen in diesem Report stammen aus der SpritFuchs-Datenbank, die jede Nacht den offiziellen Tankerkönig-Datendump verarbeitet — die zentrale Verteilstelle für die Pflichtmeldungen aus der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) beim Bundeskartellamt. Ausgewertet wurden alle 86.699 Tagespreis-Datensätze, die zwischen dem 30. Mai und 4. Juni 2026 für 17.796 aktive Tankstellen erfasst wurden. Wer ein Gefühl für die nationale Lage braucht, findet die tagesaktuellen Bundes- und Bundesländer-Schnitte auf der Preisübersicht.
Für das Stadtranking wurden die Tagespreise je Station auf den Wochenmittelwert verdichtet und anschließend pro Stadt gemittelt. Aus statistischen Gründen sind nur Städte enthalten, in denen mindestens zehn Tankstellen aktiv Preise melden — sonst verzerren einzelne Autobahn- oder Premium-Stationen das Bild. Das Filter lässt 7.026 deutsche Städte auf rund 240 belastbare Kandidaten schrumpfen. Bundesschnitt der Vergleichswoche: 1,861 Euro Diesel, 1,897 Euro Super E10, 1,955 Euro Super E5.
Kernergebnisse
- Speyer (Rheinland-Pfalz) ist mit 1,778 Euro pro Liter Diesel die günstigste deutsche Tankstadt — 8,3 Cent unter dem Bundesschnitt.
- Dresden ist mit 1,999 Euro Diesel die teuerste Stadt im Ranking. Spread Speyer → Dresden: 22,1 Cent oder rund 11 Euro pro 50-Liter-Tankfüllung.
- Vier der zehn günstigsten Städte liegen an der Rhein-Neckar-Achse zwischen Speyer, Ludwigshafen, Heidelberg und Heilbronn — alle innerhalb von 80 Kilometern der Raffinerien Karlsruhe und Ludwigshafen.
- Vier der zehn teuersten Städte sitzen im NRW-Speckgürtel um Köln und Düsseldorf (Grevenbroich, Remscheid, Siegburg, Willich), drei in Niedersachsen-Mitte (Garbsen, Seesen, Lingen).
- Sachsen ist das einzige Bundesland mit einer Stadt in beiden Top-Listen: Chemnitz ist sechstgünstigste, Dresden teuerste Stadt — ein interner Spread von 19,5 Cent Diesel.
- Brandvielfalt erklärt die Unterschiede nicht: In beiden Stadtgruppen liegt der Anteil der großen Marken (Aral, Shell, Esso, Total) bei rund 22 Prozent.
Die zehn günstigsten Tankstädte: Rhein-Neckar führt klar
Wer in der ersten Juniwoche 2026 günstig getankt hat, wohnt mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen Speyer und Heilbronn. Vier Städte aus diesem 80-Kilometer-Streifen — Speyer, Ludwigshafen, Heidelberg, Heilbronn — landen in den Top 10, und ein fünfter Treffer (Rastatt) sitzt knapp südlich davon. Das ist kein Zufall, sondern Geographie: Die Raffinerien Karlsruhe (MiRO) und Oberrhein liefern hier auf kurzen Wegen über Pipeline und Binnenschifffahrt, die Stadt-Tankstellen konkurrieren dichter, und freie Anbieter wie ED und HEM setzen den Markenketten merklich Druck auf.
Speyer ist mit einem Diesel-Schnitt von 1,778 Euro Spitzenreiter. Über die elf Tankstellen, die im Beobachtungszeitraum kontinuierlich Preise melden, liegt E10 bei 1,788 Euro — fast gleichauf mit Diesel und damit ein Indiz für die anhaltende Preis-Umkehr zwischen Diesel und E10, die im Mai begonnen hat. Heilbronn (1,799 Euro) und Koblenz (1,799 Euro) folgen mit hauchdünnem Abstand. Oldenburg in Niedersachsen ist mit 1,799 Euro die einzige norddeutsche Stadt in den Top 10 — die ARA-Pipeline aus Rotterdam und ein hartes Wettbewerbsumfeld mit 30 aktiven Stationen sorgen dort für einen anomal niedrigen Schnitt.
