Tankrabatt 2026: 17 Cent weniger an der Zapfsäule ab Mai
Ab 1. Mai senkt die Koalition die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter – befristet bis 30. Juni 2026.
Überarbeitung vom 17. September 2026: Rechenbeispiel korrigiert: 15.000 km im Jahr bei 7 Litern Verbrauch ergeben über zwei Monate rund 30 € Ersparnis, nicht 35–40 €.
Inhaltsverzeichnis
Update 3. Juli 2026: Der hier beschriebene Tankrabatt lief planmäßig am 30. Juni 2026 aus. Seit dem 1. Juli sind die Preise um rund 17 bis 19 Cent zurück auf das Niveau vor der Steuersenkung gestiegen.
Was hat die Koalition beim Tankrabatt 2026 beschlossen?
Stand 21. April 2026: Die schwarz-rote Koalition aus CDU/CSU und SPD hat unter Bundeskanzler Friedrich Merz ein Entlastungspaket auf den Weg gebracht. Im Mittelpunkt steht ein bekanntes Instrument, das man zuletzt im Sommer 2022 kannte: der Tankrabatt.
Der Auslöser war eine außergewöhnliche Preisspitze im März und April 2026. Zwei Faktoren trieben die Spritpreise gleichzeitig nach oben: Der Iran-Konflikt hatte den Brent-Rohölpreis zeitweise über 105 US-Dollar pro Barrel getrieben und die Straße von Hormuz in die Schlagzeilen gebracht. Zugleich befeuerten die traditionell hohen Osterreisen die Nachfrage. Das Ergebnis: Super E10 erreichte am Ostermontag, 6. April 2026, mit 2,192 € pro Liter den Jahreshöchststand. Diesel kletterte auf 2,447 € und war damit teurer als auf dem Hochpunkt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
Die Koalition beschloss am 13. April 2026 ein Dreisäulen-Paket:
- Befristete Energiesteuersenkung: 14,04 Cent pro Liter netto, inklusive Umsatzsteueranteil rund 17 Cent brutto, gültig vom 1. Mai bis 30. Juni 2026.
- Steuer- und abgabefreier Krisen-Bonus von bis zu 1.000 €, den Arbeitgeber freiwillig an ihre Beschäftigten zahlen können.
- Verschärfung des Kartellrechts, damit das Bundeskartellamt schneller und härter eingreifen kann, wenn sinkende Rohstoffkosten nicht an die Zapfsäule weitergegeben werden.
Was ändert die Energiesteuersenkung am Literpreis?
Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) ist seit 2003 unverändert geblieben und macht einen erheblichen Teil des Literpreises aus. Mit der befristeten Senkung passiert technisch Folgendes: Der Steuersatz auf Benzin und Diesel wird für zwei Monate um 14,04 Cent pro Liter reduziert. Da auf diesen Steueranteil auch Mehrwertsteuer anfällt, addieren sich beim Endpreis brutto rund 17 Cent Ersparnis, vorausgesetzt, der Handel gibt die Senkung vollständig weiter.
Unsere Preisentwicklung zeigt den Verlauf im Detail. Aktuelle nationale Durchschnittspreise laut ADAC (Stand 14. April 2026) und die erwarteten Preisniveaus nach der Steuersenkung:
| Kraftstoff | 07.04.2026 | 14.04.2026 | Ab 01.05.2026 (erwartet*) |
|---|---|---|---|
| Super E10 | 2,188 €/L | 2,107 €/L | ~1,94 €/L |
| Super E5 | ~2,215 €/L | ~2,140 €/L | ~1,97 €/L |
| Diesel | 2,447 €/L | 2,286 €/L | ~2,12 €/L |
\ Schätzung auf Basis des Preisniveaus vom 14. April. Marktbewegungen bis zum 1. Mai können die tatsächlichen Preise nach oben oder unten verschieben.*
Eine gute Nachricht vorab: Noch vor dem offiziellen Stichtag hat eine erste Marktkorrektur eingesetzt. Nachdem die USA und der Iran am 9. April eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbarten, fiel der Brent-Rohölpreis am 17. April auf 90,38 US-Dollar pro Barrel, ein Rückgang von fast 15 Prozent gegenüber dem Aprilhoch. Diesel sank allein in der Woche zum 14. April um mehr als 16 Cent, Super E10 um rund 8 Cent. Der ADAC bewertet diese Korrektur als „überfällig, aber nicht ausreichend“.
