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Von SpritFuchs Redaktion

Tankrabatt 2.0: Bundestag stimmt am 23. April ab – 17 Cent weniger an der Zapfsäule ab Mai

Ab 1. Mai senkt die Koalition die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter – befristet bis 30. Juni 2026.

Inhaltsverzeichnis

Update 3. Juli 2026: Der hier beschriebene Tankrabatt lief planmäßig am 30. Juni 2026 aus. Seit dem 1. Juli sind die Preise um rund 17 bis 19 Cent zurück auf das Niveau vor der Steuersenkung gestiegen.

Was ist passiert?

Stand 21. April 2026: Die schwarz-rote Koalition aus CDU/CSU und SPD hat unter Bundeskanzler Friedrich Merz ein Entlastungspaket auf den Weg gebracht – und im Mittelpunkt steht ein bekanntes Instrument, das man zuletzt im Sommer 2022 kannte: der Tankrabatt.

Der Auslöser war eine außergewöhnliche Preisspitze im März und April 2026. Zwei Faktoren trieben die Spritpreise gleichzeitig nach oben: Erstens hatte der Iran-Konflikt den Brent-Rohölpreis zeitweise über 105 US-Dollar pro Barrel getrieben und die Straße von Hormuz in die Schlagzeilen gebracht. Zweitens befeuerten die traditionell hohen Osterreisen die Nachfrage. Das Ergebnis: Super E10 erreichte am Ostermontag, 6. April 2026, mit 2,192 Euro pro Liter den Jahreshöchststand. Diesel kletterte auf 2,447 Euro – damit war er teurer als auf dem Hochpunkt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Die Koalition beschloss am 13. April 2026 ein Dreisäulen-Paket:

  1. Befristete Energiesteuersenkung – 14,04 Cent pro Liter netto, inklusive Umsatzsteueranteil rund 17 Cent brutto – gültig vom 1. Mai bis 30. Juni 2026.
  2. Steuer- und abgabefreier Krisen-Bonus von bis zu 1.000 Euro, den Arbeitgeber freiwillig an ihre Beschäftigten zahlen können.
  3. Verschärfung des Kartellrechts, damit das Bundeskartellamt schneller und härter eingreifen kann, wenn sinkende Rohstoffkosten nicht an die Zapfsäule weitergegeben werden.
Am Donnerstag, 23. April 2026, stimmt der Bundestag nach einstündiger Debatte darüber ab. Die Mehrheit der Koalitionsfraktionen gilt als gesichert. Tritt das Gesetz fristgerecht in Kraft, greift die Senkung pünktlich zum 1. Mai. Wer den tatsächlichen Effekt an den Zapfsäulen verfolgen möchte, findet aktuelle Durchschnittswerte in unserer nationalen Preisübersicht.

Die Details: Was genau sich beim Preis ändert

Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) ist seit 2003 unverändert geblieben und macht einen erheblichen Teil des Literpreises aus. Mit der befristeten Senkung passiert technisch Folgendes: Der Steuersatz auf Benzin und Diesel wird für zwei Monate um 14,04 Cent pro Liter reduziert. Da auf diesen Steueranteil auch Mehrwertsteuer anfällt, addieren sich beim Endpreis brutto rund 17 Cent Ersparnis – vorausgesetzt, der Handel gibt die Senkung vollständig weiter.

Unsere Preisentwicklung zeigt den Verlauf im Detail. Aktuelle nationale Durchschnittspreise laut ADAC (Stand 14. April 2026) und die erwarteten Preisniveaus nach der Steuersenkung:

Kraftstoff07.04.202614.04.2026Ab 01.05.2026 (erwartet*)
Super E102,188 €/L2,107 €/L~1,94 €/L
Super E5~2,215 €/L~2,140 €/L~1,97 €/L
Diesel2,447 €/L2,286 €/L~2,12 €/L
\ Schätzung auf Basis des Preisniveaus vom 14. April. Marktbewegungen bis zum 1. Mai können die tatsächlichen Preise nach oben oder unten verschieben.*

Eine gute Nachricht vorab: Noch vor dem offiziellen Stichtag hat eine erste Marktkorrektur eingesetzt. Nachdem die USA und der Iran am 9. April eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbarten, fiel der Brent-Rohölpreis am 17. April auf 90,38 US-Dollar pro Barrel – ein Rückgang von fast 15 Prozent gegenüber dem Aprilhoch. Diesel sank allein in der Woche zum 14. April um mehr als 16 Cent, Super E10 um rund 8 Cent. Das ADAC bewertet diese Korrektur als „überfällig, aber nicht ausreichend".

Die Gegenfinanzierung des 1,6-Milliarden-Euro-Pakets erfolgt über eine Erhöhung der Tabaksteuer noch in diesem Jahr. Aus Kreisen der Mineralölwirtschaft – dem Verband der Kraftstoffhändler – hieß es, die Steuersenkung werde „mit großer Sicherheit" vollständig an die Verbraucher weitergegeben. Wie sich der Literpreis über Steueranteil, Rohöl und Handelsmarge zusammensetzt, erklärt unser Artikel zur Benzinpreis-Zusammensetzung.

Warum der Tankrabatt umstritten ist

Das Instrument hat in Deutschland eine kurze, aber lehrreiche Geschichte. Im Sommer 2022 senkte die damalige Ampelkoalition die Energiesteuer für drei Monate deutlich – und die wissenschaftliche Aufarbeitung fiel gespalten aus.