Bayreuth (1,803 Euro) und Chemnitz (1,804 Euro) zeigen, dass günstig nicht zwangsläufig West heißt. Beide Städte profitieren von einer hohen Stations-pro-Einwohner-Quote: In Bayreuth kommen auf 75.000 Einwohner zwanzig meldende Tankstellen, in Chemnitz auf 250.000 Einwohner 35 Stationen — Werte, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen und die Margen drücken. Hinzu kommt in beiden Fällen eine ausgesprochen aktive Discounter-Präsenz: ED, HEM, Sprint und freie Hofstellen halten in Bayreuth und Chemnitz zusammen rund 30 Prozent der Stationen — in den meisten Großstädten liegt dieser Anteil bei unter zwanzig.
Albstadt (1,804 Euro), Heidelberg (1,805 Euro) und Rastatt (1,807 Euro) komplettieren die Top 10. Albstadt ist mit 47.000 Einwohnern die kleinste Stadt im Spitzenfeld — dass elf Stationen meldepflichtig sind, signalisiert eine ungewöhnlich hohe Versorgungsdichte für den Pendlerverkehr in Richtung Reutlingen und Tübingen. Heidelberg sortiert sich knapp über Speyer ein und ist mit 19 meldenden Stationen das beste Beispiel für eine Universitätsstadt, in der dauerhaftes Pendleraufkommen den lokalen Wettbewerb scharf hält. Rastatt schließlich liegt auf halber Strecke zwischen Karlsruhe und Baden-Baden — ein klassisches A5-Korridor-Pricing, bei dem Tankstellen Stadt- statt Autobahnpreise verlangen, weil Durchreisende einen Umweg von wenigen Kilometern auf sich nehmen.
Die zehn teuersten Tankstädte: NRW-Mittelstädte und Sachsen-Ost
Die andere Seite der Skala ist geographisch klar gestaffelt. Dresden steht mit 1,999 Euro Diesel an der Spitze — die einzige Stadt im Ranking, die im Wochenmittel die Zwei-Euro-Marke streift. Garbsen bei Hannover (1,988 Euro) und Bautzen (1,973 Euro) komplettieren das Spitzentrio. Auffällig ist die NRW-Konzentration: Mit Grevenbroich (1,970 Euro), Remscheid (1,970 Euro), Siegburg (1,942 Euro) und Willich (1,937 Euro) stellen mittelgroße Städte des Rheinlands vier der zehn Plätze — sämtlich im Speckgürtel zwischen Köln und Düsseldorf, sämtlich ohne nennenswerten Wettbewerb durch große Autobahnzubringer.
Sachsen-Ost ist die zweite Häufung: Dresden und Bautzen liegen Luftlinie 50 Kilometer auseinander, beide hängen am Ende einer langen Logistik-Kette über die PCK-Raffinerie Schwedt, deren Auslastung seit dem russischen Öl-Embargo schwankt. Die geringe Tankstellendichte — in Dresden kommen auf 560.000 Einwohner nur rund 51 meldende Stationen — verstärkt die Effekte. Bemerkenswert ist Niedersachsens Beitrag: Garbsen, Seesen und Lingen sind durchweg Mittelstädte abseits der Hauptraffinerien, wo Treibstoff über lange LKW-Strecken aus Hamburg oder Rotterdam herangefahren wird.
Schweinfurt fällt als bayerische Anomalie in der Liste der Teuren ins Auge. Mit 1,960 Euro Diesel liegt die unterfränkische Industriestadt fast zehn Cent über dem Bundesschnitt — obwohl Bayern insgesamt mit 1,861 Euro Diesel exakt auf dem Bundesschnitt liegt. Verantwortlich ist die Lage abseits der zentralbayerischen Raffinerien Ingolstadt und Burghausen: Schweinfurt wird über Hessen und Thüringen mit Treibstoff versorgt, hat keinen direkten Autobahnanschluss in der Stadtgrenze und nur 20 meldepflichtige Stationen für 54.000 Einwohner. Wer dort tankt, zahlt 10 Cent mehr als in Bayreuth, das nur 100 Kilometer entfernt liegt — ein Lehrbuchbeispiel für die regionale Mikro-Topographie der MTS-K-Daten.