Die Gegenfinanzierung des 1,6-Milliarden-Euro-Pakets erfolgt über eine Erhöhung der Tabaksteuer noch in diesem Jahr. Aus Kreisen der Mineralölwirtschaft (dem Verband der Kraftstoffhändler) hieß es, die Steuersenkung werde „mit großer Sicherheit“ vollständig an die Verbraucher weitergegeben. Wie sich der Literpreis über Steueranteil, Rohöl und Handelsmarge zusammensetzt, erklärt unser Artikel zur Benzinpreis-Zusammensetzung.
Warum ist der Tankrabatt umstritten?
Das Instrument hat in Deutschland eine kurze, aber lehrreiche Geschichte. Im Sommer 2022 senkte die damalige Ampelkoalition die Energiesteuer für drei Monate deutlich, und die wissenschaftliche Aufarbeitung fiel gespalten aus.
Das ifo-Institut kam zu dem Ergebnis, dass der Diesel-Tankrabatt zu 100 Prozent und der Benzin-Rabatt zu 85 Prozent an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeichnete ein differenzierteres Bild: Im Schnitt der Gesamtlaufzeit kamen beim Diesel 87 Prozent und bei Super E10 nur 71 Prozent tatsächlich an. Entscheidend: Der Effekt nahm im zweiten und dritten Monat stark ab. In einkommensstarken Regionen wie Bayern war die Weitergabe deutlich geringer als etwa in ostdeutschen Bundesländern.
Die Kritik aus der Wissenschaft ist diesmal noch schärfer als 2022. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bezeichnete die Maßnahme als „die schlechteste aller diskutierten Optionen“. Ihr Hauptargument: Der Rabatt verteilt nach dem Gießkannenprinzip – auch Vielfahrer mit hohem Einkommen profitieren, obwohl sie die höheren Preise problemlos stemmen könnten. Gleichzeitig sinkt der Anreiz, Kraftstoff zu sparen oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. DIW-Chef Marcel Fratzscher nannte es einen „teuren Fehler“ und plädierte stattdessen für gezielte Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte. ifo-Chef Clemens Fuest wies darauf hin, dass die Steuerausfälle gegenfinanziert werden müssten; letztlich sei es „nur Umverteilung“, keine echte Entlastung.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlug im April 2026 in dieselbe Kerbe und bezeichnete Kraftstoffsubventionen generell als „unkluge Maßnahme“, weil sie Staatshaushalte belasten, ohne sozial Schwächere gezielt zu schützen.
Die Bundesregierung hält dem entgegen: Die sozialen Folgen der hohen Kraftstoffkosten seien unmittelbar spürbar, und ein schnelles Signal der Entlastung sei politisch und gesellschaftlich geboten. Die diesmalige Verknüpfung mit der Kartellrechtsverschärfung soll sicherstellen, dass die Senkung tatsächlich ankommt. Das Bundeskartellamt hat seit dem 1. April 2026 eine eigens verstärkte Beschlussabteilung für den Kraftstoffsektor eingerichtet. Präsident Andreas Mundt begrüßte die Maßnahme am 9. April ausdrücklich und betonte, die Behörde werde die Weitergabe aktiv überwachen – schließlich habe man früher bis zu 50 Preisänderungen pro Tag an einzelnen Tankstellen beobachtet, was einen effektiven Vergleich für Verbraucher unmöglich gemacht habe.
Darüber hinaus weisen Experten auf ein Timing-Problem hin: Der Tankrabatt könnte mit einigen Tagen Verzögerung an der Zapfsäule ankommen. Zwischen dem steuerlichen Stichtag, der Preisanpassung im Großhandel und der Weitergabe an die Tankstellen vergeht Zeit. Mit Preisen exakt am 1. Mai um 17 Cent niedriger sollte niemand rechnen. Seit 1. April gilt zudem die neue Preiserhöhungsregel, die den Tagesrhythmus an den Zapfsäulen verändert hat.
Wie viel sparen Autofahrer im Mai und Juni 2026?
Wer im Mai und Juni 2026 in Deutschland tankt, zahlt, wenn alles klappt, rund 17 Cent pro Liter weniger, als es ohne die Steuersenkung der Fall wäre.
Ein konkretes Rechenbeispiel: Beim Volltanken eines 50-Liter-Tanks spart man etwa 8,50 €. Bei zwei Tankfüllungen pro Monat sind das rund 17 € Ersparnis im Monat. Rechnet man stattdessen mit einem Jahreskilometerstand von 15.000 km und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 km, kommt man über die zwei Monate auf rund 175 Liter und damit auf eine Gesamtersparnis von rund 30 €.