Das ifo-Institut kam zu dem Ergebnis, dass der Diesel-Tankrabatt zu 100 Prozent und der Benzin-Rabatt zu 85 Prozent an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeichnete ein differenzierteres Bild: Im Schnitt der Gesamtlaufzeit kamen beim Diesel 87 Prozent und bei Super E10 nur 71 Prozent tatsächlich an. Entscheidend: Der Effekt nahm im zweiten und dritten Monat stark ab. In einkommensstarken Regionen wie Bayern war die Weitergabe deutlich geringer als etwa in ostdeutschen Bundesländern.

Die Kritik aus der Wissenschaft ist diesmal noch schärfer als 2022. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bezeichnete die Maßnahme als „die schlechteste aller diskutierten Optionen". Ihr Hauptargument: Der Rabatt verteilt nach dem Gießkannenprinzip – auch Vielfahrer mit hohem Einkommen profitieren, obwohl sie die höheren Preise problemlos stemmen könnten. Gleichzeitig sinkt der Anreiz, Kraftstoff zu sparen oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. DIW-Chef Marcel Fratzscher nannte es einen „teuren Fehler" und plädierte stattdessen für gezielte Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte. ifo-Chef Clemens Fuest wies darauf hin, dass die Steuerausfälle gegenfinanziert werden müssten – letztlich sei es „nur Umverteilung", keine echte Entlastung.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlug im April 2026 in dieselbe Kerbe und bezeichnete Kraftstoffsubventionen generell als „unkluge Maßnahme", weil sie Staatshaushalte belasten, ohne sozial Schwächere gezielt zu schützen.

Die Bundesregierung hält dem entgegen: Die sozialen Folgen der hohen Kraftstoffkosten seien unmittelbar spürbar, und ein schnelles Signal der Entlastung sei politisch und gesellschaftlich geboten. Die diesmalige Verknüpfung mit der Kartellrechtsverschärfung soll sicherstellen, dass die Senkung tatsächlich ankommt. Das Bundeskartellamt hat seit dem 1. April 2026 eine eigens verstärkte Beschlussabteilung (V B13) für den Kraftstoffsektor eingerichtet. Präsident Andreas Mundt begrüßte die Maßnahme am 9. April ausdrücklich und betonte, die Behörde werde die Weitergabe aktiv überwachen – schließlich habe man früher bis zu 50 Preisänderungen pro Tag an einzelnen Tankstellen beobachtet, was einen effektiven Vergleich für Verbraucher unmöglich gemacht habe.

Darüber hinaus weisen Experten auf ein Timing-Problem hin: Der Tankrabatt könnte mit einigen Tagen Verzögerung an der Zapfsäule ankommen. Zwischen dem steuerlichen Stichtag, der Preisanpassung im Großhandel und der Weitergabe an die Tankstellen vergeht Zeit. Mit Preisen exakt am 1. Mai um 17 Cent niedriger sollte niemand rechnen – seit 1. April gilt zudem die neue Preiserhöhungsregel, die den Tagesrhythmus an den Zapfsäulen verändert hat.

Was heißt das für Autofahrer?

Wer im Mai und Juni 2026 in Deutschland tankt, zahlt – wenn alles klappt – rund 17 Cent pro Liter weniger, als es ohne die Steuersenkung der Fall wäre.

Ein konkretes Rechenbeispiel: Beim Volltanken eines 50-Liter-Tanks spart man etwa 8,50 Euro. Wer zweimal pro Monat volltankt, kommt auf rund 17 Euro Ersparnis im Monat. Das entspricht bei einem Jahreskilometerstand von 15.000 km und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 km über die zwei Monate einer Gesamtersparnis von etwa 35–40 Euro.

Einige Einschränkungen sind wichtig:

  • Die Senkung gilt für Benzin (E5 und E10) sowie Diesel – nicht für Autogas (LPG), Erdgas (CNG) oder Wasserstoff.
  • Nach dem 30. Juni enden die gesenkten Sätze automatisch. Ohne weitere Marktentspannung droht dann ein merklicher Preisanstieg zurück auf das aktuelle Niveau.
  • Wer jetzt auf Vorrat volltankt, hat davon nichts. Der Vorteil entsteht erst beim Tanken ab dem 1. Mai.

Was Sie jetzt tun können

  1. Warten lohnt sich. Füllen Sie Ihren Tank möglichst erst nach dem 1. Mai auf – bei 50 Litern sparen Sie gegenüber dem heutigen Preis rund 8,50 Euro. Bis dahin nur so viel tanken wie nötig.
  2. Den richtigen Zeitpunkt wählen. Seit der 12-Uhr-Regel ist der Sprit meist vormittags kurz vor 12 Uhr am günstigsten, nicht mehr abends. Mehr zum Tagesverlauf liefert unser Ratgeber: Wann ist Tanken am günstigsten?.
  3. Nachrichten im Blick behalten. Der Iran-Konflikt bleibt volatil. Eskaliert er, kann der Rohölpreis die 17-Cent-Senkung schnell wieder auffressen. Unsere Daten stammen aus dem offiziellen MTS-K-Feed (Tankerkoenig, CC BY-NC-SA 4.0) und werden täglich aktualisiert.

Häufig gestellte Fragen

Ab 1. Mai 2026, sofern der Bundestag am 23. April 2026 dem Gesetzentwurf zustimmt – was als sicher gilt.

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