Das komplette Ranking: Top 10 + Bottom 10
Die Tabelle zeigt für die erste Juniwoche 2026 die zehn günstigsten und zehn teuersten Städte mit mindestens zehn meldenden Tankstellen, gemittelt über 30. Mai bis 4. Juni 2026. Alle Preise in Euro pro Liter, Abweichung zum Bundesschnitt Diesel (1,861 €) in Cent.
| Rang | Stadt | Bundesland | Stationen | Diesel | E10 | E5 | Δ Diesel |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Speyer | Rheinland-Pfalz | 11 | 1,778 € | 1,788 € | 1,847 € | −8,3 ct |
| 2 | Heilbronn | Baden-Württemberg | 17 | 1,799 € | 1,849 € | 1,904 € | −6,2 ct |
| 3 | Koblenz | Rheinland-Pfalz | 14 | 1,799 € | 1,836 € | 1,896 € | −6,2 ct |
| 4 | Oldenburg | Niedersachsen | 30 | 1,799 € | 1,842 € | 1,897 € | −6,1 ct |
| 5 | Bayreuth | Bayern | 20 | 1,803 € | 1,821 € | 1,874 € | −5,8 ct |
| 6 | Chemnitz | Sachsen | 35 | 1,804 € | 1,874 € | 1,933 € | −5,7 ct |
| 7 | Ludwigshafen | Rheinland-Pfalz | 17 | 1,804 € | 1,860 € | 1,919 € | −5,7 ct |
| 8 | Albstadt | Baden-Württemberg | 11 | 1,804 € | 1,843 € | 1,898 € | −5,7 ct |
| 9 | Heidelberg | Baden-Württemberg | 19 | 1,805 € | 1,850 € | 1,907 € | −5,6 ct |
| 10 | Rastatt | Baden-Württemberg | 10 | 1,807 € | 1,845 € | 1,905 € | −5,4 ct |
| … | … | … | … | … | … | … | … |
| −10 | Willich | Nordrhein-Westfalen | 12 | 1,937 € | 1,983 € | 2,043 € | +7,6 ct |
| −9 | Siegburg | Nordrhein-Westfalen | 10 | 1,942 € | 1,962 € | 2,004 € | +8,1 ct |
| −8 | Lingen | Niedersachsen | 12 | 1,955 € | 1,985 € | 2,045 € | +9,4 ct |
| −7 | Schweinfurt | Bayern | 20 | 1,960 € | 1,994 € | 2,052 € | +9,9 ct |
| −6 | Seesen | Niedersachsen | 10 | 1,961 € | 2,044 € | 2,067 € | +10,0 ct |
| −5 | Remscheid | Nordrhein-Westfalen | 20 | 1,970 € | 1,973 € | 2,033 € | +10,9 ct |
| −4 | Grevenbroich | Nordrhein-Westfalen | 12 | 1,970 € | 1,978 € | 2,026 € | +10,9 ct |
| −3 | Bautzen | Sachsen | 10 | 1,973 € | 1,973 € | 2,031 € | +11,2 ct |
| −2 | Garbsen | Niedersachsen | 13 | 1,988 € | 2,013 € | 2,073 € | +12,7 ct |
| −1 | Dresden | Sachsen | 51 | 1,999 € | 1,986 € | 2,046 € | +13,8 ct |
Was erklärt die Unterschiede?
Drei Treiber dominieren. Der erste ist Raffinerie-Nähe. Die Top-Drei der günstigen Städte sitzen sämtlich innerhalb von 60 Kilometern um eine Raffinerie — Speyer und Ludwigshafen direkt am BASF-Komplex Ludwigshafen, Heilbronn an der Verteilstation der MiRO-Pipeline Karlsruhe, Heidelberg im selben Versorgungsgürtel. Jeder Tankzug, der nicht über die Autobahn anrollen muss, spart logistische Kosten, die direkt an der Zapfsäule durchschlagen.