Einige Einschränkungen sind wichtig:
- Die Senkung gilt für Benzin (E5 und E10) sowie Diesel, nicht für Autogas (LPG), Erdgas (CNG) oder Wasserstoff.
- Nach dem 30. Juni enden die gesenkten Sätze automatisch. Ohne weitere Marktentspannung droht dann ein merklicher Preisanstieg zurück auf das aktuelle Niveau.
- Wer jetzt auf Vorrat volltankt, hat davon nichts. Der Vorteil entsteht erst beim Tanken ab dem 1. Mai.
Wann sollte man vor dem Tankrabatt-Start tanken?
- Warten lohnt sich. Füllen Sie Ihren Tank möglichst erst nach dem 1. Mai auf: Bei 50 Litern sparen Sie gegenüber dem heutigen Preis rund 8,50 €. Bis dahin nur so viel tanken wie nötig.
- Den richtigen Zeitpunkt wählen. Seit der 12-Uhr-Regel ist der Sprit meist vormittags kurz vor 12 Uhr am günstigsten, nicht mehr abends. Mehr zum Tagesverlauf liefert unser Ratgeber: Wann ist Tanken am günstigsten?.
- Nachrichten im Blick behalten. Der Iran-Konflikt bleibt volatil. Eskaliert er, kann der Rohölpreis die 17-Cent-Senkung schnell wieder auffressen. Unsere Daten stammen aus dem offiziellen MTS-K-Feed (Tankerkoenig, CC BY-NC-SA 4.0) und werden täglich aktualisiert.
Häufig gestellte Fragen
Wann tritt die Energiesteuersenkung in Kraft?
Ab 1. Mai 2026, sofern der Bundestag am 23. April 2026 dem Gesetzentwurf zustimmt – was als sicher gilt.
Wie viel billiger wird Benzin und Diesel ab Mai?
Die Energiesteuer sinkt netto um 14,04 Cent pro Liter. Inklusive des anteiligen Mehrwertsteuereffekts entspricht das rund 17 Cent brutto pro Liter – für E5, E10 und Diesel gleichermaßen.
Wie lange gilt die Steuersenkung?
Die Maßnahme ist befristet auf zwei Monate: 1. Mai bis 30. Juni 2026. Danach gelten wieder die regulären Energiesteuersätze.
Kommt die Senkung wirklich an der Zapfsäule an?
Die Mineralölwirtschaft hat vollständige Weitergabe versprochen. 2022 gab das ifo-Institut an, Diesel sei zu 100 Prozent, Benzin zu 85 Prozent weitergegeben worden. Das RWI stellte jedoch fest, dass der Effekt im zweiten Monat stark abnahm und regional sehr unterschiedlich ausfiel. Das Bundeskartellamt überwacht diesmal aktiv.
Was kostet der Tankrabatt den Staat?
Rund 1,6 Milliarden Euro Steuermindereinnahmen im laufenden Jahr. Gegenfinanziert wird die Maßnahme durch eine Erhöhung der Tabaksteuer bereits in 2026.
Warum kritisieren Ökonomen den Tankrabatt?
Sachverständigenratsvorsitzende Monika Schnitzer nannte ihn „die schlechteste aller diskutierten Optionen“. Die Kritik: Der Rabatt kommt mit der Gießkanne – auch wohlhabende Vielfahrer profitieren, die keine Unterstützung benötigen. Zudem sinkt der Anreiz, sparsamer zu fahren oder Alternativen zu nutzen.
Gibt es neben dem Tankrabatt weitere Entlastungen im Paket?
Ja: Arbeitgeber dürfen einen steuer- und abgabefreien Krisen-Bonus von bis zu 1.000 Euro an Beschäftigte zahlen. Außerdem wird das Kartellrecht verschärft, damit das Bundeskartellamt schneller reagieren kann, wenn sinkende Rohstoffpreise nicht an den Tankstellen ankommen.
Wann normalisieren sich die Preise wieder?
Eine erste Entspannung ist bereits im Gange: Diesel sank in der Woche vom 7. auf den 14. April 2026 um über 16 Cent, E10 um rund 8 Cent. Langfristig hängt es vom Brent-Rohölpreis und der Lage im Nahen Osten ab. Der Tankrabatt endet am 30. Juni – ohne weitere Marktentspannung könnte es danach wieder nach oben gehen.
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