Der zweite Treiber ist Wettbewerbsdichte. Das Bundeskartellamt hat in seiner Sektoruntersuchung Kraftstoffe wiederholt gezeigt, dass die Anzahl der Anbieter im relevanten Einzugsbereich der wichtigste Preistreiber ist — wichtiger als Brand-Premium oder Stadtgröße. Chemnitz zeigt das exemplarisch: Eine Mittelstadt mit 35 meldenden Tankstellen taucht zwischen reinen Raffineriestädten in den Top 10 auf, weil sich Aral, Shell, Total, JET, STAR, HEM und vier freie Anbieter ein hartes lokales Match liefern. Dresden mit nur 51 Stationen für die doppelte Einwohnerzahl bekommt das Gegenteil zu spüren.
Der dritte Treiber ist die Markt-Heterogenität in den ostdeutschen Versorgungsketten. Die PCK Schwedt versorgt einen Großteil Brandenburgs und Sachsens, läuft seit dem EU-Embargo gegen russisches Öl aber unter Vollast-Auslastung mit alternativen Bezugswegen — und die höheren Beschaffungskosten kommen vor allem dort an, wo die Wettbewerbsdichte gering ist. Dass Dresden, Bautzen und Schwedt regelmäßig in den Spitzengruppen der Teuren auftauchen, ist ein wiederkehrendes Muster, das auch der Spritpreis-Report Mai 2026 festgehalten hatte. Brandvielfalt erklärt es ausdrücklich nicht: Die Verteilung großer Markenstationen liegt in beiden Top-10-Gruppen praktisch identisch bei rund 22 Prozent — die Unterschiede entstehen lokal, nicht zwischen Markenstrategien.
Eine Randbeobachtung der ersten Juniwoche verdient eigene Erwähnung. In sieben der zehn günstigsten Städte liegt Diesel inzwischen unter E10 — ein Muster, das vor dem Mai 2026 quasi nicht existierte. Die seit dem 1. Mai laufende Senkung der Energiesteuer auf Diesel um 14,04 Cent netto kommt regional unterschiedlich an, schlägt aber in den raffinerienahen Märkten am schnellsten durch. In Speyer beträgt der Spread Diesel zu E10 nur noch ein Cent zugunsten von Diesel, in Heidelberg sind es bereits 4,5 Cent. Wer einen modernen Diesel oder einen E10-tauglichen Benziner fährt, sollte den Preisvergleich an der Zapfsäule nicht aus Gewohnheit machen, sondern jeden Tankstopp neu durchrechnen — die alten Faustregeln gelten nicht mehr.
Was das für Autofahrer heißt
Für Pendler in der Nähe der Stadt-Extreme lohnt der Blick auf die Karte. Wer im Speyerer Umfeld wohnt, sollte den Tank im Stadtgebiet auffüllen, statt auf der Autobahn — der Aufschlag an A6- und A61-Stationen frisst den Standortvorteil binnen Minuten auf. Wer in Dresden lebt, fährt mit einer Tankfüllung gut, wenn er den Stadtschnitt unterbietet: Die Spanne zwischen günstigster und teuerster Stadt-Station beträgt aktuell mehr als 15 Cent — gut sortierte Apps und Webseiten machen den Unterschied schnell sichtbar.
Hochgerechnet auf 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung mit einem 7-Liter-Diesel ergibt der Spread zwischen Speyer und Dresden rund 232 Euro pro Jahr — allein durch den Tankort, ohne jede Verhaltensänderung. Wer regelmäßig zwischen Regionen pendelt, kann den Unterschied gezielt nutzen: Vergleichen Sie vor jeder Tankfüllung die aktuellen Preise in Ihrer Umgebung, planen Sie längere Touren so, dass ein günstiger Tankstopp am Streckenrand liegt, und nutzen Sie die Stadt- und PLZ-Suche von SpritFuchs, um die billigsten Stationen in Ihrer Umgebung in Echtzeit zu sehen.
Häufig gestellte Fragen
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